Das perfekte Bergwochenende

St.Moritz im Engadin

Der Tourismus in und um das mondäne St. Moritz im Engadin begann mit einer Wette. Mittlerweile hat sich das Hochtal im schweizerischen Kanton Graubünden zu einer der beliebtesten Ski-Regionen in der Schweiz entwickelt.
 
Das perfekte Bergwochenende – Engadin St.Moritz © swiss-image.ch/Andreas Badrutt/Daniel Martinek
Das perfekte Bergwochenende – Engadin St.Moritz
Sie hatten gedacht, der Urlaub würde günstig hergehen. Doch dann mussten sich die Briten eines Besseren belehren lassen. Im Herbst 1864, gegen Ende ihrer Sommerfrische in St. Moritz, hatte sie der Hotelier Johannes Badrutt um eine scheinbar waghalsige Wette gebeten: Er schwärmte von den sonnigen Wintertagen im Engadin und bot ihnen einen kostenlosen Aufenthalt, sollte er nicht Recht haben. Die Briten kamen skeptisch, staunten, bräunten – und zahlten. Und der Gründer des Kulm-Hotel hatte den Wintertourismus in den Alpen erfunden. 150 Jahre später ist das Engadin, ein fast 60 Kilometer langes Hochtal auf 1800 Metern Höhe, bekannt für mondänes Schaulaufen in St. Moritz, unendliche Loipenkilometer über Seen und Wiesen, sympathisches Engadiner Dorfleben in Pontresina (1805 m) und bombastische Bergziele für Ski- und Schneeschuhtouren. Mit dem Morteratsch nennt es den mächtigsten Gletscher der Ostalpen sein Eigen und mit dem Piz Bernina (4049 m) deren einzigen Viertausender.

Max Frisch in St. Moritz im Engadin

»Ein köstlicher Tag, alles voll Sonne, klar und gewiss, und wir stehen kaum hundert Meter unter dem weissen Gipfelkreuz.« So beginnt ein Tagebucheintrag von Max Frisch aus dem Jahr 1947. Der Schweizer Autor war als Hobby-Alpinist gerne im Engadin unterwegs. Selbst die Erinnerung an ein Lawinenunglück wird bei ihm zu Literatur. »Plötzlich ein Krach in der blauen Luft (...), fast wie ein Sprung in einer Vase; (...) Alles geht sehr rasch, und zugleich ist es so, als wären Jahrzehnte vergangen seit den Ferien, die wir eben begonnen haben und die keine Erinnerung mehr erreicht.« Jahrzehnte später begab sich seine Enkelin Katja auf seine Spuren: »Da stehe ich nun, am Fuss des 3418 Meter hohen Piz Kesch und probiere deine Geschichte an wie meine neue Wanderhose. Wird sie mir gut passen oder wird sie mir unbequem sein?«

Spezialität: Engadiner Nusstorte

Die Nusstorte wurde von Zuckerbäckern aus dem Süden nach Graubünden gebracht und wird zum »Zvieri« gegessen, einer Zwischenmahlzeit am Nachmittag. Das Rezept: 300 g Mehl, 150 g Zucker, 150 g Butter,1 Ei,1 Prise Salz zu einem Teig verarbeiten. 250 g für den Deckel aufbewahren. Mit dem übrigen Teig die Kuchenform belegen, 3 cm hoher Rand. Für die Füllung 300 g Zucker bräunen, 250 g Nusskerne darunter mengen, 2 dl Rahm beifügen und zweimal aufkochen lassen. Masse in die Form geben und Deckel darauf legen. Form in kalten Ofen schieben und 10 Min. auf heiß, nachher auf mittel stellen. Torte hellgelb backen. (www.graubuenden.ch)

Gute Adresse: Grandhotel Kronenhof

Der Oberkellner im Frack klappert leise mit dem Silbergeschirr, der Pianist klimpert dazu zart auf dem Klavier. Der Blick schweift. Hinab nach St. Moritz, wo neureiches Treiben herrscht. Hinüber zu den weißen Gipfeln mit den klangvollen Namen. Hier ist wenig neu, fast alles hat Tradition: original Stuckornamente, Deckenmalereien, Arventäfelungen. 1848 hatte Andreas Gredig das Gasthaus in Pontresina gekauft. Knapp 50 Jahre später zählte das Grandhotel Kronenhof 300 Betten. Über die Kriege rettete es sich dank einer im Keller eingerichteten Weinhandlung für Veltliner. Heute ist es ein Ort für besondere Momente. Saison-Angebote für Wanderer machen den Luxus im altehrwürdigen Haus erschwinglich. (www.kronenhof.com)

Inspirationsquelle: Nietzschehaus

1881 kam Friedrich Nietzsche das erste Mal nach Sils. Er kehrte immer wieder zurück an diesen Ort, der ihm Ruhe und Konzentration ermöglichte. Die Landschaft empfand der Philosoph als »blutsverwandt«. Hier arbeitete er in sieben Sommern zahlreiche seiner Werke aus, darunter den zweiten Teil von »Also sprach Zarathustra«. Dessen tragender Gedanke von der Ewigen Wiederkunft des Gleichen kam ihm am Ufer des Silvaplana-Sees. Heute ist das Haus, in dem er zu Gast war, für die Öffentlichkeit zugänglich. Es beinhaltet eine umfangreiche Ausstellung und Bibliothek und beherbergt Künstler und Forscher. (www.nietzschehaus.ch)
 
 
Text: Sandra Zistl
Artikel aus Bergsteiger Ausgabe 01/2015. Jetzt abonnieren!
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