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Göttliches hinter der Hölle - Wandern im Gschlößtal

Beim Wandern im Gschlößtal gibt es nicht nur die wilden Berge der Venedigergruppe zu entdecken. Das Tal südlich des Hauptkammes der Hohen Tauern hat noch einiges mehr zu bieten!
 
König über dem Gschlößtal: der Großvenediger © Anneliese Senfter
König über dem Gschlößtal: der Großvenediger
Das »Dach Gottes«, das »Auge Gottes« und die Quelle, in der die Muttergottes einst Windeln wusch: Obwohl der Alpenraum reich an Legenden ist, dürfte es nicht viele Orte geben, die derart Erhabenes für sich reklamieren können. Im Gschlößtal, einem etwa zehn Kilometer langen Tal, das südlich des Tauernhauptkammes von Ost nach West verläuft, ist dies der Fall. Da ist es nur konsequent, dass der Zugang zum Tal durch die Hölle führt.

Wen der Felbertauerntunnel im Süden ausspuckt, den führt der Weg über die Steilstufe »D’Hölle« – eine Talenge, an der der Gschlößbach herabstürzt – in das auf etwa 1700 Metern gelegene Hochtal: ein idealer Ausgangspunkt oder Zustiegsmöglichkeit für mehrere der zahlreichen Dreitausender im Venedigermassiv; darunter eine Mehrtagetour mit dem Spitznamen »Dach Gottes«.

Nach den eng zusammenliegenden Almen des Außergschlöß weitet sich der Blick in das autofreie Tal. Während unten der Gschlößbach in tiefem Türkis durch den lieblichen Talboden voller wilder Blumenwiesen mäandert, leuchten über dem Talschluss die Gletscher, allen voran das Schlatenkees. Wem das zu hochalpin ist, dem wird auch in niedrigeren Gefilden Erhabenes geboten: mit dem »Frauenbrunn« eine Quelle, in der besagte Windeln gereinigt wurden; und mit dem »Auge Gottes« ein dreieckiger Tümpel mit Wollgrasinsel in der Mitte.

Silvester Wolsegger

Silvester Wolsegger

Vielseitig ist das schon: ein Polizeichef, der gleichzeitig Pionier in Sachen Skitourismus ist. Silvester Wolsegger vereint diese beiden Passionen. Der Bezirkspolizeikommandant organisiert nicht nur die Hohe Tauern Trophy, einen Wettbewerb im Skibergsteigen, für den er gerne Weltcup-Status erlangen würde. Wolsegger will seine Region auch grundsätzlich bei Skibergsteigern bekannter machen. Dafür hat er viele Argumente, aber eines davon ist ganz zentral: Schneesicherheit bis Mai in einer Gletscherregion, die den Spitznamen »kleines Kanada« trägt.

Was essen? - Unkrautsuppe

Unkrautsuppe im GschloesstalRegional denken und Kreisläufe schließen – diesem Prinzip folgte Anna Holzer, noch bevor es Trend wurde. Für die Suppe, mit der sie ihre Gäste im Strumerhof bewirtet, pflückt sie je nach Jahreszeit Brennnessel, Giersch, Vogelmiere, Taubenkropfleimkraut, Schafgarbe, Quendel, Gundelrebe oder Taubnessel. In einem Topf röstet sie Zwiebeln an, gibt geriebene Kartoffeln hinein, gießt mit Gemüsebrühe auf und wirft am Schluss die Kräuter hinein. Fertig ist die »Unkrautsuppe«. www.strumerhof.at

Wo wohnen? - Venedigerhaus

Nicht gerade bescheiden, was das Venedigerhaus für sich reklamiert: den Blick auf den »schönsten Talschluss der Ostalpen«. Die Kulisse des Venedigermassivs ist tatsächlich sensationell. Hin kommt man zu Fuß, per Taxi oder Kutsche. Der Preis für ein Doppelzimmer mit Frühstück liegt mit 27 Euro nur knapp über dem eines Hüttenlagers, für den die sehr bergsteigerfreundlichen Wirte Monika und Hansl Resinger 25 Euro verlangen. Reservierungspflichtig unter Tel. 00 43/48 75/88 20 oder 67 71, www.venedigerhaus-innergschloess.at

Nicht versäumen! - Felsenkapelle

Was nützt eine Kapelle ohne Gottesdienst? Zumindest nichts gegen Lawinen. Nachdem ein Großbrand in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts 23 Almen in Innergschlöß zerstört hatte, baten die Überlebenden das Erzbistum um finanzielle Unterstützung für den Bau einer Kapelle. Salzburg wies sie ab, da »in Matrei für den Gottesdienst in dieser Capelln niemand abkömmlich« sei. Die Gschlößer bauten trotzdem. 200 Jahre später wurde der Protestbau von einer Lawine weggerissen. Der Neubau von 1870 liegt nun lawinensicher in einer Nische unterhalb eines herabgestürzten Felsblocks und ist in diesen hinein gebaut.

Infos zum Wandern im Gschlößtal

Karte GschoesstalAnkommen: Die Anreise von Norden führt durch den Felbertauerntunnel, von Süden über das Tauerntal und den Ort Matrei. Die nächstgelegenen Bahnhöfe sind Lienz oder Mitt ersill (Nordende des Felbertauerntunnels). Von beiden Orten fahren Postbusse bis zum Matreier Tauernhaus am östlichen Talende des Gschlößtals. Ohne eigenes Auto geht es weiter per Taxi, Kutsche oder auf den eigenen Füßen.
Sich orientieren: Kompasskarte 1:50 000, Blatt 46 »Matrei in Osttirol, Kals am Großglockner«; Alpenvereinskarte 1:25 000, Nr. 36 »Venedigergruppe«
Infos: Tourismusverband Osttirol Albin Egger Str. 17 9900 Lienz Tel. 00 43/50 21 22 12 info@osttirol.com, www.osttirol.com
Felbertauernstraße AG, Hotline 0-24 Uhr: 00 43/48 75/88 06-11, www.felbertauernstrasse.at

Tourentipps im Gschlößtal

1 | Großvenediger

Wertung: Hochtour über einen spaltenreichen Gletscher, Hochtourenausrüstung, entsprechende Kenntnisse und Seilpartner notwendig. Der Grat zum Gipfelkreuz erfordert Trittsicherheit und Schwindelfreiheit.
Start: Innergschlöß (1689m)
Route: Innergschlöß (1689 m) – Alte Prager Hütte (2489 m) – Neue Prager Hütte (2796 m) – Großvenediger (3666 m)

2 | Seenwanderung

Wertung: Einsame Tagestour in der Granatspitzgruppe vorbei an mehreren Bergseen und mit Blick auf das Schlatenkees.
Start: Matreier Tauernhaus (1520 m)
Route: Matreier Tauernhaus (1520m) – Grünseehütte (2235m, Selbstversorgerhütte) – Grünsee (2246 m) – Schwarzsee (2344m) – Grausee (2500 m) – Messelingscharte (2563 m) – Messelingkogel (2693m) – Abstieg wie Aufstieg
Von Sandra Zistl
Fotos: 
Anneliese Senfter, Petra Kraler, TVB Osttirol, privat
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