Auf dem Schobertreck durch die Hohen Tauern | BERGSTEIGER Magazin
Klein-Nepal in Osttirol

Auf dem Schobertreck durch die Hohen Tauern

In Osttirol herrscht eine Ruhe, die man in den österreichischen Alpen sonst selten findet. Es gibt zwar keine wissenschaftliche Grundlage für diese Behauptung, aber gefühlt ticken die Uhren gerade auf dem Schobertreck im Nationalpark Hohe Tauern ganz gewiss ein kleines bisschen langsamer.
 
Beeindruckende Ausblicke: Unterwegs auf dem Schobertreck © Nationalpark Hohe Tauern
Beeindruckende Ausblicke: Unterwegs auf dem Schobertreck
Wer nach Osttirol reist, der hat sich ganz bewusst für das Zusammenspiel aus imposanten Gipfeln wie den Lienzer Dolomiten hoch oben und der Ruhe im Tal entschieden. Der bringt aus dem Urlaub und von seinen Touren ganz sicher keine Bilder von Menschenmassen mit – aber dafür unvergessliche Eindrücke aus der Natur. Ganz besonders einprägsam sind diese Eindrücke auf dem Schobertreck. Der viertätige Höhenweg ist eine der Vorzeigetouren der Region. Er bewegt sich über 32,7 Kilometer fast dauerhaft über 2000 Höhenmetern, inmitten der Dreitausender der Schobergruppe.

»Das ist ganz einfach gewaltig«, sagt Bernhard Pichler. Er ist Marketingleiter bei der Osttirol Werbung GmbH und damit verantwortlich und geschult darin, seine Region bestmöglich zu verkaufen. Aber auf den Schobertreck angesprochen, redet er nicht wie einer, der seinen Prospekt auswendig gelernt hat, sondern wie jemand, der aus der Demut gegenüber den Bergriesen viel Schönes gewinnen kann. »Einsamkeit«, sagt Pichler sofort, »die Einsamkeit macht den Schobertreck so besonders.«

Der Reiz der Runde

Weitwandern boomt, das ist anderswo, auf den populären Routen, schon zu spüren. Aber auf dem Schobertreck verteilen sich die Wanderer auch in der Urlaubssaison noch gleichmäßig. Zudem: »Die Route ist nicht für jedermann geeignet«, sagt Pichler. »Die Etappen sind lang und fordern eine gute Ausdauer.« Auch braucht es Erfahrung im Hochgebirge, ein gutes Gefühl für das Wetter und die eigene Verfassung.

Schobertreck
Kurze Pause am Wagenitzsee © Nationalpark Hohe Tauern

Ausgesetzte oder Kletterstellen gibt es keine, die sind optional an den naheliegenden Gipfeln zu finden. Aber der Reiz der Runde ist auch gar nicht das Risiko, es ist die bloße Kulisse. »Ein kleines Nepal in Tirol« nennt sie Pichler. Klar, die Gipfel wie das Petzeck, mit 3283 Metern der höchste Punkt der Tour, sind ein paar tausend Höhenmeter niedriger – dafür ist die Reise auch um ein paar tausend Euro günstiger.

Die Etappen des Schobertrecks

  • Etappe 1: Vom Parkplatz Seichenbrunn im Debanttal nördlich von Lienz aus startet man auf etwa 1700 Höhenmetern und nimmt sogleich das Petzeck über manchmal brüchiges, aber nie schwieriges Gelände in Angriff. Nach dem Abstieg folgt die Einkehr in der Wangenitzseehütte.
  • Etappe 2: Nun steht der Perschitzkopf mit seinen 3125 Metern auf dem Programm, sein Gipfel liegt auf der Grenze zu Kärnten. Über den Noßberger Weg geht es weiter zur Lienzer Hütte, der wohl schönsten Unterkunft der Tour.
  • Etappe 3: Es geht entlang des Franz-Keil-Weges zum »Gartl«, weiter auf den Debantgrat, der zwar so heißt, aber eigentlich ein Gipfel ist (3055 m), direkt unterhalb des Hochschober. Dann entlang des Gartlsees und über das Leibnitztörl zur Hochschoberhütte.
  • Etappe 4: Recht angenehm über die Mirnitzscharte (2743m ) führt der Weg am letzten Tag zurück ins Debanttal und zur Lienzer Hütte. Der letzte kurze Abstieg geht zurück zum Ausgangsparkplatz Seichenbrunn.
Hier die Tourenbeschreibung und die GPS-Daten zum Treck downloaden!

Schobertreck Alm

Basiswissen: Unterwegs auf dem Schobertreck

  • Wie ankommen? Von Deutschland erst auf der Autobahn über Kufstein, dann über die Felbertauernstraße bis Lienz. Dort wenige Kilometer nordöstlich ins Debanttal.
  • Wo wohnen? Wangenitzseehütte, Tel: 0043/4 82 62 29, www.wangenitzseehuette.at; Lienzer Hütte, Tel. 0043/4 85 26 99 66, www.lienzerhuette.at; Hochschoberhütte, Tel. 0043/7 20 31 61 21, www.hochschoberhuette.at
  • Wann gehen? Normalerweise und keine späten Schneefälle vorausgesetzt ab Mitte Juni. Dann sind noch vereinzelte, aber nicht sicherheitskritische Schneefelder möglich.
  • Was mitbringen? Ausreichend großer Rucksack, Hütten-Ausrüstung, Wanderstöcke, Wetter- und Kälteschutz, Grödeln oder Schuh-Schneeketten können im frühen Sommer nicht schaden.
  • Wo anklopfen? Osttirol Information, Albin Egger Str. 17, 9900 Lienz, Tel. 0043/50 21 22 12, info@osttirol.com, www.osttirol.com
  • Sich orientieren? Wanderführer »Weitwandern in Osttirol«, erhältlich bei der Osttirol Information oder als Download unter www.osttirol.com; Kompass Wanderkarte 1:50 000, Blatt 48 »Lienz Schobergruppe«
  • Wer kann führen? Hier zählt vor allem Kondition – ein Führer hilft da wenig. Falls doch Bedarf ist: Alpinschule Bergstatt-Lienz, www.bergstatt.at oder Alpinschule Osttirol Alpin, www.osttirol- alpin.at
Julian Galinski
Artikel aus Bergsteiger Ausgabe 07/2016. Jetzt abonnieren!
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