12 Zweipersonenzelte im Test | BERGSTEIGER Magazin
BERGSTEIGER Testbericht: Zweimann-Zelte

12 Zweipersonenzelte im Test

Wir haben 12 Zweimannzelte unter die Lupe genommen und auf Faktoren wie Gewicht, Packmaß, Auf- und Abbau, sowie Wasserdichte und preis-/Leistungsverhältnis getestet. Welche 2-Personenzelte am besten abgeschnitten haben, verraten wir Ihnen hier:
(Aus BERGSTEIGER 09/2015)
 
Im BERGSTEIGER Test 09/2015: Zweimannzelte © Jens Ottoson - Fotolia.com
Im BERGSTEIGER Test 09/2015: Zweimannzelte
Zugegeben: Wanderer in den Alpen nutzen eher Hütten, als dass sie das eigene Haus auf dem Rücken mitschleppen. Wer hierzulande in den Bergen zeltet, macht es aus Spaß oder Idealismus. In Skandinavien, Nordamerika oder Südeuropa dagegen gehören Zelte zur selbstverständlichen Ausrüstung bei Mehrtagewanderungen. Logisch, dass diese tragbaren vier Wände dann auch spezielle Anforderungen in Sachen Gewicht und Größe erfüllen müssen. Auf längeren Strecken ist man meistens mindestens zu zweit unterwegs, weshalb in diesem Test nur Zwei-Personen-Zelte in die engere Auswahl kamen. Und weil niemand mehr als nötig schleppen möchte, sind die ersten Kriterien minimales Gewicht und Packmaß.

Folgende 12 Modelle haben wir getestet:

2-Personenzelte: Klein, leicht und geräumig

Was die Waage anbelangt, sollte man den Hersteller-Angaben nicht immer trauen: Einige geben das Gewicht ohne Packsack und Heringe an. Die inklusive Packsack gemessenen Zeltgewichte liegen zwischen ultraleichten 1,5 kg für das kleine Hybridzelt von MSR und noch akzeptablen 3 kg für das geräumige Expeditionszelt von Ferrino.

Das beste Gewichts- Leistungsverhältnis zeigt Nigor. Am Packmaß gäbe es für die Firmen noch einiges zu feilen, denn die üblichen 46 bis 50 Zentimeter Länge infolge der Stangensegmente sind äußerst sperrig, wenn es darum geht, das Zelt im Rucksack zu verstauen. Einzig Nigor, Salewa und Bergans fielen hier positiv auf: Bei ihren Zelten beträgt die zusammengelegte Stangenlänge nur 40 Zentimeter, was eine ideale Packsacklänge von 41 bis 43 Zentimeter ermöglicht. Bei über 50 cm Länge wie im Fall von Tatonka bleibt nur übrig, die Zeltstangen aus flexiblem 7001 T6-Aluminium herauszunehmen und an den Kompressionsriemen des Rucksacks zu fixieren.

Die Raummaße der Innenzelte zeigen nur relativ geringe Abweichungen vom Idealmaß: mindestens 205 cm Länge (normale Schlafsacklänge; für Große bis 220 cm), 120 cm Mindestbreite (zwei breite Isomatten nebeneinander; 100 cm Fußbreite für schmale Matten bei Hybridzelten); und 100 cm Kopfhöhe. Das ideale Modell für Große bietet Wechsel mit 110 cm. Die Tunnelzelte fallen hierbei mit mageren 83 bis 93 cm Kopfhöhe stark gegen den Rest ab. Apsiden mit viel Stau- und Arbeitsraum beispielsweise zum Kochen sind im Winter, bei schlechtem Wetter oder auf langer Tour ein erheblicher Komfortgewinn.

Schutz vor Regen und Wind

Bei Regen, Kälte oder Sturm ist ein wasserdichtes Überzelt aus Nylon mit Silikonbeschichtung (Si) zwar haltbarer, aber auch UV-anfälliger. Die Alternative ist eine Polyuretan-Beschichtung (PU), welche das Material allerdings schwerer und mit der Zeit brüchig werden lässt. Damit bei Regen keine Feuchtigkeit eindringt, ist das Überzelt idealerweise derartig über das Innenzelt gespannt, dass es dieses nicht berührt. Der PU-beschichtete (oder besser: -laminierte) Zeltboden sollte mindestens eine Dichtigkeit von 5000 mm Wassersäule aufweisen, damit keine Feuchtigkeit von unten durchdrückt, wenn das ganze Körpergewicht das Zelt gegen den nassen Grund presst.

Kondens- oder Nahtwasser tropfte bei einigen Modellen auf das wasserabweisende Innenzelt bzw. gelangte über Moskitonetze nach innen. Alle vorgestellten Zelte waren bei Wind bis ca. 80 km/h stabil, nur Tatonka zeigte Schwächen. Zumindest Vaude und Ferrino sind richtig aufgestellt und abgespannt in ihrer Konstruktion sturmstabil.

Ausstattung je nach Jahreszeit

Zelte mit vielen Lüftungsmöglichkeiten zeichnen sich durch großflächige Moskitonetze am Innenzelt und wind-/regengeschützte Öffnungen am Überzelt aus. Sie eignen sich am besten für das warme Sommerhalbjahr. Zelte mit kleinen Moskitonetzen bzw. weniger Öffnungen sind ideal für das kühle Winterhalbjahr. Vollwand-Innenzelte und lüftungsfreie Überzelte (beide Salewa-Modelle) sind nur für Winter oder unwirtliche Verhältnisse geeignet, da bei der Öffnung der Eingänge zu Lüftungszwecken Ungeziefer bzw. Regen eindringt.

Das alubedampfte Überzelt von Ferrino wärmt sogar. Variabler sind Innenzelte mit aufzippbaren Moskitonetzen und Überzelten mit verschließbaren Lüftungen. Nicht nur Winterzelte sollten innen hell sein. Orange (Varianten Vaude, Nigor) ist im Hochgebirge zusätzlich eine Signalfarbe. Die Farbe Dunkelgrün (z. B. Bergans) tarnt zwar gut, sorgt aber für trübe Stimmung im Inneren.

Resümee des Zelte-Tests:

Die Wander- und Bergzelte zeigen eher Detailverbesserungen als revolutionäre Neuerungen. Der Grundtenor: mehr Platz bei weniger Gewicht. Windstabilität und Wasserdichte sind selbstverständlich Pfl icht. Die immer raffinierteren Skelettgestänge mit Spreizstangen für Eingangsapsiden machen den Aufbau geräumiger Zelte einfach, und das teils schon bei rucksackfreundlicher Packsacklänge von etwa 40 Zentimetern. Und die Lüftungen werden immer variabler.

Tipps zu Kauf, Umgang und Pflege von Zelten
Von Chrstian Schneeweiß
Artikel aus Bergsteiger Ausgabe 09/2015. Jetzt abonnieren!
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