Wo die Schweiz noch günstig ist | BERGSTEIGER Magazin
Bergurlaub bei den Eidgenossen

Wo die Schweiz noch günstig ist

Die Schweiz muss nicht immer teuer sein. Auf einigen Hütten und Bergen kommt man sogar recht günstig über die Runden. Und selbst einige Berghotels kann man sich durchaus mal leisten. Bergsteiger-Autor Dominik Prantl verrät Ihnen, wo dies noch möglich ist.
 
Urlaub in der Schweiz ist teuer geworden. Doch es gibt Geheimtipps! © Swiss Image
Urlaub in der Schweiz ist teuer geworden. Doch es gibt Geheimtipps!
Billig war die Schweiz noch nie. Doch nachdem die Schweizer Zentralbank am 15. Januar 2015 den Mindestkurs des Franken gegenüber dem Euro aufhob, geriet die Schweiz in den Ruf, nur noch ein Urlaubsziel für Porsche-Cayenne-Fahrer und Privatjet-Besitzer zu sein. 

Ganz so schlimm ist es freilich nicht, doch den Schweizer Tourismus hat die Aufwertung der Landeswährung hart getroffen. So mussten beispielsweise die Hotels im vergangenen Jahr bei den Ankünften von Gästen aus Deutschland, dem mit Abstand immer noch wichtigsten Auslandsmarkt, einen Rückgang von rund elf Prozent im Vergleich zu 2014 hinnehmen. Bei den Übernachtungen waren es sogar mehr als zwölf Prozent.

Nun braucht man mit dem wirtschaftlich seit jeher florierenden Nachbarland kein Mitleid haben. Schade ist es dennoch, dass einem beim sehnsüchtigen Blick in die schönen Schweizer Berge ständig das Gefühl beschleicht, jedem Schweiztrip müsse eine gnadenlose Plünderung des Festgeldkontos vorausgehen. Deshalb haben wir einige Tipps gesammelt, wo vielleicht auch schon das gute alte Sparschwein für ein paar Tage reichen sollte. Wobei das natürlich von der Größe des Sparschweins abhängt. 

1. Der Ort: Grächen

Derzeit erhält der Reisende in der Schweiz für einen Euro nur etwa 1,10 Schweizer Franken. Vor acht Jahren waren es noch etwa 1,60 Schweizer Franken gewesen, vor sechs Jahren 1,30 Schweizer Franken. Auf diesem Level haben diverse Anbieter in dem Walliser Ort Grächen – von Ferienwohnungen über Bergbahnen bis zu Sportgeschäften – den Wechselkurs eingefroren, zumindest winters in der Nebensaison. Nun kann man das als guten Marketinggag abtun, weil es theoretisch natürlich auch möglich wäre, den Gästen beispielsweise einfach 20 Prozent Rabatt zu gewähren.

Aber der Marketinggag wirkt. So besuchten im Winter 2014/15, als die weitreichende Zentralbank-Entscheidung getroffen wurde, 15 Prozent mehr deutsche Gäste die Destination Grächen als in der Saison zuvor. Hinzu kamen weit mehr als 100 Publikationen in vor allem schweizerischen, deutschen und niederländischen Medien. Kerstin Brigger von Grächen Marketing macht daher auch Hoffnung für die Zukunft: »Gut möglich, dass der Wechselkurs auch nächsten Winter noch bei 1,30 steht.« Allerdings werde man erst Ende der Saison mit den Partnern entscheiden, ob der fixe Euro-Kurs dann noch gilt.

Wer nicht so lange warten möchte, hat im Sommer die Möglichkeit, bei vier oder mehr Übernachtungen die Goldcard für einen Aufpreis von fünf Schweizer Franken pro Nacht zu erwerben. In der Goldcard ist unter anderem ein Gratistrip zum Gornergrat oberhalb von Zermatt enthalten, womit Grächen insbesondere für jene Bergsteiger als Zermatt-Alternative von Interesse sein dürfte, die sich den Viertausendern zwischen Pollux und Dufourspitze widmen möchten. Wobei auch schon zwischen Grächen und Zermatt mit Dom und Weisshorn genügend Herausforderungen warten. Weitere Infos: www.graechen.ch

2. Die Hütten: Grübenhütte

Totale Abgeschiedenheit, kein grimmiger Hüttenwirt, der die Gäste maßregelt, kein Handyempfang, dafür ein eigener Boulderraum. Und das alles nach dem jüngsten Stand der Dinge auch noch für nicht einmal 30 Euro (wobei Alpenvereinsmitglieder sogar noch einen Zehner weniger zahlen). Gibt es nicht?

Gibt es doch! Und zwar auf der Grübenhütte. Die liegt auf einem Felssporn oberhalb des Grübensees in 2512 Metern Höhe in den Berner Alpen, hat 16 Schlafplätze und notfalls vier weitere im mit Klettergriffen ausgestatteten Boulderbiwak. Darüber hinaus gibt es auch sonst alles, was das Bergherz für einen Aufenthalt fern der Zivilisation so begehrt: Wolldecken und Kissen, Holzherd in und Feuerstelle vor der Hütte, Espressomaschine und Fonduetopf, Brunnen und Bach neben der Hütte, Gipfel und Grate außenrum.

Hütte Schweiz
Es gibt noch bezahlbare Hütten in der Schweiz. Foto: Swiss Image

Natürlich muss man sich so einen Platz erarbeiten, denn geschenkt bekommt man in der Schweiz freilich auch die Geheimtipps nicht. Drei Stunden dauert der teils steile Marsch vom Hotel Handeck (1400 m) an der Grimselpassstraße. In der Umgebung gibt es Klettergärten, Gratklettereien, alpine Wanderungen und vor allem viel Wildnis. Wem es tatsächlich einmal nach fremder Gesellschaft zumute ist, kann über die Untere Bächli-Lücke zur Lauteraarhütte, Bächlitalhütte oder Gaulihütte queren. Weitere Infos: www.gruebenhuette.ch

Das Beste aber ist: Die Grübenhütte ist nicht der einzige Rückzugsort für preissensible Nostalgiker. Mountain Wilderness Schweiz hat in einem »Alternativen Hüttenführer« 15 bewirtete und nicht bewirtschaftete Hütten und Biwaks für all jene gesammelt, die für ein Dach überm Kopf in den Bergen nicht gleich einen hochbezahlten Wildnispädagogen engagieren möchten: www.mountainwilderness.ch (einfach den Begriff »Hüttenführer« in die Suchmaske eingeben)

3. Das Hotel: Parc Naziunal Il Fuorn

Eines muss man den Schweizern lassen: Was sie machen, das machen sie richtig und meistens sind sie dabei der Zeit voraus. Ihr Schweizer Nationalpark im Engadin zum Beispiel ist zwar noch immer der einzige des Landes, aber mit knapp 102 Jahren der älteste der Alpen und außerdem einer der am besten geschützten in Europa. Im Nationalpark selbst gibt es genau ein Hotel, von dem Wanderwege auf die umliegenden Berge und zu den Wildtieren führen, und das seine Monopolstellung ganz dreist ausnutzen könnte. Tut es aber nicht. Im Hotel Parc Naziunal Il Fuorn ist das günstigste Bett mit Frühstück für 50 bis 55 Franken (rund 45 bis 50 Euro) zu haben, was in der Schweiz gewissermaßen Jugendherbergsniveau bedeutet. Neben Mehrbettzimmern mit Zirbenholzverkleidung und Etagenduschen gibt es auch zwei Suiten, für die der Naturfreund aber ein gutes Stück tiefer in die Tasche greifen muss.

In der Hauschronik wird dann auch deutlich, dass es die Unterkunft viel früher gab als Nationalpark und Tourismus im großen Stil. Der Platz auf 1794 Metern Höhe war für eine Herberge schon immer wie geschaffen, weil er ziemlich exakt auf halber Strecke der bereits im Mittelalter genutzten Transitstrecke vom Vinschgau ins Engadin lag, dem Ofenpass. Schon seit 1490 ist ein Gutshaus an dieser Stelle verbürgt, ein knappes Jahrhundert später wurde es als Hospitium, also Herberge, erwähnt. Alles, was den Passübergang nutzte, kehrte hier ein. Säumer, Schmuggler, Bergwerksleute. Dass 1870 die heutige Ofenpassstraße angelegt wurde, durch deren Kurven die Motorradfahrer zwischen Italien und der Schweiz donnern, stört den Hotelbesucher am Abend nicht mehr. Denn dann wird es ruhig im Nationalparkhotel, die Hirsche grasen still vorm Fenster, und man bereut vielleicht ein bisschen, dass man nicht gleich die Halbpension gebucht hat. Weitere Infos: www.ilfuorn.ch

4. Die Mobilität: Val Müstair

Wer den Ofenpass ins Vinschgau hinabfährt, durchquert das Val Müstair, das vor allem wegen seines UNESCO-Weltkulturerbes, des Benediktinerklosters, eine gewisse Bekanntheit erreicht hat. Diverse Hotels bieten dort ein Paket ab 59 Euro namens Engadin Val Müstair Mobil an, bei dem neben einer Übernachtung auch Fahrten mit Öffentlichen wie Postauto und Rhätischer Bahn inbegriffen sind. Weitere Infos: www.engadin.com

Mobilität Schweiz

Bahnfahrt und Hotelnacht inklusive: im Kombi-Paket des Val Müstair. Foto: Swiss Image

5. Das Tal: Safiental

Das Safiental ist wohl das, was man im Fremdenverkehr ein Kleinod nennt. Vom großen Tourismus nahezu unbemerkt zieht es sich südlich des Flims-Laaxer Skirummels durch Graubünden. Statt überkandidelter Hotellerie gibt es ursprüngliche Architektur, was sich auch auf das Preisniveau auswirkt. Selbst die teureren Unterkünfte kosten nicht mehr als 90 Schweizer Franken (ca. 82 Euro) pro Person, und wer mit Garni-Hotels oder Ferienwohnungen vorlieb nimmt, ist meist schon mit der Hälfte dabei. Das Bed&Breakfast »Im Baumgarten« liegt wie das »Safien Platz« mit Frühstück bei rund 40 Euro pro Erwachsenem. Noch günstiger wird es in Ferienwohnungen wie im alten Schulhaus oder einem renovierten Walserhaus aus dem 17. Jahrhundert (ca. 32 Euro pro Kopf und Nacht). Besonders urig und noch ein paar Franken billiger schläft es sich im alten Heustall in Valendas auf Stroh. Dabei hat das 25 Kilometerlange Tal durchaus einiges zu bieten, von Eisklettereien über Skitouren bis zu kleineren Klettergärten. Nur zählen auch die Berge außenrum eben nicht gerade zur Prominenz der Alpen: Auf viele führen nicht einmal markierte Wanderwege. Weitere Infos: www.safiental.ch

6. Die Bergbahnen: Muottas Muragl & Diavolezza

Ganz ehrlich: Manchmal sind Bergbahnen ein Segen, auch für Bergsteiger. Nur die Preise, ob nun bei Zugspitz-, Jungfrau oder Herzogstandbahn, machen wenig Spaß. In Disentis-Sedrun und Davos-Klosters können Gäste vieler Hotels und Ferienwohnungen allerdings die Ortsbusse und Bergbahnen bei einer Übernachtung gratis benutzen.

Rund ums mondäne St. Moritz gibt es den Bonus erst ab zwei Übernachtungen. Das heißt: Die Standseilbahn Muottas Muragl, die kulturinteressierte Wanderer der Hütte des Malers Giovanni Segantini ein ganzes Stück näher bringt, ist ebenso dabei wie die Luftseilbahn Diavolezza, die quasi jeder Piz-Palü-Aspirant nutzt, um den Aufstieg zum Übernachtungsstützpunkt abzukürzen. Und weil wir gerade in der Region um den Piz Bernina sind: 27 Schweizer Franken für die Übernachtung auf der Tschierva-Hütte im sogenannten Festsaal der Alpen auf dem Weg zum Biancograt sind auch nicht die Welt. Weitere Infos: www.graubuenden.ch

 
Dominik Prantl
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