Klettertechnik: Dächer | BERGSTEIGER Magazin
In dieser Folge zeigt Marietta Uhden, wie man in ein Dach hineinklettert.

Klettertechnik: Dächer

Je näher du ans Dach rankommst, desto langsamer gehen die Bewegungen. Wie das rauszieht! Gottlob gibt es direkt unter dem Dach nochmal gute Griffe. Jetzt erst einmal chalken, nachchalken, den ersten Griff im Dach antesten, zurückklettern, nochmal rein ins Dach, den zweiten Griff antesten, nochmal zurück. Nachchalken. Und rein ins Dach. Oh, wie klein ist doch der dritte Griff – mach zu!
 
So geht es vielen Kletterern: Dächer schüchtern ein. Die Ehrfurcht ist manchmal so groß, dass schon die ersten Züge im Dach vom baldigen Scheitern künden – weil sofort die ersten Kletterfehler gemacht werden. Die strengen natürlich an, und das schüchtert gleich noch mehr ein. Ein Teufelskreis. Dabei ist der Übergang von einer Wand in ein Dach technisch gesehen relativ einfach. 

Der häufigste Fehler: Man lässt die Füße zu weit unten in der Wand stehen und hängt alsbald überstreckt und windschief an den ersten Griffen im Dach. Wer sich traut weiterzugreifen, wird umgehend mit herausschwingenden Füßen bestraft. Und das endet in der Regel mit einem Sturz ins Seil.  Dagegen ist ein Kraut gewachsen: Man muss aktiv ins Dach hineinklettern und sein Becken einsetzen! Wer darauf achtet, die Hüfte stets weit oben zu positionieren, wird merken, wie gut die Füße stehen und wieviel Druck man darauf bringen kann. Je nach Griff- und Trittangebot mögen die Kletterzüge am Übergang ins Dach stark variieren (siehe bei den Bilderfolgen die Varianten 1 und 2). Prinzipiell gilt aber immer: Das Becken spielt mit!

Taktischer Tipp:

Vom Boden aus kann man sich nur selten einen konkreten Plan für ein Dach zurecht legen – weil es weit oben ist oder weil man Griffe und Tritte und ihre Belastungsrichtungen nicht leicht erkennen kann. Gleichzeitig ist es wichtig, im Dach zu wissen, was man tut, denn  in dieser Steilheit sind die Kraftreserven schnell aufgebraucht. Blind in ein Dach zu hasten führt selten zum Erfolg. Was also tun? Man sollte die gute Position direkt unterm Dach nutzen! Von dort aus kann man sich aus nächster Nähe  einen Überblick über das Griff- und Trittangebot verschaffen. Das kann per Augenschein geschehen, aber auch, indem man die ersten Züge im Dach anprobiert und wieder zum Ruhepunkt zurückklettert. Allerdings sollte man mit solchen Sondierungstrips sparsam umgehen, die können nämlich auch ganz schön plätten. Insgesamt gilt es unter dem Dach, die Arme zu entspannen und Kräfte zu sammeln, bevor es mit frischem Elan und einem guten Plan im Kopf entschlossen in die Waagrechte geht.
Text: Marietta Uhden. Fotos: Peter Naumann
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