Oberaudorf: Wandern am Tor zum Inntal | BERGSTEIGER Magazin
Ein perfektes Bergwochenende

Oberaudorf: Wandern am Tor zum Inntal

Idyllisch im Alpenvorland, an der Grenze zu Tirol liegt Oberaudorf zwischen Wildem Kaiser und Mangfallgebirge. Nicht nur Wanderer fühlen sich hier wohl, sondern auch Wellness-Suchende und der ein oder andere sagenumwobene Höhlenbewohner.
 
Herrlicher Ausblick vom Brünnstein auf den Wilden Kaiser © Dagmar Steigenberger
Herrlicher Ausblick vom Brünnstein auf den Wilden Kaiser
Am Tor zu Tirol stehen die Wiesenkuppen schon im April voller blühender Apfelbäume. Der warme Wind, der stetig von Rosenheim durchs Inntal bläst, lässt den Frühling hier schneller einziehen als andernorts in den Bayerischen Voralpen – selbst wenn der Wilde Kaiser im Südosten noch sein Winterkleid anhat.

Auf dessen schroffe Gipfel muss man übrigens nicht zwangsläufig hinauf, wenn man sich rund um Oberaudorf bergsteigerisch betätigen will. Es gibt schließlich noch viele gut beschilderte Tourenmöglichkeiten, wie beispielsweise den Brünnstein, der mit Kapelle und fantastischer Aussicht aufwartet. Zwei Wege führen hinauf; einer davon, der Dr.-Julius-Mayr-Weg, ist ein einfacher Klettersteig mit Start am Brünnsteinhaus, dessen spannendste Stelle der fünf Meter lange Durchschlupf durch einen Felsenriss ist.

Sicher exisiert zu diesem Riss eine Sage, ist die Gegend doch voll von Geschichten über mysteriöse Geschöpfe wie die Brünnsteinhexe, den Riesen vom Grauen Stein und feurige Tatzelwürmer. Ein solches Exemplar mit Schlangenleib, Drachenklauen und Katzenkopf soll in den Gumpen des Tatzelwurm-Wasserfalls hausen – was noch keinen Wanderer davon abgehalten hat, das Naturschauspiel am Weg von Oberaudorf nach Bayrischzell zu besuchen.

Ganz in der Nähe befindet sich das Hotel, für dessen Namen das Fabelwesen Pate stand, mit Spa-Bereich auch für Tagesgäste. Die Wellnessbäder Bad Endorf und Bad Aibling liegen ebenfalls gleich ums Eck – ob die Fülle an Thermalquellen dem hitzigen Wurm im Wasser zu verdanken ist?

Touren: die Hausberge von Oberaudorf

  • Brünnstein (1634 m)
Wertung: Eine Tagestour durch die Almlandschaft rund um den Hausberg von Oberaudorf, die mit einer Übernachtung im Brünnsteinhaus des DAV zu einer traumhaften Wochenendrunde mit einfachem Klettersteig zum Gipfel erweitert werden kann.
Ausgangspunkt: Waldparkplatz Tatzelwurm (797 m) nahe den Wasserfällen
Route: Tatzelwurm – Richtung Großalm zum Brünnstein-Haus (1342 m) – Dr.-Julius-Mayr-Klettersteig – Brünnstein – Himmelmoos-Alm – Seeon-Alm – Baumoos-Alm – Tatzelwurm
  • Rund um den Schwarzenberg
Wertung: Die gemütliche Rundwanderung eignet sich auch gut für Familien, da der Weg ohne allzu viele Höhenmeter durch Wald- und Wiesenlandschaften verläuft. Tolle Ausblicke sind – zumindest bei schönem Wetter – dennoch garantiert.
Ausgangspunkt: Bergstation des Sesselliftes Hocheck-Xpress (795 m)
Route: Hocheck – Ramsauer Hof – Wallerhof (Mittwoch Ruhetag) – Rechenau – Wildgrub – Hocheck (Freitag Ruhetag) – Abstieg zu Fuß oder per Sommerrodelbahn

Basiswissen: Urlaub in Oberaudorf

  • Wo anklopfen? Tourist Information Oberaudorf: Kufsteiner Str. 6, 83080 Oberaudorf Tel. 08033/30120 www.oberaudorf.de
  • Mobil vor Ort: Zug von Rosenheim, Wendelstein-Ringlinie über Sudelfeld sowie Ortsbus-Wanderbus von Kiefersfelden nach Oberaudorf
  • Sich orientieren: AV-Karte 1:25 000, Blatt BY 16 »Mangfallgebirge Ost«
  • Mehr erfahren: Andreas Friedrich »25 Tageswanderungen im Rosenheimer Land«, Conrad Stein Verlag 2014

Essen im "Weber an der Wand"

Mit seiner Lage ist der »Weber an der Wand« sicher einzigartig: Das Gasthaus klebt nahe dem Luegsteinsee an einer etwa 25 Meter hohen Felswand. Früher machten hier Händler und Reisende auf ihrem Weg von Italien nach München Halt und brachten allerlei exotische Pflanzen mit; der Botanische Garten beim »Weber an der Wand« verhalf Oberaudorf damals zur ersten Berühmtheit. Heute ist das Gasthaus, das im 18. Jahrhundert um eine Höhle mit Quelle entstand und später als Schule, kaiserliche Herberge und sogar als Diskothek diente, ein behutsam renoviertes Kleinod mit traditionellen bayerischen Spezialitäten. www.weber-an-der-wand.de

Weber an der Wand

Wohnen im "Feurigen Tatzlwurm"

»Als noch ein Bergsee klar und groß In dieser Täler Tiefen floss, Hab ich allhier in großer Pracht Gelebt, geliebt und auch gedracht Als Tatzlwurm.« Das Gedicht widmete Joseph Victor von Scheffel dem Gasthaus »Feuriger Tatzlwurm«, das heute ein Vier-Sterne-Hotel mit Restaurant und Spa-Bereich ist, zur Eröffnung 1863. Ganz nach Tatzelwurm-Manier kann man dort heute zwischen den Sauna- und Dampfbadgängen in einer der Gumpen baden gehen. www.tatzlwurm.de
 
Dagmar Steigenberger
Artikel aus Bergsteiger Ausgabe 07/2016. Jetzt abonnieren!
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