Wandern im Allgäu

Tourenparadies Kleinwalsertal und Allgäuer Alpen

Allgäuer Alpen – Oberstdorf – Kleinwalsertal. Tourenparadies mit hohen Bergen, einzigartiger Vegetation, eindrucksvollen Steigen und großartigen Höhenwegen. Und mit Gipfeln, die es in sich haben.
(Text und Fotos: Gaby Funk)

 
Einödsbach am Schluss des Stillachtals wird vom Allgäuer Hauptkamm überragt (Foto: Gaby Funk) © Gaby Funk
Einödsbach am Schluss des Stillachtals wird vom Allgäuer Hauptkamm überragt
Oberstdorf, die südlichste Gemeinde Deutschlands, ist zweifellos im Sommer und im Winter das bergtouristische Zentrum der Allgäuer Alpen. Vom insgesamt 23000 Hektar großen Gemeindegebiet sind offiziell drei Viertel als Landschafts- und Naturschutzgebiet ausgewiesen und geschützt, was sich an vielen Stellen durch eine enorme botanische Vielfalt und das Vorkommen vieler seltener Pflanzen bemerkbar macht. Die bekanntesten und beliebtesten Ziele der gesamten Allgäuer Alpen liegen im Oberstdorfer Revier: der Hindelanger und der Mindelheimer Klettersteig, der Allgäuer Hauptkamm mit Kratzer, Mädelegabel sowie all den anderen Gipfeln der Kette bis zum Biberkopf, und der Heilbronner Weg, der wohl bekannteste unter den anspruchsvollen Hüttenverbindungswegen in den deutschen Alpen. Die pflanzliche Vielfalt, die von Botanikexperten hier so geliebt und gerühmt wird, ist eine Folge der spannenden geologischen Vielfalt. Die unterschiedlichen Böden von karg bis sehr nährstoffreich schaffen beste Wachstumsvoraussetzungen für völlig unterschiedliche Pflanzenarten. Bergfans schätzen hier aber natürlich vor allem die Höhenwege und Gipfelziele mit ihrem spektakulären Weit- und Tiefblick, die Steige mit viel Luft unter den Sohlen, die wilden Winkel zwischen schroff aufragenden Wänden… Besonders beliebt sind daher auch die mehrtägigen Durchquerungen, auf denen man Tag für Tag über die geologische und botanische Vielfalt staunen kann.

Im Herzen der »Allgäuer«: Kleinwalsertal

Zum Oberstdorfer Bergrevier und dem südlichen Teil der Allgäuer Alpen zählt auch das österreichische Kleinwalsertal, das per Straße nur von Oberstdorf erreicht werden kann und deshalb auf eine lange gemeinsame Geschichte mit dem deutschen Nachbarn zurückblickt. Wegen dieser geografischen Lage ist das Tal mit seinen rund 5000 Einwohnern seit 1891 ein Zollausschlussgebiet und somit ein deutsches Wirtschaftsgebiet mit deutschen Waren und Preisen auf österreichischem Boden. Das von weit her erkennbare Markenzeichen des Kleinwalsertals ist der Hohe Ifen, eine 1,6 Kilometer lange und 300 Meter breite, schräg aufgestellte Tafel der Helvetischen Kreide. Direkt daneben liegt das Gottesackerplateau. Dabei handelt es sich um eine bizarre, fünf Quadratkilometer große Hochfläche aus zerrissenem, von Rillen, Falten und Spalten zerfurchtem, in der Sonne grell glänzendem Schrattenkalk. Aber von wegen kahl und öd  –  in den Rillen und Furchen wachsen seltene Pflanzen, wie Schweizer Mannsschild, Zwerg-Mannsschild, wilder Schnittlauch, Steinbrech, Kohlröschen…
Ferner kann man im Kalk 120 Millionen Jahre alte Relikte aus dem Urmeer, dem Tethys-Meer, finden: feine Einschlüsse oder Abdrucke, wie versteinerte Korallen, Muscheln oder Algen. Und die Unterwelt des Gottesackers besteht aus einem Labyrinth von Dolinen, Spalten, Höhlen und dem Hölloch, einem stark verzweigten Höhlensystem, das inzwischen auf zehn Kilometer Länge und bis in 452 Meter Tiefe vermessen wurde.

Wechselvolle Geschichte

Setzt man sich mit der Geschichte des Tales auseinander, dann beschäftigt man sich nicht nur mit der Geschichte der Walser und jener ersten fünf Walser Familien, die 1270 vom Hochalppass unterm Großen Widderstein mit Sack und Pack ins Tal herabkamen, es besiedelten und prägten. Noch viel weiter zurück, nämlich in die Steinzeit, führen Steinwerkzeuge, die an der Schneiderkürenalpe unterm Gottesacker an einer Grabungsstätte gefunden wurden. Sie sind der Nachweis dafür, dass sich dort vom 7. Jahrtausend vor Christus bis etwa um Christi Geburt im Sommer regelmäßig Menschen zum Jagen aufgehalten hatten.
Wer in der Bergregion Oberstdorf-Kleinwalsertal wandert, der wird also nicht nur ein herrliches alpines Revier erkunden, sondern grenzüberschreitend auf den Spuren einer sehr langen, spannenden Geschichte wandeln, über die man sich beispielsweise mit Hilfe des modernen grenzüberschreitenden Bergschau-Informationssystems in Oberstdorf und im Kleinwalsertal einen ersten Überblick verschaffen kann.

Blumenwanderungen im Allgäu
Gaby Funk
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