Daunenschlafsäcke im Test | BERGSTEIGER Magazin
BERGSTEIGER Testbericht: Daunenschlafsäcke

Daunenschlafsäcke im Test

Wenn es draußen um die null Grad Celsius hat, sind leichte und klein verpackbare Daunenschlafsäcke mit hoher Bauschkraft die beste Wahl fürs Schlafen auf Tour; egal ob im Zelt oder mit Nässeschutz im Biwak. (Aus BERGSTEIGER 02/2016)
 
Einmaliges Erlebnis: eine Nach unter freiem Himmel am Berg © Fotolia
Einmaliges Erlebnis: eine Nach unter freiem Himmel am Berg
Zu den wohl unvergesslichsten Bergabenteuern gehörtes, die Nacht draußen unterdem Sternenzelt zu verbringenund sowohl Sonnenuntergang als auch Sonnenaufgang am Berg bewundern zu können. So richtig genießen lässt sich dieses Erlebnis allerdings nur, wenn man die Nacht in einem kuscheligen Schlafsack verbringt.

Wir stellen Ihnen zwölf mitteldicke Daunenschlafsäcke vor, die ideal für kühle bis kalte Nachttemperaturen sind und sich vor allem für Übergangszeiten und milde Winternächte eignen – weniger dagegen im Hochsommer und Hochwinter: Es handelt sich um 3-Season-Modelle mit Schwerpunkt auf Kälteschutz.

Laut Norm sollte sich eine durchschnittliche Frau hier bei Temperaturenvon -4 bis -7 Grad gerade noch wohl fühlen (Tkom), ein fitter Mann bei -10 bis -13 Grad (Tlim). Wärmere Modelle gelten in unseren Breiten als Wintermodelle (Deuter). Ab null Grad aufwärts sind Outdoor-Decken nur im Sommerhalbjahr verwendbar. Von den meisten vorgestellten Modellen gibt es wärmere und kühlere Varianten. Alter, Fitness und psychischeVerfassung sowie die Isolation von unten, etwa durch eine Isomatte oder durch Kleidung, beeinflussen die tatsächliche Wärmeleistung.

Diese 12 Schlafsäcke haben wir getestet:


Gewicht, Packvolumen und Länge

Gute Daunenschlafsäcke sind deutlich leichter (in Übergröße mit Packsack gemessen wiegen sie meist 1300 bis 1500g; Therm-a-Rest 1100 g) und kleiner verpackbar (meist 13 bis 16 l, Sir Joseph 10 l) als Schlafsäcke mit Isolationsfasern.

Sie eignen sich für Trekking und zum Bergsteigen bei Rucksackgrößen um 50 Liter, Kompaktmodelle bei einer Biwaknacht  auch für Bergrucksäcke um 35 Liter. Das Verhältnis zwischen Wärme und Gewicht ist phänomenal (z.B. Valandré: Grenzwert -12°C bei 1,3 kg).

Der Preis leistungsfähiger Schlafsäcke entspricht etwa dem hochwertiger Hardshelljacken (über 400 bis über 500 €; kühleres Modell Salewa 370 €, Expeditionsmodell Valandré 569 €). Meist werden drei Längen angeboten, deren Preise sich um 20 bis 30 € unterscheiden.

In den Standardschlafsack passt ein bis zu 185 Zentimeter großer Mensch; in Übergröße sollten es zwei Meter sein, bei Frauengröße S bis 170 Zentimeter. Da die Säcke rund 20 Zentimeter länger sind, stoßen sie meist an der Zeltwand an. Gegen die Kondensationsfeuchte sind manche Modelle an Kopf- und Fußteil nässedicht (Deuter; Millet resistente Daune).

Wärmt von innen und außen

Füllmenge und Bauschkraft (Loft) der Daunen bestimmen den Temperaturbereich. Je größer der Loft, desto besser ist das Leistungsgewicht, desto stärker ist die Pack-Kompression und umso weniger nimmt die Wärmeleistung mit der Gebrauchszeit ab. Außerdem müssen die Kammern prall befüllt sein, die Nähte dürfen zur Verringerung von Kältebrücken nicht durchgesteppt sein und die eingeblasenen Daunen nicht verrutschen. Deshalb sind H-förmige Kammern Standard, die sich schindelartig oder trapezförmig überlagern.
 
Daunenschlafsack Kapuze



Wenn es richtig kalt ist, sollten nur noch Nase und Mund zu sehen sein.





















Wenn man auf einer Isomatte mit Luftfüllung übernachtet, übernimmt diese einen Gutteil der Bodenisolierung. Therm-a-Rest nutzt diese zum Sparen von Gewicht und Packvolumen, indem deren Unterseite deutlich weniger Daunen enthält – und die Oberseite weniger als nötig, weil das Futter mit Aluminium bedampft ist. Zudem lässt sie sich an der Matte befestigen,so dass man auch auf unebenem Boden nicht herunterrutscht. Bei Millet isolierendie unteren Daunen weniger.

Die kältedichte Mumie

Der klassische Mumienschnitt ist an den Beinen deutlich schmaler als an den Schultern (z.B. Mountain Equipment), damit der Körper möglichst wenig Luft aufwärmen muss. Moderne Schlafsäcke sind aber so gut isoliert, dass sie auch unten weiter sein können. Sie bieten somit mehr Bewegungsfreiheit (Salewa mit Dehneinsätzen; Deuter innen anpassend) und man kann auch Ausrüstung zum Warmhalten verstauen (Haglöfs mit Taschen).

Die Kältebrücke des Seiten-Reißverschlusses ist oft mit einem dichten Daunen-Wulst hinterlegt, so dass man nicht mehr auf einen knöchellangen Reißverschluss (Deuter, Millet, Yeti) verzichten muss (Salewa plus Fuß-RV!). Kein Reißverschluss der vorgestellten Schlafsäcke klemmt im Futter (außer Yeti), allerdings sind einige etwas hakelig zu bedienen.

Eine Abdeckung mit Klettverschluss am oberen Ende verhindert seine ungewollte Öffnung und schützt das Gesicht vor dem Zipper; eine Abdeckpatte kann dagegen stören. Bei niedrigeren Temperaturen ist eine Halskrause am Schlafsack nötig. Mit einem Klettverschluss schließt diese mit einfachem Doppelzug effizient, aber teils fieselig ab. Zugezogen ist das Band allerdings oft störend lang. Mit Druckknopf lässt sich die Halskrause meist einfacher schließen, hält aber nicht ganz so dicht.

Daunenschlafsäcke
Blähbalg: Kaum zu glauben, dass ein 2,2 Meter langer Schlafsack in einen Packsack von nur 10 Liter Volumen gestopft werden kann.

Zugunsten des geringsten Wärmeverlusts sollte die Kapuze zugezogen nur noch eine Atemöffnung für Mund und Nase übriglassen (Vaude ist perfekt oval, Haglöfs besitzt eine top schließbare Rundöffnung bis zur Nase). Die Parallelzüge zum einhändigen Zuziehen funktionieren bei einigen Modellen nur zweihändig gut. Nur Yeti lässt sich einhändig aufziehen. Durchdachte Modelle besitzen zur Unterscheidung für den oberen und unteren Teil der Gesichtsöffnung verschiedenartige Züge. Phosphoreszierende Zugklemmen und einen grell gefärbten Reißverschluss findet man auch in der Dunkelheit (Millet) gut. Sir Joseph, Mountain Equipment Glacier und Therm-a-Rest sind wasserresistent und damit voll biwaktauglich.

Resüme:

Die Daunenschlafsäcke für mildere Winter-und kühle Übergangszeiten wurden sukzessive verbessert: Ohne Einklemmen zippbare Reißverschlüsse und leichtgängige Züge sind verbunden mit einer noch besseren Abdichtung, höherer Bauschkraftund taudichter Imprägnierung. Die Daunen vieler Marken-Hersteller stammen inzwischen von Enten oder Gänsen, die erst nach dem Schlachten gerupft werden. Diverse Zertifikate weisen darauf hin.

Für mehrtägige feuchtkalte oder Biwak-Touren gibt es inzwischen Modelle mit luftigen, nässedichten Membranen oder wasserabweisend imprägnierter Daune, die auch ihre Bauschkraft behält,wenn sie feucht wird und an der Luft schnell wieder trocknet.

Gut zu wissen:

  • Hals: Ein Wärmekragen verbessert bei Schlafsäcken für Temperaturen unter null Grad den Wärmerückhalt erheblich.
  • Finger: Die Einhandzüge zum Anpassen der Gesichtsöffnung bestehen im Idealfall aus verschiedenen Kordeln.
  • Füße: Der Schlafsack sollte am Fußende eine hochgezogene Zehenbox besitzen, die die Füße relativ gerade aufrichtet.
  • Schultern: Der seitliche Zweiwege-Reißverschluss sollte beim Schließen und Öffnen auch im Schulterbereichleicht gehen.
  • Gesicht: Die Öffnung sollte das Gesicht bis auf Augen und Kinn umschließen können, bei Frost nur Nase und Mund freilassen.

Tipps: Die Nacht im Daunenschlafsack

  • Für maximale Entfaltung den Daunenschlafsack nachdem Auspacken von oben und von unten aufschütteln.
  • Damit die Körperwärme im Schlafsack voll zur Geltungkommt am besten in Unterwäsche hineinlegen.
  • Vor dem Einschlüpfen Kopfabdichtung ansehen: Erst Kapuzenzug, dann Halskrausenzug schließen.
  • Für beste Bedienung den Reißverschluss beim Zuziehen nie belasten. Erst nach dem Aufziehen der Schulter die Klettabdeckung öffnen, die den Zipper verstaut.
  • Kühlstufen: Reißverschluss unten öffnen, Beine rausstrecken; Kapuze öffnen, Kragen öffnen; Reißverschluss ganz öffnen, als Decke verwenden.
  • Bei Schlafen im Freien zum Tauschutz unter einen Baum legen oder ein nässedichtes Modell verwenden.
  • Zum Erhalt der Bauschkraft den Daunenschlafsack im voluminösen und luftigen Aufbewahrungssack lagern.
Christian Schneeweiß
Artikel aus Bergsteiger Ausgabe 02/2016. Jetzt abonnieren!
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