Der größte Nationalpark Österreichs

Nationalpark Hohe Tauern

Einmal dem Großvenediger aufs weiße Dach steigen, den Großglockner zu Fuß umwandern oder der Herausforderung »Großglocknerstraße« mit Muskelkraft und einem großen Herz begegnen. Auf einer Alm einen Tag verträumen, Käse und Bauernspeck probieren, das Bimmeln der Kuhglocken im Ohr und das Tourenziel des nächsten Tages im Blick. All das kann man im größten Nationalpark Österreichs.
Von Eugen E. Hüsler

 
Das Krimmler Achental grenzt den Nationalpark Hohe Tauern nach Westen gegen die Zillertaler Alpen ab © Mark Zahel
Das Krimmler Achental grenzt den Nationalpark Hohe Tauern nach Westen gegen die Zillertaler Alpen ab
Das wird ein Frühsommertag, wie er im Buche steht, sonnig und angenehm warm. Der Morgendunst verzieht sich aus den Tälern, von den Gletschern und Firngraten herab kommt ein sanft-kühler Windhauch. Es ist Sonntag und ein ganz besonderer dazu. Man hört und riecht es: keine stinkenden Abgasschwaden, sondern frische Bergluft über der Straße, und kein Motorengeheul wie sonst. Dabei sind viele Zweiräder unterwegs, über zweitausend: Biker, die meisten bunt wie exotische Vögel, viele auf schicken Rennrädern, und alle mit dem gleichen Ziel: dem Fuscher Törl, 2445 Meter über Meer und 1694 Meter über dem Startpunkt drunten in Fusch. Ein endlos langer Tatzelwurm, der sich immer weiter auseinander zieht, rollt durchs Fuscher Tal, dem Ziel des »Glocknerkönigs« entgegen. 27 Kilometer lang ist die Strecke, auf der zweiten Hälfte fast durchgehend zehn Prozent steil – das nagt schwer an der Kondition. Manch einem geht vorzeitig die Luft aus, er ist platt wie ein kaputter Reifen. Da bleibt kein Blick mehr für die prächtige Bergkulisse, die sich mit zunehmender Höhe immer großartiger entfaltet, selbst das Wiesbachhorn (3564 m), höchster Berg zwischen dem Kapruner und dem Fuscher Törl und einer der Hauptgipfel in den Hohen Tauern, findet ungebührlich wenig Beachtung.

Großglockner - das Dach Österreichs

Und den echten »König« dieser Alpenregion, den Großglockner (3798 m), bekommen die Radler ohnehin erst ganz zum Schluss zu Gesicht, und da haben die meisten dann bereits den Tunnelblick, sehen nur noch das Stück Asphalt vor sich. Dabei ist der berühmteste Gipfel der Ostalpen längst ein Medienstar; fast jede/r will hinauf. An schönen Sommertagen kann das Vergnügen allerdings ein leicht getrübtes sein: Seil- und Menschenknäuel an der Scharte zwischen Klein- und Großglockner, drangvolle Enge nicht nur am Gipfel, sondern auch auf den Hütten…

Eisige Geschichte, stiebende Wasser

Unser Weg führt ebenfalls bergauf, von der Rudolfshütte (2315 m), die heute ein Berghotel ist, zum Kalser Tauern (2518 m). Wir sind auf einem großartigen Treck unterwegs, auf der Glocknerrunde, und die beschert trittsicheren und ausdauernden Fußgängern mehr als nur ein paar Blicke auf »seine Majestät«, den Großglockner. Geprägt wird das hochalpine Landschaftsbild vom Gletschereis; es bedeckt manchen Dreitausender, hat Karmulden ausgehobelt und dabei gelegentlich ein Seeauge zurückgelassen, Täler verbreitert. Das Eis speist die Tauernbäche – und es wandert. Ein paar Zentimeter pro Tag, immerhin, und so lässt sich abschätzen, wie lange es dauert, bis eine Schneeflocke, die in der Venedigerregion vom Himmel fällt, als Tröpfchen über die Krimmler Wasserfälle hinabstürzt. Die gelten mit einer Fallhöhe von 390 Metern als die größten Europas und bieten ein grandioses Naturschauspiel, vor allem während der Schneeschmelze im Hochgebirge. Da donnern und tosen die Wassermassen zwischen den Felsen zu Tal, in den Dunstschleiern bricht sich das Sonnenlicht zum bunten Bogen, und rundum grünt es üppig. Die dadurch stark ionisierte Luft hat nachgewiesenermaßen eine positive Wirkung bei asthmatischen Beschwerden. Einen ersten Weg zu dem Naturdenkmal im obersten Pinzgau ließ Ignaz von Kürsinger bereits 1825 anlegen.

Der höchste Gipfel Salzburgs

Ein paar Jahre später veröffentlichte der k. u. k. Richter aus Mittersill im »Amts- und Intelligenz-Blatt der kaiserl. Königl. privilegierten Salzburger Zeitung« einen Aufruf: »Eine große Gesellschaft von Naturfreunden und Bergsteigern wird, nach Maßgabe der Witterung, die Besteigung des nahen Bergriesen, nämlich des Großvenedigers, versuchen. Dessen 11622 Wiener Fuß hohe und von ewigen Gletschern weithin umgebene Nebenbuhler seines riesigen Nachbarn, des Großglockners, glänzt noch jungfräulich in seinem eisigen Schneegewande: ob von dieser Spitze die alte Venetia oder das adriatische Meer gesehen werden kann, ist eine Frage, deren Lösung die Ersteigung doppelt lohnend würde. Für Führer, Träger und Stricke gegen Abstürzen in Eisklüfte ist gesorgt.« Dem Unternehmen war ein voller Erfolg beschieden. Anfang September 1841 brachen 40 Mann auf, von denen immerhin 26 den Gipfel des Großvenedigers (3666 m) erreichten.

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Hohe Tauern - der größte Nationalpark in Österreich
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