Entschleunigung im Gsieser Tal | BERGSTEIGER Magazin
Das Tal der Träume

Entschleunigung im Gsieser Tal

Das Gsieser Tal schlängelt sich lautlos durch Südtirol – die Dolomiten stets im Blick. Wer Ruhe sucht und durch sanfte Aktivitäten einen Ausgleich zum Alltag finden möchte, ist hier richtig.
 
Gsieser Tal © Kronplatz Tourismus
Fans beschreiben das Gieser Tal und seine Landschaft als lieblich. Und das nicht ohne Grund.
Kleine Gebirgsbäche plätschern durch das Tal, im glasklaren Wasser glitzert die Sonne. Die Stille ist so bemerkenswert, dass man das Gefühl hat, man könne sie greifen. Doch dann: Ein Kuckuck ruft in der Ferne. Vom Berg ist das Klingen der Kuhschellen zu hören. Hin und wieder strömt einem der Geruch von warmem Holz entgegen. Ein älterer Herr sitzt vor seinem Haus, sein Gesicht braun gebrannt von der Sonne, seine Augen stahlblau. Er sitzt da, lächelt und wirkt entspannt – im Blick das Gsieser Tal, das sich vor ihm und dem Örtchen Sankt Magdalena in Südtirol erstreckt.

Die Ruhe genießen, wieder zu sich finden und in Einklang mit der Natur kommen – diese Kombination suchen Gäste, wenn sie ins Gsieser Tal - ein Seitental des Pustertals - kommen. So auch Katharina Wiek, die schon seit ihrer Kindheit immer wieder aus Köln hierher reist - und das aus bestimmten Gründen. Das Gsieser Tal ist die ruhige, kleine Schwester des gut besuchten, nahe gelegenen Kronplatzes. Über mehrere Orte wie St. Martin zieht sich das Tal von Taisten aus bis zum Talschluss in St. Magdalena. Hier gibt es genügend Raum und Platz, um sich auszuleben. Katharina Wiek jedenfalls schätzt die Vielfalt des Tales. Nicht nur, was die Landschaft betrifft, sondern auch, was die Aktivitäten angeht.

Der Weg ist das Ziel

Die Berge des Gsieser Tals sind geprägt von sanften, grünen Wiesen. Fichtenund Laubbäume reihen sich weiter oben aneinander. Kontraststark dann der Blick in Richtung Taisten: Hier beginnen die Dolomiten, wie einem die schroffe Bergkette deutlich macht. Wer es also extremer und abenteuerlicher mag, hat es vom Gsieser Tal aus nicht weit zu einer Wanderung oder einem Klettersteig in den Dolomiten.


Die Definition von lieblich: das Gsiesertal © Kamilla Photography

Ein weiterer Nachbar des Gsieser Tals ist das Ahrntal, das mit seinen Dreitausendern ebenfalls eher die abenteuerlustigeren Gipfelstürmer anlockt. Im Gsieser Tal ist dagegen nicht der Gipfel das Ziel, sondern das Erlebnis und der Weg selbst. Auch Familien mit Kindern reisen gerne hierher. Die Wege sind leicht begehbar, so können sich auch die Kleinen hier austoben und Bergluft schnuppern, ohne gleich überfordert zu sein. Hier gibt es viele gemütliche Touren, die auch mit mäßiger Kondition gut zu schaffen sind und trotzdem alle einen wunderschönen, abwechslungsreichen Ausblick bieten. Und wer unterwegs eine Stärkung braucht, wird auf den Almen herzlich empfangen.

Ausgleich für Profikletterer

Katharina dagegen mag es ab und zu schweißtreibender und startet nach einem entspannten Wandertag ihren nächsten Tag oft mit einer Runde im Laufschritt. Der Gsieser Panoramalauf, von dem aus man das ganze Tal von Anfang bis Ende erkunden kann, ist inzwischen bei vielen Trailrunnern bekannt wie sehr beliebt. Die Ruhe im Gsieser Tal genießt auch Profikletterer Simon Gietl. Sein Vater stammt aus dem Gsieser Tal, weshalb sich das Tourismusbüro an Simon Gietl wandte. Bis Ende Juni war er so einmal wöchentlich der prominente Teil der organisierten, gemütlichen »Balance Wanderung«.


Auch Profikletterer Simon Gietl genießt die Ruhe im Gsieser Tal. © www.wisthaler.com

Ein starker wie schöner Kontrast zu dem, was der sympathische Alpinist sonst am Fels erlebt. Trotz oder gerade weil er die gesamte Welt bereist, nutzt der Profikletter daheim in Südtirol die Gelegenheit, wieder Kraft zu sammeln. Die Wanderung führt auf rund 2000 Metern Meereshöhe von Alm zu Alm ein Stück über den »Almweg 2000«. Bei dieser Tour, die auch über die Uwaldalm führt, bieten sich wunderschöne Ausblicke über das Gsiesertal.

Chillischnaps auf 2000 Metern

»Ein bisschen modern und trotzdem urig«, so beschreibt Sarah Steinmair die Einrichtung der Uwaldalm. Sie bewirtschaftet die Alm seit fünf Jahren zusammen mit Mathilde Ausserhofer, die von allen hier »Matti« genannt wird. »Generell versuchen wir auf der traditionellen Schiene zu bleiben. Vor allem auch, was das Essen betrifft«, erklärt Sarah Steinmair. Neben traditioneller südtiroler Küche können Gäste der Uwaldalm den Genuss auf besondere Weise zelebrieren: Beim sogenannten Hut-Essen.


Viele Almen lassen sich im Gsiesertal  schon nach wenigen Minuten leicht erreichen. © TVB Kronplatz

Das läuft ähnlich ab wie beim Raclette: Aus der heißen Fläche, die der Form eines Hutes ähnelt, ragen kleine Häckchen heraus. Hier bruzzelt dann das Fleisch, während sich die Gäste schon einmal an den Pellkartoffeln, dem Knoblauchbrot, hausgemachter Soße und Salat bedienen können. Wer auch die selbstgebrannten, flüssigen Köstlichkeiten der Uwaldalm probieren möchte, sollte nach der Schnapsauswahl fragen. »Da gibt es viele verschiedene – wie z.B. Chillischnaps, Honig-Ingwer-Schnaps, oder Schoko-Schnaps«, sagt die Hüttenwirtin mit einem Lächeln. Gäste können gerne probieren und auch ein Fläschchen mit nach Hause nehmen.

Der goldene Herbst

Katharina Wiek jedenfalls ist auf den Geschmack gekommen. Ihr Geheimtipp, was die Jahreszeit betrifft, ist der goldene Herbst. Wenn die Sonne sanfter strahlt, die Pilze aus dem Boden sprießen, die Bauern ihre frischen Kartoffeln anbieten und die roten und goldenen Farben der Laubbäume auf sie wirken, spürt sie die Ruhe hier besonders. Dann ist sie angekommen, im Gsieser Tal. Und bei sich
 
Laurie Hilbig
Artikel aus Bergsteiger Ausgabe 08/2017. Jetzt abonnieren!
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