BERGSTEIGER-Interview mit Reinhold Messner

»Ich bin nicht der mutige Bergsteiger«

Reinhold Messner polarisiert. Für ihn gibt es keine Ankündigungen, ohne sie auch in die Tat umzusetzen. Er mischt sich ein, wann immer es um die Zukunft des Alpinismus und um die Gegenwart der Alpenpolitik geht. An Messner scheiden sich die Geister, denn er pflegt die harte Kritik. Unbarmherzig, manchmal auch unbelehrbar.

 
BERGSTEIGER: Zum 60. Geburtstag erfüllten Sie sich einen Traum: die Durchquerung der Wüste Gobi – allein 2000 km. Was kommt zum Siebzigsten?
Messner: Ich bin zufrieden mit der Gobi. Sie war das erste Projekt, das ich im Kopf hatte, als ich von der großen Höhe umstieg auf die Horizontale. Ich werde nie mehr irgendetwas Derartiges auf mich nehmen. Das sagte ich damals schon.

Aber Meinungen können sich ändern. Auch Ihre.
Es wäre nicht meinem Alter entsprechend, und dieses ununterbrochene Ankündigen von Grenzgängen älterer Herrschaften, ist meine Sache nicht. Was wir noch alles machen könnten, zählt nicht. Was wir tun, ist es.

Es ging Ihnen damals mehr um eine innere Reise als darum, der Welt zu zeigen, dass ein Sechzigjähriger noch alleine durch eine große Wüste laufen kann. Wie ist es um die »Wüste in mir« bestellt?
Ich nehme die Wüste Gobi in meinem Buch zum Beispiel fürs Jenseits. In dieser unendlichen Weite und setze mich mit dem Prozess des Alterns auseinander. Und dieser Prozess hat galoppierend zugenommen.

Was meinen Sie mit »galoppierend«?
Dass ich nicht mehr die Schnellkraft habe, die Ausdauer, die Geschicklichkeit, die ich noch mit 60 hatte. Ich weiß ganz genau, dass ich mit 80, sollte ich noch am Leben sein, auf einen 3000er keuchen kann. Es wird aber mit den Möglichkeiten von heute, noch schöne, klassische Dolomiten-Touren zu machen, vorbei sein. Und hochhieven werde ich mich nie lassen.

 
Reinhold Messner im Interview. Fotos: Archiv Messner, Georg Tappeiner (3), Perathoner Film
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