Grasberge = Skiberge = Bike-Berge | BERGSTEIGER Magazin
Radeln, Wandern und Skifahren in den Kitzbüheler Alpen

Grasberge = Skiberge = Bike-Berge

Ist diese Gleichung richtig? Ob im semantischen Sinne, liegt das vermutlich an der Allgemeingültigkeit dieser Aussage. Für die Kitzbüheler Alpen, im Speziellen für die Region Kirchberg/ Brixen/Westendorf jedenfalls ist sie im wahrsten Sinn des Wortes »gold«-richtig! Von Andreas Kubin

 
Wer es gemütlich wünscht, auf den warten um Kirchberg Radwanderrouten vom Feinsten, Fotograf: Kurt Exenberger © Kurt Exenberger
Wer es gemütlich wünscht, auf den warten um Kirchberg Radwanderrouten vom Feinsten
An was denkt ein gestandener Bergsteiger, wenn er »Kitzbüheler Alpen« hört? Richtig – an Skitouren! Und das mit Recht, denn die weiten, freien Hänge der »Grasberge« zwischen der Wildschönau und Fieberbrunn sind ein Paradies für die Genießer unter den Skibergsteigern. Was hat das aber mit Mountainbike – wie in der Überschrift angekündigt – zu tun? Eine Menge, denn die meiste Zeit des Jahres über sind diese Grasberge grün. Und dann bieten sich zwischen den zahlreichen Almen, die meist mit Fahrsträßchen erschlossen sind, zahllose Möglichkeiten für die Freunde der breitstolligen Reifen – sowohl für die bergsteigenden Biker als für die bikenden Bergsteiger!

Ein wahres Dorado für Mountainbiker ist in den letzten Jahren rund um Pengelstein und Hahnenkamm zwischen Kitzbühel und Kirchberg entstanden. Ja, Sie haben richtig gelesen – genau dort, wo sich in jedem Winter die wagemutigsten Ski-Profis auf der legendären »Streif« ins Tal stürzen, gibt es im Sommer Trails vom Feinsten für Genießer und Extreme. Ein hervorragend ausgeschildertes Netz von Bike-Routen überzieht die Berge, und analog zu den winterlichen Skipisten sind auch die Bike-Routen entsprechend ihrer Schwierigkeiten farbig markiert: blau, rot und schwarz. Wobei der Einsteiger auf dem Bergradl sich zuerst einmal mit den blauen und roten Routen vertraut machen sollte, ehe er sich an die teils extrem steilen Uphills und atemberaubenden Downhill-Trails wagt – aber für den, der den technischen Schwierigkeiten gewachsen ist, bieten sich mit Ehrenbachtrail, Wiegalmtrail und Astbergtrail die absoluten Highlights in Sachen Downhill – wie uns Kurt Exenberger, Kirchberger Extrem-Biker und Inhaber der BikeAcademy, verraten hat.

Ja, der Exenberger Kurt – das ist die MTB-Instanz in Kirchberg und im weiteren Umkreis! Und dies nicht nur, weil er der Gründer und Betreiber der über die Grenzen von Tirol hinaus bekannten BikeAcademy ist. Sondern weil er einer der »geistigen Väter« des KitzAlpBike-Marathons ist, der heuer in seine 13. Auflage geht (28. Juni 2008, mit insgesamt fünf Bewerben an den Tagen zuvor und danach). Der KitzAlpBike war es übrigens, über den ich das geniale Bike-Revier Kirchberg kennenlernte – bei der zweiten Auflage des Marathons, damals noch eine recht kleine, aber umso feinere Veranstaltung, die sich im Laufe der Jahre zu einem der größten MTB-Events in Österreich gemausert hat. Damals war ich so begeistert von der Region, dass ich einige Tage später wieder nach Kirchberg fuhr – diesmal aber nicht mit Renn-, sondern mit Genießer-Ambitionen! Schließlich war ich ja vor allem Bergsteiger – und das Bergsteigerherz sollte auf seine Kosten kommen!

Dass ich da zuerst natürlich auf den gewaltigsten Gipfel im weiten Umkreis – den Großen Rettenstein – steigen musste, war klar! Nach der Befahrung des Aschauer Höhenweges (den kannte ich schon, denn der war damals Teil des Marathons) und dem unablässigen Genuss des großartigen Bergpanoramas ging es bei der Ragstattalm nicht (wie beim Marathon vor ein paar Tagen) zurück durch den Langen Grund, sondern bergauf, vorbei an der Rettensteinalm bis ins Stangenjoch. Dort blieb ich erst einmal atemlos sitzen – nicht nur wegen der grenzwertig zu  befahrenden Schlusstrails, sondern vor allem wegen des atemberaubenden Blicks über den Pinzgau hinweg zu den eisbedeckten Dreitausendern der Hohen Tauern. Hier Alpenrosenfelder, dort Firn und Urgestein – ein Gegensatz der Superlative! Und wie ich da saß und staunte, kam mir ein älterer Herr von gipfelwärts entgegen, grüßte und meinte im breiten Tiroler Dialekt bedauernd: »Ja, ihr Bergradler, ihr müsst halt unten bleiben – auf die Gipfel schafft ihr es nicht!«

Das  konnte ich nicht auf mir sitzen lassen! Schnell das Bike zwischen Alpenrosenbüschen verstecken und nichts wie los Richtung Gipfel – nach guten zwei Stunden saß ich dann zwischen den Felszacken oben am höchsten Punkt des mit Recht »groß« genannten Rettensteins. Er hatte nicht übertrieben vorhin, der Tiroler Bergler: Vom höchsten Punkt im weiten Umkreis ist das Panorama – obwohl das gleiche wie aus dem Stangenjoch –  noch weitaus eindrucksvoller. Und die Abfahrt durch den Langen Grund in der Abenddämmerung beschloss einen Bergtag der Superlative…

Bike and hike in den Kitzbüheler Alpen

In den »Kitzbühelern« könnte dieses Motto zur Weltanschauung werden! Die meisten Gipfel sind geradezu ideal dazu geeignet, das Fahren und das Gehen zu einer grandiosen Symbiose zu verbinden! Etwas Ideenreichtum bei der Tourenplanung und einiges an Kartenstudium sind zwar nötig. Denn Gott sei Dank existieren noch keine markierten und beschriebenen Bike-and-Hike-Routen  auf die Kitzbüheler Gipfel – hier gibt es ein weites Feld für Entdecker. Und schon hinter der nächsten Wegbiegung kann dich noch ein kleines, manchmal vielleicht sogar ein großes Abenteuer erwarten! Wenn ich das nächste Mal wieder in Kirchberg bin, dann muss ich unbedingt den Gampenkogel und das Brechhorn besteigen – letzteres hat mich im vergangenen Jahr beim KitzAlpBike-Marathon bei der schier endlosen Auffahrt zur Wieg­­alm (satte 900 Höhenmeter) so frech angegrinst, dass ich mich, oben angekommen, kurz fragte, warum ich eigentlich dieses Rennen fahre – und nicht gemütlich hinüberwandere auf diesen eindrucksvollen Berg! Doch ganz schnell hatte mich die Rennrealität wieder, denn es ging steil bergab – über einen Singletrail der Extraklasse, den »Wieg­almtrail«, der sämtliche Konzentration und alles Fahrkönnen von mir einforderte (und einmal sogar noch mehr, denn eine Geländestufe schickte mich zu Boden zum Dreckfressen…).

Bike & Hike ist das eine Ende des Spektrums – Trails und Free-Riding sind das andere! Berüchtigt ist der »Ehrenbachtrail« von der gleichnamigen Höhe hinunter nach Kitzbühel, der noch ganz oben auf meiner Wunschliste steht. Den ich mir aber bisher noch nicht »getraut« habe – ich glaube, ich muss mir mal einen Technik-Workshop beim Exenberger Kurt leisten und ihn dabei ausfragen, welche Trails rund um Kirchberg sonst noch so richtig »flowig« sind. Ach, es gäbe so vieles, was ich den »local« zu fragen hätte: nach dem Kleinen Rettenstein als Bike&Hike-Ziel, oder was in aller Welt man drüben im Wilden Kaiser mit einem Bike im Ellmauer Tor macht, und, und, und.   

PS. Hallo Bergsteiger, nicht vergessen: Der nächste Winter kommt bestimmt! Und dann geht’s wieder mit Tourenski auf die »Grasberge«…

Kurt Exenberger im BERGSTEIGER-Interview
 
Mountainbike rund um den Kirchberg
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