Die Bifertenhütte in der Surselva (Schweiz)

Hexenhäuschen über dem Vorderrheintal

Die Hüttenwartin nennt ihr sommerliches Zuhause »Zuckerhüsli«. Tatsächlich finden die Besucher auf einer Hangterrasse hoch über dem Bündner Vorderrheintal ein Häuschen, das in seiner Urtümlichkeit an die Welt der Märchen erinnert. Ob das so bleibt, wenn die Bifertenhütte 2016 umgebaut wird?
 
Zwar nicht aus Lebkuchen, trotzdem süß: die Bifertenhütte unterm Kistenstöckli © Mark Zahel
Zwar nicht aus Lebkuchen, trotzdem süß: die Bifertenhütte unterm Kistenstöckli
Man muss schon ein wenig danach suchen, aber mancherorts gibt es sie noch: ganz einfache Hütten, die einer Philosophie huldigen, wie sie dereinst gang und gäbe war im Gebirge. Die Bifertenhütte in der Surselva empfängt ihre Gäste in diesem Stil. Spartanisch lautet sicher ein zutreffendes Attribut, aber auch gemütlich oder »urchig«, wie der Schweizer zu sagen pflegt. Massenkompatibel ist die Bifertenhütte bestimmt nicht. Aber gerade dadurch wird sie für eine bestimmte Spezies von Bergbegeisterten zu etwas Besonderem, Liebenswertem, einem Kleinod für Stunden der Urtümlichkeit.

Bifertenhütte - Kleinod seit 1928

Dabei ist die Hütte nicht einmal besonders abgelegen und auch nicht schwierig zu erreichen. Vom Talort Brigels kann man sich den Aufstieg mit der Zufahrt bis zur Alp Quader oder wahlweise auch mit der Sesselbahn relativ bequem gestalten. Ein guter Bergwanderweg führt anschließend bis auf die Geländeterrasse am Fuß des Kistenstöckli, wo der Akademische Alpenclub Basel (AACB) anno 1928 eine bescheidene Selbstversorgerunterkunft errichtet hat. In baulicher Hinsicht wurde die Bifertenhütte bis auf einige Anpassungen bei der Inneneinrichtung und einer neuen Sanitäranlage außerhalb seitdem kaum verändert. Mittlerweile ist sie aber in der Sommersaison durchgehend bewartet.

Vor fünf Jahren hat Monika Bont diese Aufgabe übernommen. Mit großem Enthusiasmus haucht sie der kleinen Unterkunft Leben und Atmosphäre ein. Da fließe viel »Herzblut« hinein, sagt sie selbst, sonst könne man dies gar nicht machen. Wohl nicht zuletzt aufgrund Monikas Engagement erfährt ihr »Zuckerhüsli«, wie sie die Hütte nennt, nun verstärkt Zulauf. Die Übernachtungszahlen steigen ebenso wie jene der Tageswanderer, zumal es sich auch für Familien um ein attraktives Ziel handelt. Auf dem weitläufigen Plateau können Kinder gefahrlos ihre Entdeckungslust ausleben und man darf zu bestimmten Zeiten auf Begegnungen mit Steinböcken hoffen. Der Blick auf die wilden Brigelser Hörner und den Bifertenstock sowie hinaus ins Vorderrheintal setzt dem ganzen Ambiente zudem einen würdigen, hochalpinen Rahmen. Für Aspiranten auf den mächtigen Bifertenstock ist die Hütte seit jeher obligatorisches Basislager. Sie nehmen den anspruchsvollen Bänderweg auf den zweithöchsten Berg der Glarner Alpen.

Weg in die Zukunft

Freilich sind die sehr eingeschränkten räumlichen Verhältnisse ein Umstand, unter dem ein adäquater Hüttenbetrieb zunehmend schwerer zu gewährleisten ist. »Küche, Aufenthaltsraum und persönlicher Bereich der Hüttenwartin sind einfach zu beengt«, erklärt Monika, sodass man irgendwann an einem Punkt stehe, wo etwas geschehen muss. Auch den Brandschutzverordnungen ist letztlich Rechnung zu tragen. Daher plant der Akademische Alpenclub Basel inzwischen, die Bifertenhütte auszubauen. Dies ist weniger eine Frage des »Ob« als vielmehr des »Wie« und nicht zuletzt auch der Mittel. Denn der kleine Verein, der ansonsten nur noch die ähnlich geartete Gruebenhütte in den östlichen Berner Alpen besitzt, hat naturgemäß nicht so einen starken finanziellen Background wie etwa der SAC. Doch nicht allein deshalb, sondern auch angesichts der grundsätzlichen Philosophie lautet das Credo: Ausbau mit Behutsamkeit ...

… was Freunde der Bifertenhütte sicherlich zu schätzen wissen. Der einfache Stil soll erhalten bleiben, die Schlafplatzkapazität nicht erhöht werden, damit auch der familiäre Charakter nicht abhandenkommt. Zum alten Natursteinbau soll sich zukünftig ein zweiter Hüttenteil in massiver Holzbauweise gesellen. Rund 600 000 Franken sind dafür veranschlagt – keine Peanuts für den AACB, weshalb auch um Spenden bei Firmen, Institutionen und Privatpersonen geworben wird. So darf man auf die Umsetzung, die für den Sommer 2016 angedacht ist, gespannt sein.

Eckdaten zur Bifertenhütte:

Lage: In 2482 Meter Höhe auf der Hochfläche Cavorgia da Breil knapp südlich des Hauptkammes der Glarner Alpen; Talort ist Breil/Brigels im Kanton Graubünden
Eigentümer: Akademischer Alpenclub Basel (AACB)
Hüttenwartin: Monika Bont
Kapazität: 24 Schlafplätze (soll auch nach Hüttenvergrößerung unverändert bleiben); außerdem gibt es neuerdings eine mongolische Jurte neben der Hütte (5 Schlafplätze)
Öffnungszeiten: Von Juli bis September durchgehend bewartet, ab Mitte Juni und bis Mitte Oktober an Wochenenden
Kontakt: Tel. 00 41/81/9 41 23 36 oder 00 41/78/6 28 03 94
Homepage: www.biferten.ch
Zustiege: Von der Alp Quader oberhalb von Brigels über Rubi Sura 2 Std.; ab Bergstation Crest Falla (Sesselbahn vom Brigelser See) auf gleicher Route 2¾ Std.; vom Talort Brigels durchs vordere Val Frisal 3½ Std.
Karte: Swisstopo, 1:25 000, Blatt 1193 »Tödi« bzw. 1:50 000, Blatt 246 T »Klausenpass«
Mark Zahel
Fotos: 
Mark Zahle, Monika Bont
Artikel aus Bergsteiger Ausgabe 07/2015. Jetzt abonnieren!
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