Über allen Gipfeln ist Ruh' – Aber nicht auf dem Schafreiter | BERGSTEIGER Magazin
Zerstörtes Gipfelkreuz

Über allen Gipfeln ist Ruh' – Aber nicht auf dem Schafreiter

Das umgeschlagene Gipfelkreuz am Schafreiter hat sich nicht zu einer Touristenattraktion entwickelt. Am letzten Wochenende waren es nicht mehr Gipfelaspiranten als bisher. Ruhe finden die Besucher im Angesicht des liegenden Kreuzes aber auch nicht. Eine Spurensuche von Sandra Freudenberg
 
Corpus Delicti: das umgeschlagene Gipfelkreuz auf dem Schafreiter © Sandra Freudenberg
Corpus Delicti: das umgeschlagene Gipfelkreuz auf dem Schafreiter
Auf dem höchsten Punkt des Schafreiters überlegen zwei attraktive Münchnerinnen, ob sie sich wohl auf das Kreuz zum Brotzeitmachen setzen sollen. Es kommt ihnen blasphemisch vor. Am Ende siegt aber der Wunsch bequem zu sitzen. Zwei Burschen aus Tirol sind der Meinung, dass ein Gipfelkreuz da sein müsse, damit man wisse wo der Gipfel sei. Und auf dem Gipfel, da gäbe es doch ein Gipfelbussi, so der Brauch. Die Münchnerinnen ignorieren den Vorschlag und halten sich an ihr Brotzeit. Denn Gipfelbrotzeit ist eben auch Brauch. 

Pater Volker, der am 30.9.1951 das Gipfelkreuz mit den Worten „Viele Wege führen zu Gott, einer geht über die Berge“ geweiht hat, hätte es sicher so gesehen wie ein Herr vom Niederrhein „Auf einem Gipfel fühle ich mich Gott nah. Es ist eine große Kränkung zu sehen, was hier geschehen ist“.

Ein Opfer des Klerus?

Bernhard Oberhofer aus Hall ist der Meinung, dass es „niederträchtig sei so ein Kreuz umzuhauen“. „Feige und böse noch dazu. Es muss sich um einen schlechten Charakter gehandelt haben“. Außerdem findet er es absurd wie viel Energie der Täter aufgebracht hat, für seine Tat. Schließlich müsse er ja ein Beil und eine Säge hinauf geschafft haben. Ottmar Gasser, ebenfalls aus Hall, meint zum Vorfall: „Der Täter könnte ein Opfer des Klerus gewesen sein. Vielleicht ist er von der Kirche enttäuscht oder sogar missbraucht worden.“

Auf der Tölzer Hütte einigen sich die Bergler auf zwei grundsätzliche Annahmen: Es muss sich um einen Täter und nicht um eine Täterin gehandelt haben, denn Frauen tun so etwas nicht. Und man müsse auch davon ausgehen, dass es sich um einen „Preiß“ gehandelt haben muss. Wobei dieser Begriff Russen und Schwaben miteinschließe.

Oder doch ein Biber?

Christine Schreiber aus München sagt: „Unsere Zeiten sind so radikal, wir brauchen mehr Toleranz. Wir respektieren Gebetsfahnen und wir sollten auch Respekt für unsere christlichen Symbole erfahren.“ Ein Gipfelkreuz sollte man übrigens auch nicht besteigen, es wird von Gläubigen nicht gerne gesehen, auch wenn es in „Selfi-Zeiten“ sehr häufig missachtet wird.

„Die Verbindung aus Erde-Gott-Himmel wird durch das Gipfelkreuz symbolisiert. Schlimm, mit wie viel Zerstörungswut hier jemand am Werk war“, so Friederike Schwarz aus München. Ganz aus der hintersten Ecke kommt dann noch ein Beitrag „Vielleicht war’s ein Biber“. Die gute Stimmung unter Berglern ist nicht zu erschüttern.

+++ Update (20.09.2016): "Identitäre Bewegung" stellt neues Gipfelkreuz auf +++

Wer das Gipfelkreuz umgeschlagen hat, ist bislang immer noch nicht geklärt. Auch wer im Anschluss ein neues, deutlich kleineres Kreuz auf dem Schafreiter aufgestellt hatte, war lange Zeit nicht klar. Nun hat sich die rechtsextreme "Identitäre Bewegung Bayern" unter anderem auf Facebook zu dieser Aktion bekannt. Dieses Kreuz wird aber nicht lange auf dem Gipfel bleiben. Die DAV-Sektion Tölz hat bereits angekündigt, ein neues Kreuz fertigen zu lassen und dieses spätestens bis zu einer Bergmesse am 9. Oktober aufstellen zu wollen.

Sandra Freudenberg
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