Protestaktion vor der bayerischen Staatskanzlei

Umweltverbände demonstrieren gegen Skischaukel am Riedberger Horn

Mit einer Protestaktion vor der Bayerischen Staatskanzlei haben mehrere Umweltverbände, darunter der Deutsche Alpenverein, der BUND Naturschutz und der Verein zum Schutz der Bergwelt, gegen die geplante Skischaukel am Riedberger Horn demonstriert. Etwa 200 Personen postierten sich mit Transparenten und Fahnen gegen 12 Uhr mittags vor dem bayerischen Regierungssitz. Die Vorstände der anwesenden Umweltschutzverbände gaben kurze Statements ab. Von den ortsansässigen DAV-Sektionen Allgäu-Immenstadt, Oberstdorf und Kempten waren offiziell keine Vertreter zur Protestaktion erschienen.
 
Die Demonstranten vor der bayerischen Staatskanzlei © Thomas Ebert
Die Demonstranten vor der bayerischen Staatskanzlei
Mit einer Protestaktion vor der Bayerischen Staatskanzlei haben mehrere Umweltverbände, darunter der Deutsche Alpenverein, der BUND Naturschutz und der Verein zum Schutz der Bergwelt, gegen die geplante Skischaukel am Riedberger Horn demonstriert. Etwa 200 Personen postierten sich mit Transparenten und Fahnen gegen 12 Uhr mittags vor dem bayerischen Regierungssitz. Die Vorstände der anwesenden Umweltschutzverbände gaben kurze Statements ab. Von den ortsansässigen DAV-Sektionen Allgäu-Immenstadt, Oberstdorf und Kempten waren offiziell keine Vertreter zur Protestaktion erschienen.

Dabei schien eine Skischaukel am Riedberger Horn, die die Skigebiete von Balderschwang und Obermaiselstein verbinden sollte, längst vom Tisch, seit sich Bayerns Umweltministerin Ulrike Scharf klar gegen das Projekt ausgesprochen hatte. Vor allem deshalb, weil der Gipfel in die Schutzzone C des 1972 erstellten Alpenplans fällt. Der Alpenplan ist kein Teil der Gesetzgebung, aber seit jeher Teil des bayerischen Landesentwicklungsprogrammes. Ein Gutachten des Landesamtes für Umwelt warnt zudem vor Murenabgängen und Bodenerosion, sollte der Bergwald dem Bau von Skipisten zum Opfer fallen.
 
Wie der Landtagsabgeordnete Florian von Brunn (SPD) im Interview herausstellte, haben indes Heimatminister Markus Söder und besonders CSU-Fraktionsvorsitzender Thomas Kreuzer die Tür für die Skischaukel Horn nochmals aufgestoßen. Besonders Kreuzer, dessen Wahlkreis Kempten-Oberallgäu nahe am Riedberger Horn liegt, gilt als Befürworter der Skischaukel. Mittels eines Zielabweichungsverfahrens soll der Eingriff in Zone C rechtfertigt werden. Dafür seien Ausgleichsflächen an anderer Stelle geplant, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet.
 
Stimmen
 
Tatjana Bodmer, Landesvorstand von der Jugendorganisation Bund Naturschutz, gab zwar zu, dass auch Naturschützer hin und wieder auf der Piste Skifahren würden, postierte sich aber offen gegen Massentourismus in der Zone C. Andere Vertreter rücken eher die Bodenerosion und das bedrohte Birkhuhn argumentativ in den Vordergrund, wie etwa Dr. Gotlind Blechschmidt, Vorstand von Mountain Wilderness Deutschland und Dr. Norbert Schäffer, 1. Vorsitzender des Landesbundes für Vogelschutz.
 
Erwin Rothgang, Präsident der CIPRA Deutschland, sprach von einem „unausgegorenen Projekt“. Die Strategie des Heimatministers Söder sei offenbar: „Die Natur hat keine Stimme, also bringt sie uns auch keine Stimme.“ Zudem verwies er auf die übergeordnete Bedeutung der Skischaukel: „Hier geht es auch um die Zone C des Alpenplans.“
 
Richard Mergner, Landesbeauftrager des BUND Naturschutz in Bayern, urteilte in seiner Ansprache: „Die Staatsregierung macht sich lächerlich, wenn sie kurzfristigen wirtschaftlichen Interessen nachgibt.“
 
Roland Stierle, Vizepräsident des DAV, wies auf die Bedeutung des Riedberger Horns als Skitourenberg hin, der für bergsportliche Aktivität stehe. „Es geht hier auch um die Akzeptanz aller Besucherlenkungsmaßnahmen.“ Der DAV setze sich „für touristische Vielfalt und gegen touristische Einfalt ein.“ Über eine Klage wurde beim DAV indes offenbar noch nicht diskutiert. „Wir hoffen noch auf göttliche Eingebung im Heimatministerium“, sagte Stierle.
 
Der Vorstand des Vereins zum Schutz der Bergwelt, Christoph Himmighoffen, beklagte besonders den rechtlichen Status des sogenannten Zielabweichungsverfahrens, mit dem die betroffenen Flächen der Zone C des Alpenplans freigegeben werden sollen. Dabei sei der Alpenplan 1972 erstellt worden, um genau solche Projekte zu verhindern. „Man erlässt ein Gesetz in der festen Absicht, sich nicht daran zu halten. Das wäre dem Landtag gegenüber ein Affront.“
 
Thomas Ebert
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