Mit Schneeschuhen auf Hochtour: Suldenspitze | BERGSTEIGER Magazin
Schneeschuh 3000

Mit Schneeschuhen auf Hochtour: Suldenspitze

Das Hochgebirge gehört nicht mehr allein den Tourengehern. Wer die Spielregeln beachtet, kann sich auch mit Schneeschuhen auf den Gletscher wagen. Bei einer Tour auf die Suldenspitze spricht Bergführer Olaf über Spalten, Lawinen und die deutsche Kanzlerin, mit der er längst per Du wäre. Wenn er denn wollte.


 
 
Wer im Winter ins Hochgebirge will, braucht nicht zwangsläufig Tourenski. © Christian Geist
Wer im Winter ins Hochgebirge will, braucht nicht zwangsläufig Tourenski.

Kurz nach Mitternacht in Sulden. Sternenklare Nacht. Eis und Schnee reflektieren das Licht des Vollmondes, als Bergführer Olaf Reinstadler die Tür seiner Garage öffnet. Dahinter stehen rund zehn Paar Ski an der Wand. Doch der 53-Jährige trägt einen hellgrauen Jogging-Anzug, dazu Trekkingsandalen, sein Gesicht ist zerknittert. Er huscht um die Ecke und öffnet die nächste Türe. Ein gewaltiger Duft schlägt ihm entgegen: Fenchel, Kümmel, Anis, irgendwas dazwischen oder alles zusammen. »Das ist Brotklee, auch bekannt als Zigainerkraut. Das findest du sonst nirgends«, sagt Olaf, der tagsüber als Bergwacht-Chef und Bergführer arbeitet, nachts als Dorfbäcker.

Sein Vater, schon über 80, stürzt gerade einen Sack Mehl in einen Zuber. Es staubt in der Backstube, als er den Rührer anwirft. Fünf Minuten später schaben die Beiden eine zähflüssige, hellbraune Masse aus dem Bottich. Vater Reinstadler formt daraus kleine Pflanzerl, Olaf platziert sie in Pärchen auf einem Backblech. Später werden sie sich bei 260 Grad fest aneinanderschmiegen. »Das sind unsere bekannten Paarlen, die man überall als Vinschgauer kennt«, erklärt Olaf. Weil die Paarlen zwei Stunden ziehen müssen, bevor sie in den Ofen kommen, stehen sie jede Nacht als Erstes auf dem Backzettel.

Olaf sprengt den Schnee

Acht Stunden später. Blauer Himmel über der Terrasse der Schaubachhütte (2581 m). Plötzlich ein Donnerschlag. Noch einer. Dann brummt eine Lawine. Zwei Felsriegel versperren die Sicht, dazwischen schießt eine Wolke hervor und hüllt den halben Talschluss in Schneestaub – wie bei einer Kanone, nur ohne Kugel. Über dem Geschehen schwebt ein Helikopter. Mit an Bord: Olaf Reinstadler. Er hat nach getaner Arbeit gefrühstückt, ist um sechs Uhr mit dem Schneemobil zur Hütte gefahren, hat Sprengsätze vorbereitet. Soeben hat er sie aus dem Heli geworfen und ...

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Christian Geist
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