Alpinklettern im Wilden Kaiser

Mauk-Westwand rotpunkt

Wie kommt es, dass eine klassische Alpenwand fast 65 Jahre warten muss, bis sie auf der Originalroute der Erstbegeher wiederholt wird? Da muss einiges an Außergewöhnlichem zusammenkommen – wie es bei der Westwand der Maukspitze im Wilden Kaiser der Fall war. Von Guido Unterwurzacher

 
Mauk-Westwand rotpunkt © Guido Unterwurzacher
Das große Fragezeichen in der Maukspitze-Westwand ist ein Quergang von zwei Seillängen.
Ich sitze in der Sonne und warte. Warte darauf, dass etwas passiert. Ich habe nämlich Pistenrettungsdienst am Harschbichl bei St. Johann, und es ist einer jener Tage, an dem (Gott sei Dank!) mal wieder nichts passiert. Bis mein Handy läutet. Es ist Christian »Hechei« Hechenberger, ein guter Freund und ein Kletterer, der Abenteuer sucht – so wie ich. »Wann hast frei?«, lautet seine erste Frage. »Übermorgen!«, ist meine Antwort. »Geil, dann gemma an Koasa!« (auf Deutsch: Toll, dann gehen wir in den Wilden Kaiser zum Klettern!). »Basst, abgmocht; owa wos gemma?« (Ausgemacht, aber hast du dir schon darüber Gedanken gemacht, welche Route wir gehen?). »Hechei« meinte nur, dass uns da schon etwas einfallen würde – vielleicht der Südpfeiler an der Maukspitze oder etwas in der sonnigen Südwand der Hochgrubachspitze. Nach diesem kurzen Telefongespräch spüre ich wieder Lebensgeister in mir, die Vorfreude auf einen genialen Klettertag im Kaiser lässt meine Mundwinkel wieder Richtung Ohren wandern.
Am nächsten Tag sitze ich wieder in der Sonne am Harschbichl, habe wieder Pistenrettungsdienst. Wieder klingelt das Handy. »Iaz hun i mim Brond gred; Mauk-Südpfeiler söd a Schoaß sei, owa da originale Buhlquergang a da Mauk hod jo no koa Wiederholung; wos moanst?« (Laut Rücksprache mit Peter Brandstätter soll die Felskletterei am Mauk-Südpfeiler einen Klettertag nicht unbedingt versüßen, aber der originale Buhlquergang an der Mauk-Westwand wartet immer noch auf seine erste Wiederholung! Was meinst du?)
Fotos: Guido Unterwurzacher
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