Die Vorbereitung auf die Tour

Tourenvorbereitung und -planung

Das Bergjahr 2011 steht für uns ganz im Zeichen der Sicherheit! Deshalb möchten wir Ihnen in den nächsten zwölf Heften helfen, damit Sie sicher auf Ihre Traumgipfel kommen. Am Anfang steht die Idee, auf einen bestimmten Berg zu steigen; mit einer effektiven Vorbereitung auf die Tour schaffen Sie die Voraussetzung für den Erfolg.

 
Womit beginnt eine Bergtour? Nein, nicht mit dem Aufbruch in aller Herrgottsfrüh. Auch nicht mit dem Rucksackpacken am Tag zuvor oder damit, dass man den Wetterbericht für die nächsten Tage abhört. Das gehört zwar alles zur Vorbereitung auf eine Bergtour dazu, aber am Beginn jeder Tour steht zuerst eine Idee: ein Bild von einem Berg, das ich in einem Bergbuch gesehen habe; ein Klettersteig, von dem mir Freunde begeistert erzählt haben; ein fesselnder Artikel in einer Zeitschrift (gibt es da nicht eine namens BERGSTEIGER?). Und aus dieser Idee wird ein Traum…

Die Planungsphase der Bergtour

Träume sind nicht dazu da, nur geträumt zu werden – sie rufen nach Realisation. Und an diesem Punkt beginnt die Tourenplanung und -vorbereitung; denn wer blind seinen Träumen folgt, wird in die Irre laufen. Über eines müssen wir uns von vornherein im Klaren sein: In den Bergen lauern Gefahren – zugegeben, beim Bergwandern sind sie geringer als beim Alpinklettern, aber sie sind immer vorhanden. Deshalb ist der erste Schritt bei der Tourenvorbereitung die Planungsphase. Dabei gilt es, verschiedene Fragen zu beantworten.

Wo liegt der Berg meiner Träume? Wie komme ich zu diesem Berg? Wie komme ich auf den Gipfel? Antworten auf diese Fragen finde ich in der einschlägigen Führerliteratur, beim Kartenstudium und auf den diversen Tourenforen im Internet; bei letzteren ist aber stets eine gewisse Vorsicht angebracht, denn nicht jeder Forumeintrag ist verifiziert. Für mich persönlich ist diese Planungsphase das Aufregendste an der Tourenplanung – es ist wie das Studium einer geheimen Karte bei der Suche nach einem Schatz: Kann ich alle gefundenen Informationen zu einem schlüssigen Puzzle zusammenfügen?

Wer geht mit mir auf Tour?

Nun weiß ich, wo mein Traumberg steht, weiß, wie schwierig die Route ist, über die ich den Gipfel erreichen möchte und wo der Abstieg zurück ins Tal verläuft. Auch weiß ich, wo die Schlüsselstellen der Route warten, wo es vielleicht Probleme mit der Orientierung geben könnte, wo Schneefelder, Gletscher oder vereiste Passagen lauern. Aber es stellen sich gleich die nächsten, vielleicht wesentlichsten Fragen bei der gesamten Tourenplanung: Wer geht mit mir? Ist mein potentieller Partner den Anforderungen der Tour gewachsen? Je ausgefallener und exotischer ein Tourenziel ist, desto schwieriger kann sich die Partnersuche gestalten:

»Was, auf diesen Schuttberg soll ich klettern, nein danke!« »Geh’, fünf Stunden Zustieg für zwei Stunden Klettern, da musst du dir jemand anders suchen!« Es gab schon Wochen, da hatte der Autor Schwielen an den Fingern vom vielen Telefonnummern-Wählen, weil einfach keiner Interesse an seiner Traumtour hatte. Einfacher haben es da Bergsteiger mit festen Tourenpartnern, und angeblich soll es bei Ehepaaren ja überhaupt keine Probleme bei der Partnersuche geben, sagt man…

Time is money…

Partner gefunden? Gott sei Dank! Erst jetzt können wir, mein Partner und ich, zusammen einen Zeitplan für die gemeinsame Tour erstellen. Frage Nummer eins: Wie lange dauert die gesamte Tour? Die Zeiten finden sich in der Literatur: Anmarsch plus Aufstieg plus Gipfelrast plus Abstieg, dazu noch eine halbe Stunde Reserve ergibt eine Zeitdauer von X Stunden für unsere Traumtour. Für die Tour definieren wir uns zudem sogenannte »check points«, an denen wir dann auf Tour überprüfen können, ob wir noch im Zeitplan sind, ob das Wetter noch mitspielt, ob wir uns auf dem richtigen Weg befinden. Falls weder mein Partner noch ich zu einem bestimmten Zeitpunkt daheim sein müssen, steht uns ein stressfreier Bergtag bevor – aber meistens kommt es anders:

»Du, ich sollte bis sieben Uhr zu Hause sein, sonst gibt’s Ärger!« Also zurückrechnen und den Aufbruchszeitpunkt dementsprechend festlegen… Ganz wichtig neben dem Aufstellen des Zeitplans ist die Definition eines sogenannten »Point of no return«, also jenes Punktes, nach dessen Überschreitung ein Abbrechen der Tour bei Notfällen (ob bei Schlechtwetter oder nach einem Unfall) durch Umkehren keinen Sinn mehr macht, weil der Weiterweg über den Gipfel schneller zurück ins Tal führt.

So viel wie nötig…

Bergsteiger, sagt man, sind faule Menschen, die nur ungern schwere Rucksäcke tragen – zumindest trifft dies auf den Autor zu. Deshalb legt dieser ganz besonders viel Wert auf das Kapitel »Ausrüstungscheck«: Was muss unbedingt mit auf Tour und worauf kann ich verzichten? Unsere Ausrüstungslisten seien somit nur als grober Anhaltspunkt gedacht und sollten individuell variiert werden. Zum Beispiel braucht man bei stabilem Sommerwetter in den Nördlichen Kalkalpen keine Überhose, wohl aber auf einer Westalpentour – und der Satz mobiler Sicherungsgeräte (Klemmkeile, Friends) ist bei einer Plaisirkletterei (ausschließlich mit Bohrhaken gesichert) unnötig.

Andererseits kann ein fehlendes Ausrüstungsteil den Erfolg auf Tour gefährden – etwa, wenn die Sonnenbrille beim Aufstieg über Schneefelder vergessen wurde oder nicht genug zum Trinken in einer langen, südseitig exponierten Kletterroute mitgenommen wurde. Aus Erfahrung sei zusammenfassend ganz pragmatisch zum Thema »Was gehört in den Rucksack« gesagt: So viel wie nötig und so wenig wie möglich…

Es geht los…

Der Countdown läuft – morgen geht es los! Jetzt heißt es, zum letzten Mal den Wetterbericht checken: Welche Temperaturen werden am Morgen, am Mittag und am Abend herrschen? Wie groß ist die Schauer- oder Gewitterwahrscheinlichkeit? Wird es bewölkt sein? Wie ist (bei Skitouren) die Lawinenlage? Die wichtigsten einschlägigen Wetterforen haben wir für Sie im Kasten auf Seite 78 zusammengestellt, wobei nicht vergessen werden darf, auf den Service der Alpenvereine hinzuweisen, die eine persönliche telefonische Beratung (DAV Tel. 0 89/29 49 40; OeAV Tel. +43/05 12/58 78 28; AVS Tel. +39/04 71/99 99 55) durch Bergführer und Alpinexperten anbieten; auch über besondere aktuelle Verhältnisse vor Ort (Hüttenöffnungen, Wegezustand) geben diese Stellen kompetent Auskunft.

Ich muss zugeben – auch nach über 40 Jahren Bergsteigen bin ich vor großen Touren immer noch ein wenig aufgeregt. Und das ist gut so – die Spannung vor der Tour ist wie das Salz in der Suppe. Der Traum ruft nach Realisation, und morgen ist es endlich so weit: Dann wird aus der Idee Wirklichkeit – greifbar, fühlbar, kleiner Mensch im großen Gebirg’…
Sicher zum Gipfel 2011
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