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Ein Amateurbergsteiger auf Everest-Expedition

Der Belgier Damien Francios träumt vom Everst – und zwar schon ziemlich lange. Im Frühjahr 2018 unternimmt er seinen vierten Versuch, er will endlich das Dach der Welt erklimmen. Den Verlauf der Expedition schildert er im Bergsteiger-Blog. 
 
So oft war er schon so nah: das Everest Massiv vom Lobuche aus. © Damien Francois
So oft war er schon so nah: das Everest Massiv vom Lobuche aus.

20. März 2018, Patan-Lalitpur (Nepal)

 
Die Reise ans Ende der Welt, zum Dritten Pol, hat begonnen. Ich bin am Sonntag in Nepal-Kathmandu (KTM) angekommen und verbringe nun ein paar Tage bei Freunden, in der Stadt Lalitpur-Patan Stadt südlich von Kathmandu, wo ich einen Teil meiner Expeditionsausrüstung lagere.

Ich werde wohl geschätzte 80 Kilo an persönlicher Ausrüstung zum Berg mitnehmen: zwei große Expeditionstaschen mit je 150 Litern für meine Kleidung, meine Kletterausrüstung, Schlafsäcke, Bücher, Medizin, Trinksysteme und vieles mehr sowie eine Expeditionstonne (100 L) mit Nahrung (Energie- und Müsliriegel, Schokolade, Gummibärchen, Halsbonbons etc. ) und Getränken, die nicht vom Expeditionsveranstalter angeboten werden wie Cola, Protein- und Kohlenhydratdrinks.


 
Materialschlacht in der Wohnung von Damiens Freund Satendra Bir Singh Tuladhar 

Eine Everest-Expedition ist eine langwierige Sache; letztes Jahr flog ich am 31. März nach Lukla und war erst am 1. Juni zurück in der Hauptstadt Nepals. Es ist wirklich kein Luxus, diese Dinge mit zum Everest Base Camp (EBC) zu nehmen, denn sie helfen, sich in der harten Umgebung, ein wenig besser zu fühlen. Wie guter Schlaf sind sie wichtig, damit der Körper sich besser an die Höhe anpasst. Das Essen war letztes Jahr wirklich gut und freue mich deshalb, dass der Koch derselbe ist.
 
Ende der Pechsträhne?

Es ist mein vierter Versuch am Everest. Ich habe bisher wirklich jede Menge Pech gehabt. 2014 wurden alle Expeditionen annulliert, nachdem am 18. April ein Serac von der Westschulter in den Eisfall stürzte und 16 Sherpas in den Tod riss. Wir hatten keinen Fuß an den Berg gesetzt! 2015 waren wir immerhin einmal durch den Eisfall rauf und runter gegangen, als in Folge des verheerenden Erdbebens vom 25. April wieder alle Expeditionen abgesagt wurden. 2017 musste ich am Morgen des 23. Mai am Lager 3 (an der Lhotse-Flanke, auf 7200 m) umkehren. Obwohl die Wetterprognose gut gewesen war, kam in der Nacht ein Sturm auf, der es nicht mehr zuließ an dem Tag ins vierte und letzte Lager am Südsattel, auf knapp 8000 Meter aufzusteigen. Schade, denn ich hatte mit 0,5 L./Min. Sauerstoff recht »gut« geschlafen und fühlte mich bereit, höher zu steigen, zum legendären »South Col«.
 
Ich kenne den größten Teil des Weges also schon, was für eine gewisse Ruhe in mir sorgt. Ich weiß, dass die drei härtesten Tag für mich noch eine Unbekannte sind: von Lager 3 bis Lager 4, dann zum Gipfel, und wieder runter, bis Lager 4 oder 3. Aber es dürften auch mit Sicherheit die »Schönsten« sein; das Erreichen des Dachs der Welt, eben... Wir werden also sehen, vermutlich Mitte Mai, ob ich die »Stirn der Mutter Göttin der Erde, Jomolangmas« küssen werde, wie mein guter Freund Dr. Lhakpa Norbu Sherpa in seinem Vorwort zu meinem Buch »Die Heiligen Berge Nepals« schreibt.
 
Es heißt, es wären dieses Jahr weniger Bergsteiger-Kunden als letztes Jahr am Everest. 2017 waren es knapp 400. Aber endgültig lässt es sich erst dann feststellen, wenn die Expeditionen tatsächlich begonnen haben.

Ich bin etwas früher in Nepal angekommen als die anderen Bergsteiger, weil ich immer gern zunächst ein paar Tage bei meiner »Nepali parewar« (Familie) verbringe. Dann geht es am 24. März nach Kathmandu, wo ich viel Tee mit vielen anderen Freunden trinken werde. Am 28. März fliegen wir nach Lukla, wo der 8tägige Trek zum EBC beginnt.


Mit Freunden Satendra und dem Autor und ersten Doktor der Sherpa-Gemeinschaft Dr. Lhakpa Norbu Sherpa
 

EverQuest Expeditions

Wieder bin ich mit dem Veranstalter EverQuest Expeditions unterwegs. Die Firma gehört Jamling Bhote, einem Tibeter, der in der Makalu-Gegend (Arun-Tal, Nepal) aufgewachsen ist.

Jamling ist einer der ganz wenigen Alpinisten, die den K2 zweimal bestiegen haben. Den Everest hat er achtmal bestiegen, und auch viele andere Berge, wie den Cho Oyu, den Manaslu, die Ama Dablam.
 



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Damien Francois
Fotos: 
Damien Francois
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