Die Jungfrau lebe hoch

200 Jahre ist es her, dass der Jungfrau-Gipfel erstmals bestiegen wurde. Unsere Autorin lässt die Entwicklung von der Geburtsstunde des Bergsteigens zum Tourismusmagnet Revue passieren. Von Iris Kürschner (Text und Fotos)

 
Kurz vor drei Uhr ziehen sie los, lassen die Silberhornhütte in der sternenklaren Nacht zurück. Es ist windstill und warm. Viel zu warm. Nasser Schnee macht vor allem die Begehung des ersten Abschnitts heikel. Aber es sind Spitzenalpinisten, die so schnell nichts aus der Ruhe bringen kann.

Punkt neun Uhr erreichen sie den Gipfel über eine der anspruchsvollsten Gratklettereien auf die Jungfrau. Die Rotbrätt-Route über den Nordwestgrat, im Führer mit acht bis zwölf Stunden Gehzeit angegeben, stellt für Stephan Siegrist, David Fasel und Thomas Ulrich in sechs Stunden kein Problem dar, während letzterer nebenbei noch fotografiert und filmt. Zur gleichen Zeit steigen zwei Seilschaften von der Rottalhütte via Rottalgrat auf und ganze Horden von der Mönchsjochhütte über den Normalweg, derweil ein Hubschrauber mit Fotografen und Filmteam über der Massenbesteigung kreist. Rummel herrscht um die Jungfrau am 3. August 2011.

Ein ganzes Sammelsurium an Jubiläen wird gefeiert: die Erstbesteigung der Jungfrau vor 200 Jahren, 125 Jahre Bergführerverein Lauterbrunnen, 100 Jahre SAC Lauterbrunnen; und Bergführer Franz Berger stößt auf seine hundertste Jungfraugipfel-Besteigung an. Zudem will der Bergsportausrüster Mammut zu seinem 150. Geburtstag mit dem »Biggest Peak Project in History« ein Denkmal setzen: Bis August 2012 werden ausgesuchte Mammut-Teams 150 Gipfel besteigen, die Jungfrau macht den Auftakt. Einen besseren Medieneffekt kann sich eine Firma kaum wünschen.
Fotos: Iris Kürschner
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