Ein Amateurbergsteiger auf Everest-Expedition – Teil 13 | BERGSTEIGER Magazin
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Ein Amateurbergsteiger auf Everest-Expedition – Teil 13

Der Belgier Damien Francois träumt vom Everst – und zwar schon ziemlich lange. Im Frühjahr 2018 unternimmt er seinen vierten Versuch, er will endlich das Dach der Welt erklimmen. Den Verlauf der Expedition schildert er im Bergsteiger-Blog.
Teil 13: Everest Base Camp – Jetzt bloß nicht krank werden!
 
© Damien Francois
Blick auf die Lhotse-Flanke: Camp 3 liegt in der Mitte der Seracs

3. Mai, EBC

Ich bin sehr froh, dass unsere Expedition früh gestartet und bereits gut vorangekommen ist, sodass wir das erste Wetterfenster nutzen werden, um den Gipfel zu »stürmen«. Die Seile sind bis zum vierten Lager verlegt worden und müssen jetzt »nur« noch vom Süd-Sattel (knapp 8000 Meter) bis zum Gipfel angebracht werden. Das warme Wetter zeigt bereits deutlich seine Auswirkungen im Khumbu-Eisfall. Im unteren Bereich schmilzt es an vielen Stellen schon wie vor einem Jahr... aber einen Monat früher! Dennoch, zum jetzigen Zeitpunkt (am 3. Mai), heißt es: Warten!
 
Und diese Warterei ist nicht immer einfach, ja, sie ist sogar einer der schwierigen Aspekte dieser Expedition. Es geht darum körperlich fit zu bleiben (nicht zu krank werden, nicht auf dem unwegsamen Gelände am EBC umzuknicken) und geistig für die großen, und vor allem langen Tage, die kommen, gerüstet zu bleiben. Mag logisch und einfach klingen, ist es aber nicht. Die Dauer von Expeditionen an großen Bergen, allen voran am Everest, ist ein wichtiger Punkt und sollte auf keinen Fall unterschätzt werden, sowohl was das Körperliche angeht, als auch das Geistige – die »Moral«. Ich jammere nicht – um Shivas Willen! –, aber es ist nicht einfach, sieben bis acht Wochen auf einem Gletscher zu leben. Es gibt zwar eine kleine Gasheizung im Mess-Zelt, wir haben einen Internet-Zugang (der Betreiber könnte jedoch vieles bessern – Einkassieren, das kann er schon ganz professionell!), mit dem sympathischen Franzosen Patrick des Teams nebenan (Thamserku Expedition) unterhalte ich mich gern, sind wir doch wirklich auf einer Wellenlänge – unser esprit gaulois! :-). Aber ich muss gestehen, dass ich zur Zeit ein wenig zu kämpfen habe... Moralisch, aber auch körperlich, weil nicht zuletzt auch das Essen, das, wenn ich bedenke, wo ich bin, eigentlich wirklich gut, aber doch sehr repetitiv ist – unabhängig davon, dass der Geschmacksinn sich in der Höhe verändert und vieles dann einfach »langweilig« schmeckt, um eine vielleicht gewagte Synästhesie zu wagen.
 
Es gehört einfach dazu, dass Langeweile und Sehnsucht nach dem Zuhause schon mal aufkommen. Ansonsten müsste ich mir wohl Fragen über das, was für mich daheim als »Höchstes« gilt – meine Mutter und mein XXL-Yeti – stellen. Ich vermisse sie sehr, ganz einfach. Und die Frage »Was tue ich hier?«, die kommt mehrmals am Tag auf. Aber ein Blick nach Draußen und ich weiß, wieso ich hier bin!


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Damien Francois
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