Wetterkunde für's Gebirge | BERGSTEIGER Magazin
Tipps zur Wettereinschätzung vor und während der Tour

Wetterkunde für's Gebirge

Bei Tagestouren ist die Sache klar: Wetterbericht hören und bei Gewitterneigung die Planung der Tour überdenken. Bei Mehrtagetouren sollte man die Zeichen der Natur zu deuten wissen.
 
Treten Cumuluswolken so vereinzelt auf wie hier hinterm Gosaukamm, ist kein Regen zu befürchten. © Andreas Strauß
Treten Cumuluswolken so vereinzelt auf wie hier hinterm Gosaukamm, ist kein Regen zu befürchten.
Ist ein Felsvorsprung tatsächlich ein guter Unterschlupf, wenn es blitzt? Über das richtige Verhalten bei Gewitter gibt es nur allzu viele Weis- und Halbweisheiten. Das Problem: Steckt man erst in einem, ist keine Zeit mehr für Überlegungen. Dann muss man handeln. Doch meist tauchen der dichte Wald oder die Hütte mit Blitzableiter gerade dann eben nicht auf, wenn man sie als Unterschlupf bräuchte. Daher ist es am sichersten, gar nicht erst in ein Unwetter zu geraten. Wenn man auf Wolken, Wind und Tiere um sich herum achtet, ist das gar nicht so schwer. Erster Anhaltspunkt sind die Wolken.

Während weiße Kumulus- oder Haufenwolken, die sich vormittags bilden und spätnachmittags wieder auflösen, für ein stabiles Hoch stehen, sind von Westen kommende Cirruswolken Boten einer Wetterverschlechterung innerhalb von 24 bis 48 Stunden. Dies gilt insbesondere dann, wenn sie sich zunehmend verdichten. In Verbindung mit Cirruswolken sind häufig auch Halos zu beobachten. Die bekanntesten Erscheinungen sind farblose Lichtkränze um Sonne oder Mond sowie Nebensonnen. Sie weisen darauf hin, dass die Luftfeuchtigkeit zunimmt und das Wetter sich verschlechtert.

Gemeinsam mit den Wolken sollte man auch den Wind beobachten. Kommt er aus Nordost bis Ost, verspricht das fast immer gutes Wetter. Wind aus West bis Süd hingegen lässt auf ein nahendes Tief schließen. Zumindest in den Nordalpen ist Südwind typisch für Föhn-Wetterlagen. Eine wirklich sichere Aussage erhält man aber erst, wenn man den Wind über längere Zeit beobachtet. Grundsätzlich deutet jede Änderung der Windrichtung auf einen Wetterwechsel hin.

Kondensstreifen als Hilfsindikator

Befindet man sich bereits in einem Tief, oder ist dieses im Anmarsch, kann die Querwindregel hilfreich sein. Dafür muss man die Richtung des Höhenwindes (erkennbar an der Zugrichtung hoher Wolken) und des Bodenwindes definieren. Steht man mit dem Rücken zum Bodenwind, bedeuten hohe Wolken von links, dass sich das Wetter verschlechtert. Kommen sie von rechts, befi ndet man sich bereits auf der Rückseite des Tiefs – das Wetter wird besser. Bewegen sich die Wolken in die gleiche Richtung wie der Bodenwind, bessert sich das Wetter ebenfalls. Kommen einem die Wolken entgegen, bleibt das Wetter vorerst, wie es ist. Auch Kondensstreifen von Flugzeugen sind gute Wetterboten, da sie die Luftbewegungen am Himmel visualisieren. Lösen sie sich rasch auf, ist die Luft in der Höhe trocken, die stabile Schönwetterlage bleibt erhalten. Lösen sich die Streifen dagegen nur langsam auf oder verbreitern sich noch, ist dies ein sicheres Zeichen dafür, dass die Feuchtigkeit zunimmt und sich das Wetter verschlechtert. Alle weiteren Bilder wie wolkenförmige oder ausfransende Streifen bedeuten meist nichts Gutes. Ausnahme: Die Kondensstreifen flocken nach unten hin aus oder verblassen von Norden nach Süden.

Doch nicht nur am Himmel, auch am Boden gibt es viele Indizien für die Wetterentwicklung. Beispiel Spinnen: Je aktiver sie ihr Netz spinnen, desto stabiler ist das Wetterhoch. Spinnen können das Material für ihr Netz nicht unendlich produzieren und sind somit auf gutes Wetter angewiesen. Auch bei Bienen deutet Aktivität auf stabil schönes Wetter hin. Halten sie sich hingegen in der Nähe ihres Stocks auf, steht schlechtes Wetter an. Mücken, die in der Abendsonne spielen, sind Anzeichen für einen beständigen Folgetag; werden sie hingegen Mensch und Tier lästig, muss man mit Regen rechnen. Rehe wird man vor Regen oder Gewittern kaum außerhalb des Waldes antreffen, Schafe und Kühe weiden dann bevorzugt bergab. Selbst Pflanzen reagieren. So lässt beispielsweise Klee seine Blütenköpfe hängen. Bei all diesen Indizien ist man allerdings darauf angewiesen, ihnen tatsächlich zu begegnen. Was man hingegen jederzeit befragen kann, ist das Barometer – oft unterschätzt, aber in der Regel zuverlässig. Fällt es, ist schlechtes Wetter zu erwarten – je schneller es fällt, desto ärger. Steigt es hingegen, spricht das für anhaltend schönes Wetter.

Was tun bei Gewittereinbruch im Gebirge?

Sie sind trotz aller Anzeichen in ein Gewitter geraten? Dann sollten Sie folgende Regeln beherzigen:
• Meiden Sie Gipfel, Grate, hohe Geländepunkte, Felsrinnen, Wasserläufe, alleinstehende Felsbrocken, senkrechte Wände und erdige Moosfl ächen. Halten Sie einen Abstand von circa einem Meter zu Felswänden ein.
• Befreien Sie sich von metallischen Ausrüstungsgegenständen wie Pickel, Stöcken, Karabiner.
• Eine Hütte ist nur dann sicher, wenn sie einen Blitzableiter hat. Falls nicht, sollten Sie sich in der Mitte des Raumes aufhalten, ohne die Außenwände zu berühren. Gleiches gilt für Zelte.

Wetterweisheiheiten - altbekannt und bewährt

»Abendrot – Schönwetterbot; Morgenrot – Schlechtwetter droht«
»Regenbogen am Morgen, des Hirten Sorgen«
»Cirren am Morgen – Regen am Abend«
»Wenn die Sonne scheint sehr bleich, ist die Luft an Regen reich«
»Südwest – Regennest, mit Ostwind schönes Wetter beginnt«
»Starker Tau hält den Himmel blau«
»Kreuzen sich die Winde, ändert sich’s Wetter geschwinde«
»Beginnt der Tag nebelgrau, auf gutes Wetter vertrau’«
»Je weißer die Schäfchen am Himmel stehen, desto länger bleibt das Wetter schön«
»Ander Wind, ander Wetter«

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Wetter-Livecam
Bettina Willmes
Artikel aus Bergsteiger Ausgabe 08/2013. Jetzt abonnieren!
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