Wenn es ernst wird – die wichtigsten Survivaltipps beim Bergsteigen | BERGSTEIGER Magazin

Wenn es ernst wird – die wichtigsten Survivaltipps beim Bergsteigen

Die Nähe zur Natur ist in den Bergen so unmittelbar, wie kaum sonst irgendwo. Die frische Luft, die unberührten Wiesen und die rauen Felswände locken deshalb immer häufiger nicht nur erfahrene Bergsteiger, sondern auch viele Touristen an, die sich nicht selten überschätzen und sich gleich auf große Touren wagen. Finden die Abenteuerurlaube dann auch noch in anderen Ländern statt und in verlassenen, abgeschiedenen Bergregionen, entstehen nicht selten Situationen, die vorher nicht geplant und bedacht wurden und die gefährlich werden können.
 
Noch sind die offenen Schuhe das größte Problem. © pixabay.com
Noch sind die offenen Schuhe das größte Problem.

Gerade in den Höhenlagen sind mehr Risiken vorhanden als im Tal. Um in Notfallsituationen richtig handeln zu können und genau zu wissen, was als nächstes zu tun ist, sollten sich angehende Bergsteiger sowie Fortgeschrittene immer wieder die wichtigsten Survival-Grundlagen vergegenwärtigen.

Survival – das Überleben um jeden Preis 

Als „Survivalmaßnahmen“ werden grundsätzlich jene Maßnahmen bezeichnet, die das eigene Überleben sichern. Erste Survivaltrainings wurden daher auch beim Militär entwickelt. Sie sollten Soldaten die Fähigkeit verleihen, auch alleine oder in kleinen Gruppen, ihr Überleben in der Wildnis sichern zu können und unversehrt zur Truppe zurückzukehren, wenn sie aus diversen Gründen von dieser abgeschnitten wurden.  Solange alle Mitglieder einer Bergsteigergruppe sich gesund und fit fühlen, sind auch keine Survivalmaßnahmen notwendig. Da die meisten Menschen davon ausgehen, dass eine Tour in die Berge zwar anstrengend, aber doch eher ungefährlich wird, bereiten sich die wenigsten angemessen darauf vor. Wird aber während der Wanderung jemand krank oder verletzt sich ernsthaft und kann nicht weitergehen oder zwingen Wetter, Temperatur oder die Dunkelheit die Gruppe dazu, an einer bestimmten Stelle übernachten zu müssen, wird es mitunter ernst. Wer dann Survivalkenntnisse mitbringt, ist klar im Vorteil. Denn neben dem Glauben an sich selbst und das Urvertrauen in die Natur und das Leben bedeutet Survival vor allem auch, praktische Kenntnisse zu haben und diese umsetzen zu können.

Die richtige Vorbereitung auf die Wildnis

Die meisten Kenntnisse des Survival lassen sich am besten oder sogar ausschließlich umsetzen, wenn sich auf Extremsituationen vorbereitet wurde. Zur Vorbereitung gehört einerseits das Wissen um die genauen Daten des Gebiets, in dem man bergsteigen und wandern möchte, also die Größe etwa einer Gebirgsregion oder eines Waldes, Wetterkunde, die zum Beispiel mögliche Temperaturschwankungen usw. beinhaltet sowie die richtige Einstellung und das nüchterne Einschätzen der eigenen Fähigkeiten. Abenteuerhungrige sollten, trotz ihrer Lust am Adrenalinkitzel, niemals eine riskante Tour alleine starten. Schon ein einziger Partner erhöht die Chance, im Notfall das Überleben sichern zu können, im Grunde um ein Vielfaches. 


Einige wichtige Dinge sollten im Wanderrucksack nie fehlen. Medikamente, Lebensmittel, Orientierungshilfen und kleinere Werkzeuge gehören dazu. © fotolia.de/photka

Hinzu kommt eine Grundausrüstung, die bei keiner schwierigen Tour in die Berge fehlen sollte:
  • Das Behältnis, in welchem jegliche Ausrüstung beim Bergsteigen untergebracht wird, ist immer ein professioneller Rucksack. Wesentlicher als das Fassungsvermögen ist dabei, wie gut er sich an die Körperform anpasst und wie angenehm er beim Wandern sitzt. Mit der richtigen Polsterung, Brust- und Hüftgurten und atmungsaktivem Material sollte sich der Rucksack während des Bergsteigens kaum bemerkbar machen.
  • Das Mobiltelefon mit gutem Empfang garantiert zwar nicht immer, dass sich Hilfe rufen lässt, es eröffnet einem aber immerhin eine wichtige Chance darauf. Europaweit ist die 112 die Notfallnummer (in den USA die 911), die von jedem Handy immer kostenlos gewählt und angerufen werden kann. Wer direkt mit der Bergrettung verbunden werden möchte, wählt in Bayern ebenfalls die 112, in Österreich die 140, in der Schweiz die 1414, in Frankreich die 18 und in Italien die 118. Kompetente Krisenhelfen können einem in diesem Fall in der Regel zügig aus der Klemme helfen. Wer weiß, dass seine Tour lange durch ein funkfreies Gebiet führt, sollte sich im Voraus übrigens ein Satellitentelefon ausleihen.
  • Um immer die Orientierung zu behalten, sollten eine entsprechen Applikation mit GPS auf dem Handy, eine klassische Karte, ein GPS-Gerät und in jedem Fall ein Kompass mit ins Gepäck. Eine Taschenlampe ist für die Orientierung im Dunkeln natürlich ebenfalls unabdingbar. Wichtig: ausreichend Batterien einpacken!
  • Ein rascher Wetterwechsel ist in den Bergen oft ganz normal. Um auf ihn vorbereitet zu sein, muss die richtige Kleidung von Jacke, Hose und Unterhemden bis hin zu Socken und Schuhen vorhanden sein. Jedoch sollte man vor dem Kauf solcher Kleidung einige wichtige Aspekte beachten. Vor allem sollte sie dafür sorgen, dass lange Touren nicht zur Qual werden. Mit dem richtigen Schuhwerk etwa, lassen sich Risiken von Verletzungen im Bereich der Achillessehne, Druckstellen und Reibungen, die zu Blasen führen können, vermeiden. Nur so ist garantiert, dass auch nach stundelangem Wandern im Notfall noch ein Weitergehen möglich ist. Jegliche Ausrüstung sollte wind- und wasserdicht sein. Bei kalten Temperaturen ist übrigens das altbekannte Zweibelprinzip zu verfolgen, bei starker Sonneneinstrahlung ist ein atmungsaktiver Kopfschutz Pflicht. Achtung auf der Nordseite von Gebirgen: Hier kann es auch im Sommer hoch oben enorm kalt werden!
  • Auch ein kleines Erste-Hilfe-Set sollte im Rucksack noch Platz haben. Es dient vor allem zur Behandlung kleinerer Verletzungen, die einem manchmal am Weitergehen hindern können. Es gehören dort hinein:
    • Eine Rettungsdecke
    • Schmerzmittel
    • Wundpflaster
    • Alkoholtupfer oder Iod zum Desinfizieren von Wunden
    • Sterile Wundverbände
    • Verbandpäckchen
    • Schere
    • Pinzette
    • Sport-Tapes
  • Ein Taschenmesser, mit dem sich Verbandsmaterial aber auch andere Dinge schneiden lassen, die beispielsweise benötigt werden, um einen Unterschlupf zu bauen, Früchte oder Holz zu schneiden, usw., gehören genauso in den Rucksack, wie ein sturmfestes Feuerzeug, das einen im Notfall vor dem Kältetod bewahrt. 
  • Letztlich ist auch ein ausreichender Vorrat an Wasser und an Nahrung in Form von etwa Energieriegeln, Konserven, Nüssen und Trockenfrüchten essentiell, die einem notfalls ermöglichen, mehrere Nächte zu überleben, ohne entsprechende Nahrung in der Natur zu finden.

Wasser und Nahrung finden

Gehen einem die vorrätigen Lebensmittel in Notfallsituationen in den Bergen dann doch einmal aus, ist es wichtig, zu wissen, wo sich verwertbares Wasser findet und welche Dinge man essen kann, ohne sich Sorgen machen zu müssen, sich etwa eine Vergiftung zu holen.

Wasser entkeimen
Wasser ist das wichtigste Grundbedürfnis, das während eines längeren Aufenthaltes in der Natur zu stillen ist. Denn eine Dehydrierung kann drastische Folgen für den Organismus haben. Wer glaubt, wildes Wasser ließe sich in der Regel bedenkenlos trinken, irrt sich. Bakterien, die in der freien Wildbahn in Gewässern vorkommen, waren ursprünglich auch einmal in der menschlichen Darmflora vorhanden. Heutzutage allerdings sind diese durch die sterile Lebensweise größtenteils abgetötet worden – eine Konfrontation mit ihnen könnte zu Erbrechen und Durchfall führen. 

Wenn es gar nicht anders geht, können das Regenwasser, das Grundwasser, Seen und Flüsse, Eis und Schnee sowie Tau zwar als direkte Wasserquelle dienen, im besten Fall allerdings wird das Wasser vorher mit einem mobilen und praktischen Wasserentkeimer keimfrei gemacht. Frisches Quellwasser kann natürlich immer bedenkenlos getrunken werden. 

Nahrung auftreiben
Viele Survivalbücher vermitteln einem, dass Nahrung beim Überleben in der Wildnis zunächst keine so wichtige Rolle spielt, da der Mensch sogar bis zu vier Wochen ohne sie überleben kann. Wer sich kein Stück von der Stelle bewegt, mag so tatsächlich überleben können. Im Normalfall allerdings verlangt der Körper nach einer Stärkung und schließlich möchte man ja auch so schnell wie möglich in Sicherheit und Zivilisation zurückkehren. Deshalb gilt es, die richtige Nahrung zu finden und zu sich zu nehmen. Die wichtigste Regel dabei lautet: Nichts essen, was man nicht kennt. Gerade manche Pilze sehen anderen oft zum Verwechseln ähnlich, sind aber hochgiftig. Von Pilzen sollten also alle, die keine Experten sind, die Finger lassen. Auch Fallwild sollte man nicht anfassen, da verdorbenes Fleisch oft ebenfalls sehr giftig sein kann. Ansonsten kann in den Bergen unter anderem gefunden und gegessen werden:
  • Diverse Insekten, Käfer, Schnecken (oft besser gekocht, als roh)
  • Löwenzahn
  • Brennnesseln
  • Gänseblümchen
  • echte Kamille
  • große Klette
  • Spitzwegerich
  • Ringelblumen (Calendula)
  • Sauerklee und Sauerampfer 

Für Schutz und Wärme sorgen

Wenn zunächst keine Hilfe organisiert werden kann oder eine eventuelle Rettung länger dauert, als erhofft, sollte jeder Bergsteiger in der Lage sein, Überlebenstricks zum Schutz vor äußeren Einflüssen anzuwenden. Das Wichtigste ist hierbei, die bestehende Körperwärme bei Nacht und Kälte zu isolieren und nicht zu unterkühlen. Dafür gibt es in den Bergen diverse Möglichkeiten.


Wer in der Lage ist, ein vernünftiges Feuer zu machen , ist in der Wildnis klar im Vorteil. In Wäldern sollte die Feuerstelle vorbereitet und klein gehalten werden, um einen Waldbrand zu vermeiden. © fotolia.de/kaninstudio

Am besten eignen sich natürlich Höhlen oder kleinere Einbuchtungen, die einen natürlichen Wetterschutz darstellen. Ansonsten ist ein Unterschlupf oder eine Art Häuschen auch recht simpel selbst zu bauen. Dafür benötigt werden lediglich Laub, Zweige, Äste und größere Blätter. Wer mit anderen Personen unterwegs ist, weiß, was außerdem zu tun ist: Kuscheln ist angesagt, denn die geteilte Körperwärme ist der beste Schutz gegen eisige Kälte.

Darüber hinaus erzeugt ein Feuer natürlich die meiste und zuverlässigste Wärme in der Wildnis. Eine geeignete Stelle ohne viel Wald außen herum, der in Flammen aufgehen könnte, lässt sich in den Bergen in der Regel immer finden. Wer kein Feuerzeug dabei hat (was, wie bereits erwähnt, zur Grundausrüstung jedes Bergsteigers gehören sollte), muss aufs Feuerbohren zurückgreifen – der ursprünglichsten, aber natürlich nicht gerade einfachen Methode, für ein ordentliches Feuer zu sorgen.

Mit Feuerzeug oder Zündhölzern ist es einfacher: Zunächst ist leicht entzündliches Material, wie trockenes Gras oder Birkenrinde zum Brennen zu bringen. Danach werden dünne Ästchen in die Flammen gehalten. Brennen auch diese, kann nach und nach der Durchmesser der Äste und Zweige erhöht werden, bis man schließlich vor einem ordentlichen Feuer sitzt. Ein pyramidenartiger Aufbau des Feuers ist in der Regel die beste Variante.
 
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