Grenzgang am Hahnenkamm - auf dem KAT Walk durch die Kitzbüheler Alpen | BERGSTEIGER Magazin
Georg Pawlata über den Kitzbüheler Alpen Trail

Grenzgang am Hahnenkamm - auf dem KAT Walk durch die Kitzbüheler Alpen

Weitwanderer haben ein neues Ziel: den Kitzbüheler Alpen Trail, kurz KAT Walk. Auf 104 Kilometern führt er über 6400 Höhenmeter durch die Alm- und Bergwelt. Geplant hat die sechs Etappen der Geologe und Fernwegespezialist Georg Pawlata.
 
Allein der Blick vom Kitzbüheler Horn entschädigt für die rund 80 Kilometer zuvor. © Kitzbüheler Alpen GmbH, Andrey Kuzmin/Fotolia, privat
Georg Pawlata im BERGSTEIGER-Interview
BERGSTEIGER: Herr Pawlata, wie oft sind Sie als Planer des Katwalk die mehr als hundert Kilometer lange Route abgewandert?
Pawlata: Grob geschätzt drei Mal. Die Planung eines solchen Etappenweges ist auch eher mit viel Arbeit am Schreibtisch verbunden, mit dem Studieren von Karten, Wanderführern und Büchern über die Hintergründe zu Themen wie den Auswirkungen der eiszeitlichen Vergletscherung oder der Almwirtschaft. Die Bauernhäuser um Kitzbühel beispielsweise sind mit Sicherheit die schönsten in ganz Tirol. Ich kannte die Gegend auch schon ganz gut, musste bei der Planung allerdings schauen, ob die Kilometer und Höhenmeter im Rahmen bleiben.

BERGSTEIGER: Was heißt das: im Rahmen bleiben?
Pawlata: Durchschnittlich sind pro Etappe etwa 1100 Höhenmeter und mehr als 17 Kilometer zu gehen. Das ist schon mittel bis schwierig und dem Untrainierten eher nicht zu empfehlen. Es ist eine Frage der Ausdauer, nicht der Technik. Immerhin lassen sich die zwei Etappen vor und nach Kitzbühel ganz gut mit der Bergbahn abkürzen.

BERGSTEIGER: Wo liegt der Reiz eines solchen Weges durch ein auf den ersten Blick doch recht homogenes Gebiet?
Pawlata: Als homogen würde ich es nicht bezeichnen. Wir sind hier direkt am Grenzgebiet zwischen den Kalkalpen und den Zentralalpen. Das zeigt sich vor allem zwischen den ersten vier Etappen und den letzten beiden. Allerdings ist die Grenze eine geologische und daher nicht so kontinuierlich wie eine politische. Zwischen dem Gneis und Granit kommt immer wieder Kalk durch. Der Grenzcharakter zeigt sich auch in den wirklich tollen Ausblicken: Die Hohen Tauern auf der einen Seite, und auf der anderen sieht man bei guter Sicht bis zur Zugspitze.

BERGSTEIGER: Das gibt es in anderen Regionen der Alpen natürlich auch.
Pawlata: Der besondere Reiz dieses Weges ist, dass man durch die vielen zu durchquerenden Talschaften eigentlich immer in Qualitätsunterkünften schlafen kann. Vielleicht kommt das mit dem Alter: Aber ich habe früher sehr viel in Hütten übernachtet und muss sagen, dass ich es inzwischen doch etwas komfortabler haben möchte.

BERGSTEIGER: Der Weg führt auch über den Hahnenkamm, den Inbegriff des Skitourismus. Was hat der Wanderer im Sommer davon?
Pawlata: Ausblick ohne Ende auf einer fast zehn Kilometer langen Strecke, die immer zwischen etwa 1800 und 2000 Metern verläuft. Und es ist keineswegs so, dass man da durch zerstörtes Gebiet läuft. An der Weltcup-Abfahrt Streif wurde zudem ein extra Sommerweg angelegt. Den berühmten Streckenabschnitt Mausefalle finde ich zum Beispiel ohne Schnee eindrucksvoller als im Winter.

BERGSTEIGER: Die wenigsten Bergwanderer nehmen sich heute eine ganze Woche am Stück Zeit für ihr Hobby. Welche Etappe würden Sie gehen, wenn Sie nur einen einzigen Tag zur Verfügung hätten?
Pawlata: Um das Ganze logistisch einfach zu machen, würde ich von Kitzbühel über das Kitzbüheler Horn nach St. Johann empfehlen. Es lässt sich sowohl der Weg aufwärts als auch abwärts mit den Bergbahnen abkürzen, End- und Ausgangspunkt haben Bahnanschluss. Der Abschnitt vom Horn, einem tollen Aussichtsberg, bis zum Harschbichl ist wirklich sehr schön – und sehr einfach machbar. Für mich persönlich wäre die sechste Etappe, die über ein Hochplateau mit einer ganz eigenen Landschaftscharakteristik führt, die reizvollste. Allerdings ist die mit 1100 Höhenmetern und 18,5 Kilometern für den Gelegenheitswanderer auch nicht ganz ohne. Eines kann man dort allerdings nicht mehr verkosten, was auf der ersten Etappe als Spezialität angepriesen wird: die vielversprechend klingende »Prügeltorte«.

BERGSTEIGER: Was hat es damit auf sich?
Pawlata: Es ist eine typische Unterländer Spezialität. Mehrlagig, sehr kompakt und mindestens eine Woche haltbar. Früher war das perfekt für die Alm geeignet. Heute schmeckt es am besten mit Vanilleeis.

Interview: Dominik Prantl

Der Kitzbüheler Alpentrek im Überblick

Länge: 6 Etappen
An- und Abreise: Die Etappenorte Fieberbrunn, St. Johann, Kitzbühel und Hopfgarten sind per Bahn erreichbar, von München in weniger als drei Stunden. Von Aschau fährt ein Bus zum Bahnhof Kirchberg, Kelchsau ist per Bus ebenfalls an die öffentlichen Verkehrsmittel angeschlossen. Von Steinberghaus ist die beste Alternative ein Taxiservice: M&M TAXI, Tel. 00 43/53 34/2 00 10, Taxi Brixental, Tel.00 43/53 34/64 65.
Information: Kitzbüheler Alpen Tel. 00 43/5 75 07, info@kitzalps.com, www.kitzbueheler-alpen.com oder www.kat-walk.at, info@kat-walk.at
Karte: Kompass 1:50 000, Blatt Nr. 29 »Kitzbüheler Alpen« (Etappen 1 bis 5), Blatt Nr. 28 »Vorderes Zillertal« (Etappe 1), Blatt Nr 14 »Berchtesgadener Land« (Etappe 6). Eine Übersicht über die Region und die Aktivitäten bietet auch die interaktive Karte maps.kitzalps.com
Text: Dominik Prantl, Fotos: Kitzbüheler Alpen GmbH, Andrey Kuzmin/Fotolia, privat
Artikel aus Bergsteiger Ausgabe 06/2014. Jetzt abonnieren!
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