Ein Amateurbergsteiger auf Everest-Expedition – Teil 12 | BERGSTEIGER Magazin
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Ein Amateurbergsteiger auf Everest-Expedition – Teil 12

Der Belgier Damien Francois träumt vom Everst – und zwar schon ziemlich lange. Im Frühjahr 2018 unternimmt er seinen vierten Versuch, er will endlich das Dach der Welt erklimmen. Den Verlauf der Expedition schildert er im Bergsteiger-Blog.
Teil 12: Everest Base Camp – die letzte Akklimatisierungsrotation
 
© Damien Francois
Camp 2: Blick nach Westen, also runter

1. Mai, EBC

Es gibt keine »goldene Regel«, was die Akklimatisierung angeht. Der eine braucht mehr Zeit in höheren Lagern, der andere weniger. Das Einzige, was sicher ist, ist, dass die von George Mallory vor 100 Jahren entwickelte Methode (das »Yo-Yo-Spiel«) unabdingbar ist. Der Körper muss sich progressiv an die Höhe anpassen.

Wir haben die letzte Akklimatisierungsrotation am Berg hinter uns und sind zurück am EBC. Also die Ruhe vor dem Gipfelsturm. Ich habe jetzt kräftig rote Blutkörperchen produziert und hoffe, dass mein Körper für die extreme Höhe, für die Todeszone, bereit ist. Wir sind ins Lager 1 aufgestiegen und haben dort übernachtet; dann sind wir weiter ins Lager 2, wo wir zweimal übernachtet haben. Vom dort aus haben wir einen kleinen »Tagesausflug« bis an den Fuß der Lhotse-Flanke, auf circa 6700 Meter, absolviert. Wir wollten eigentlich 3 Nächte auf 6500 Metern verbringen, aber da der Reißverschluss meines Schlafsacks sich dazu entschieden hatte, nicht mehr zu funktionieren, und ich es nur noch mit einer Decke zu tun hatte, beschlossen wir, die dritte Nacht im C2 fallen zu lassen. Wieder einmal also war der Schlaf nicht so doll...


Im Blickfeld auf dem Weg nach unten (zwischen C2 und C1): der fast 8000 Meter hohe Gyachung Kang

Warten aufs Wetter 

Jetzt warten wir gespannt auf das »Gute-Wetter-Fenster«, also auf einen Zeitabschnitt von sieben Tagen, der es uns ermöglicht, bis auf das Dach der Welt, den Dritten Pol, auf 8850 Meter vorzustoßen – und wieder heil herunterzukommen. Das ist die Theorie, die »Vorhersage«, denn eine Garantie, dass es tatsächlich auch so kommen wird, tja, die hat niemand. Und ich habe ja 2017 die Erfahrung gemacht, dass selbst bei bester Wetterprognose etwas schief gehen kann: Ich war im Lager 3, wo ich eine relativ angenehme Nacht verbracht hatte, mit einem halben Liter Sauerstoff pro Minute. Von dort sollte es also zunächst am 23. Mai auf ins vierte Lager, den legendären »Südsattel« (South Col), und dann am selben Abend noch, nach einer Pause von wenigen Stunden, zum Gipfel des Mount Everests gehen. Leider kam gegen etwa 4 Uhr morgens ein Sturm auf, der es unmöglich machte höher aufzusteigen.
 
Auffallend viele Frauen dieses Jahr! Im Eisfall und in den höheren Lagern (1 und 2) sind wir vielen Bergsteigerinnen begegnet. Erstaunlich viele Nepalis (Sherpanis, aber auch aus anderen ethnischen Gruppen), aber auch viele Inderinnen und Chinesinnen. Leider muss auch bemerkt werden, dass sie nicht alle die nötige Fitness, die Erfahrung und die Kompetenzen mitgebracht haben. In dem stehen sie den Männern in nichts nach...
 
Wer den Gipfel erreichen wird, das kann zum jetzigen Zeitpunkt jedoch niemand sagen. Sicher ist nur, dass wir uns zur Zeit in dieser etwas merkwürdigen Situation befinden, in der wir, wie eine Art Spezialkräfte-Kommando, auf das »Go!« warten, das uns in ein Abenteuer jagen wird, das auch mal schief gehen kann. »Denn leben heißt in Gefahr sein«, wie Nietzsche schrieb.
 

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Damien Francois
Fotos: 
Damien Francois
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