Aus CLIMB! 11/2008: Klemmkeile und Friends im Test

Im Test: Friends & Co

Jeder, der im Gebirge klettert, sollte Klemmkeile und Klemmgeräte dabei haben - aber welche? Peter Albert hat Klemmkeile, Klemmgeräte und Friends unter die Lupe genommen.
(Aus CLIMB! 11/2008)
 
Klemmkeile und Friends für Alpinkletterer © Christian Pfanzelt
Klemmkeile und Friends für Alpinkletterer
In Gebirgsrouten stecken die Haken weiter auseinander als im Klettergarten. Das ist nicht nur in klasssischen Routen so, sondern auch in so genannten Plaisirrouten. Von Wiederholern solcher Routen wird erwartet, dass sie in der Lage sind, mobile Sicherungsmittel anzubringen. Und von ihnen wird erwartet, dass sie eine passende Auswahl an mobilen Sicherungsmitteln treffen können. Zur Auswahl stehen zwei verschiedene Typen von mobilen Sicherungsmitteln: Klemmkeile und Klemmgeräte. Im Szenejargon heißen diese beiden Typen oft schlicht »Keile« und »Friends«. Mit ihnen ist man für die meisten Gebirgsrouten gut gerüstet. Allerdings gibt es auf dem Markt einige Anbieter und viele Modelle. Welche dieser Modelle wie gut funktionieren und welche Keile man mit welchen Friends in welchen Routen dabei haben sollte, ist für den Gebirgsneuling kaum zu entscheiden. Und selbst die etwas Geübteren kennen die Vor- und Nachteile insbesondere der vielen Klemmgeräte meist nicht.

Wir sind mit den aktuellen Friends und Keilen beim Klettern gewesen und haben genau verglichen. Die Ergebnisse stehen auf den folgenden Seiten. Klemmkeile sind so genannte passive mobile Sicherungsgeräte. Sie werden oberhalb von Verengungen in Rissen oder Löchern platziert und halten schlicht und einfach durch ihre Keilform. Dabei gilt generell: Je gößer der Keil und je besser der Formschluss zwischen Keil und Fels, desto höher die Haltekraft. In der Praxis spielen einige weitere Faktoren (Gesteinsqualität, Oberflächenbeschaffenheit, Zugrichtung im Sturzfall) eine Rolle. Klemmkeile unterliegen der Norm EN 12270. Diese schreibt vor, wie die Festigkeit eines Keils zu prüfen ist und dass der ermittelte Wert am Keil sichtbar sein muss (das gilt übrigens auch für Klemmgeräte). Dass darüber hinaus eine Mindesthaltekraft von unbrauchbaren 2 kN definiert ist, zeigt, wie schwierig es ist, im Bereich der mobilen Sicherungsmittel überhaupt sinnvolle Normierungen zu finden.

Zwei Seiten bei Klemmkeilen

Jeder Klemmkeil hat zwei Größen – eine bei »normaler« Nutzung auf der breiten Auflagefläche und eine bei quergestellter Nutzung auf der schmalen Stirnseite. Die »normale« Seite ist bei allen Herstellern bananenförmig gestaltet (so liegt der Keil besser), die schmale Seite dagegen symmetrisch. Die Größenverhältnisse dieser beiden Seiten sind je nach Modell recht unterschiedlich: Bei den »Stoppern« von Black Diamond liegen diese weit auseinander, bei den »New Rocks« schließen sie direkt an. Hier wie überhaupt bei den Größenabstufungen der Keile gibt es keinerlei Normierungen. Schnelles und effektives Legen von Keilen erfordert also eine gewisse Vertrautheit mit dem eigenen Klemmkeilsatz. Daher die Empfehlung: Man entscheide sich für ein Klemmkeilmodell und kaufe ein davon ein Set. Die jeweiligen Größen bauen dann stimmig aufeinander auf und sind farblich so gekennzeichnet, dass man bei entsprechender Übung schnell die richtige Größe parat hat. Zusammensetzung und Umfang des Sets bestimmen sich nach den eigenen Ambitionen: Für Plaisirkletterer reichen mittlere Größen in der Regel völlig aus. Klemmkeile bestechen durch ihre Einfachheit: Einfache Form, keine beweglichen Teile, nachvollziehbare Funktionsweise.

Sie haben nur einen Nachteil: Es gibt (gar nicht so wenige) Risse, Schuppen und Löcher ohne Verjüngungen, und dann nützt der beste Keil nichts. Für diesen Fall sind die »Friends« erfunden worden – sie halten in parallelen Rissen und Schuppen und manchmal sogar in seichten Löchern. Das Funktionsprinzip ist sehr raffiniert: Bewegliche Viertelkreissegmente mit zunehmendem Radius spreizen sich umso mehr gegen die Wände der Klemmstelle, je mehr am Steg (= Drahtkabel) des »Friends« gezogen wird. Nach diesem so genannten Kniehebelprinzip funktionieren alle getesteten Klemmgeräte, und deshalb zählen sie ungeachtet ihrer jeweiligen Modellnamen zur Familie der »Friends« (es gibt darüber hinaus andere Klemmgeräte wie z. B. die Ball Nuts von Camp oder die Big Bros von Trango, aber die sind nur was für Spezialisten). Da alle getesteten Geräte nach dem Kniehebelprinzip funktionieren, sind sie sehr ähnlich gebaut. So weisen alle Geräte vier Segmente, einen Zuggriff und einen flexiblen Kabelsteg auf.

Die Unterschiede liegen im Detail. So weist jedes Modell ein spezifisches Verhältnis zwischen Range (welche Rissbreiten deckt das Gerät ab?) und Haltekraft auf. Diese beiden Faktoren sind indirekt proportional; je größer der Anpressdruck unter Last, umso kleiner die Range. Zur Verbesserung des Verhältnisses zwischen Range und Haltekraft setzen manche Hersteller (z. B. Black Diamond) auf zweiachsige Konstruktionen. Auch ohne zwei Achsen ist der »Link-Cam« von Omega Pacific ein Einsatzbereich-Wunder. Seine überaus raffinierte Konstruktion (jedes der vier Segmente besteht aus drei ineinander greifenden Teil-Segmenten) bewirkt eine unglaubliche Range – es gibt nur zwei Größen, aber die decken den Bereich von vier bis fünf Größen der Konkurrenzmodelle ab. Der einzige Nachteil: »Link Cams« sind sehr teuer.

Keile oder Friends? Was ist besser?

Keiner von beiden! Sowohl Keile als auch Friends haben ihre Daseinsberechtigung: An manchen Stellen lassen sich Keile besser legen, an anderen Stellen gehen nur Friends. Wer in einer Route unterwegs ist, in der mobile Sicherungsmittel gefragt sind, sollte also Klemmkeile und Klemmgeräte dabei haben. Stellt sich nur die Frage nach der richtigen Mischung. Je nach dem, was man vorhat, können ganz unterschiedliche Kombinationen sinnvoll sein. Im Kasten »Keil- und Friend-Sets« haben wir empfehlenswerte Sets für verschiedene Ansprüche zusammengestellt.
 
Peter Albert
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren