Proviant auf dem Prüfstand | BERGSTEIGER Magazin
Ernährung beim Bergsport

Proviant auf dem Prüfstand

"Eine warme Mahlzeit am Tag braucht der Mensch" oder "Ein Weißbier ist das beste Sportlergetränk". Ernährungsratschläge halten sich mitunter hartnäckig. Doch was ist wirklich dran? Und gelten im Winter andere Regeln als im Sommer? Wir haben eine Expertin gefragt.

 
Nichts geht über eine deftige Brotzeit, oder? © Henry Keßler/pixelio.de
Nichts geht über eine deftige Brotzeit, oder?
Mirjam Limmer (30), lehrt und forscht am Institut für Natursport und Ökologie der Deutschen Sporthochschule Köln. Sie ist selbst leidenschaftliche Bergsteigerin und war Mitglied des ersten Frauen-Expeditionskaders des Deutschen Alpenvereins. Für uns hat sie sechs Ernährungsmythen unter die Lupe genommen:

"Eine warme Mahlzeit am Tag braucht der Mensch"


Bild: Ulrich Merkel/Pixelio.de

Prinzipiell ist kaltes Essen ausreichend, auch wenn man mehrere Tage am Stück unterwegs ist. Der einzige Vorteil von gekochtem Essen ist, dass es für die Verdauung einfacher ist. Klar sollte man im Winter einen warmen Tee dabei haben. Da geht es aber eher ums Aufwärmen. Grundsätzlich unterscheiden sich die Ernährungsempfehlungen im Winter nicht von denen im Sommer.

"Kohlenhydrate sind das A und O"

Das stimmt voll und ganz! Sie sind die wichtigste Energiequelle für Bergwanderer. Allerdings ist Kohlenhydrat nicht gleich Kohlenhydrat. Vor der Tour sind komplexe Kohlenhydrate die beste Wahl, wie sie in Getreide, Kartoffeln oder Vollkornbrot enthalten sind. Sie stehen dem Körper lange zur Verfügung. Kurzkettige Kohlenhydrate wie Schokolade treiben den Blutzuckerspiegel zwar schnell hoch, das hält aber nur kurz an.

"Ein Weißbier ist das beste Sportlergetränk"


Bild: Wolfgang Dirscherll/Pixelio.de

Ein Mythos, der sich hartnäckig hält, aber definitiv falsch ist. Klar enthält das Bier Mineralstoffe, aber der Alkohol hat eine harntreibende Wirkung und ist somit ungünstig für die Flüssigkeitsbilanz. Das gilt auch für alkoholfreies Bier, wenngleich das sicher die bessere Wahl ist.

Ideal sind für Bergwanderer Saftschorlen, da die auch einen gewissen Anteil an Kohlenhydraten haben. Wer es sehr sportlich angehen lässt oder länger als fünf Stunden unterwegs ist, greift am besten zu isotonischen Getränken, die zusätzlich noch viele Mineralstoffe liefern.

"Fett macht träge"


Bild: W.R.Wagnerl/Pixelio.de

Stimmt prinzipiell, weil Fett länger braucht, bis es verdaut ist. Währenddessen hat man mehr Fettanteile im Blut, weswegen der Sauerstoff nicht mehr so schnell zu den Muskeln gelangt. Während der Tour ist fetthaltiges Essen daher auf jeden Fall ungünstig.

Insgesamt hat man als Bergsteiger aber einen hohen Energiebedarf. Daraus ist die Tradition entstanden, auf Hütten viele fetthaltige Gerichte anzubieten. Sinnvoll sind die aber eher abends. Wobei auch da kohlenhydratreiches Essen eigentlich die bessere Wahl ist, um den Speicher wieder aufzufüllen.

"Der Körper braucht Energie in kurzen Abständen"


Bild: Tim Reckmann/Pixelio.de

Das stimmt. Denn wenn die Energie aufgebraucht ist, braucht der Körper neue, und das funktioniert nun mal am besten, wenn er konstant alle ein bis zwei Stunden kleine Happen wie zum Beispiel Nüsse, Trockenobst oder Energieriegel bekommt. Isst man erst mittags wieder und dafür eine größere Portion, müssen die Moleküle erstmal zerlegt werden – das dauert. Es hängt aber natürlich auch vom Typ ab; es gibt Leute, die kommen gut ohne Snack aus.

"Zu viel Milch auf Tour übersäuert die Muskeln"

Das stimmt definitv nicht. Eine Übersäuerung der Muskeln hat mit Laktat zu tun, das bei Belastung gebildet wird. Milch hat da keinen Einfl uss darauf. Vermutlich hält sich das Gerücht deshalb so hartnäckig, weil der deutsche Begriff von Laktat »Milchsäure« lautet, was aber nichts weiter zu bedeuten hat.

Drei Riegel für den Energieschub

 
  • BLACK BEAR Steinzeitnahrung
Zutaten: getrocknete Datteln, getrocknete Süßkirschen, Mandeln, Cashewkerne, Cranberries, Macapulver, Steinsalz
UVP: 4,10 € (2x35 g)
Geschmack: Datteln und Mandeln dominieren
Unser Eindruck: schmeckt gut, macht satt, gibt Kraft
Erhältlich: in Österreich in Bio-Läden und Sportgeschäften. Für Deutsche bleibt nur der Postweg: www.blackbear.com​ 
 
  • SEITENBACHER Saurer Apfel
Zutaten: Apfelsaft eingedickt, Trockenäpfel, Mandeln, Rosinen, Zimt, Oblaten (Kartoffelstärke, Sonnenblumenöl)
UVP: 1,49 € (50 g)
Geschmack: Fruchtig-weihnachtlich
Unser Eindruck: Man schmeckt, dass in diesem Riegel natürliche Zutaten drin sind – und zwar in sehr kompakter Form. Entsprechend lang hält er satt – und zufrieden.
Erhältlich: im Supermarkt und auf www.seitenbacher.de
 
  • INNOSNACK Innobar Kürbiskern 
Zutaten: Isumaltulose, Leinsamen, Mandeln, Kürbiskerne, Sonnenblumenkerne, Sesam
UVP: 1,79 € (43 g)
Geschmack: nussig-süß
Unser Eindruck: gibt schnell Energie, den Hunger vertreibt der Riegel aber nicht. Laut Hersteller bewahrt er aber – rechtzeitig verzehrt – vor Hungerattacken.
Erhältlich: www.innosnack-shop.de, www.bergfreunde.de
 
Bettina Willmes
Artikel aus Bergsteiger Ausgabe 02/2016. Jetzt abonnieren!
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren