Die 3 schönsten Hütten für Selbstversorger in den österreichischen Alpen | BERGSTEIGER Magazin
Hüttenwandern abseits der Massen

Die 3 schönsten Hütten für Selbstversorger in den österreichischen Alpen

Knisterndes Holz im Ofen, ein Bomben-Panorama und kaum Menschen, mit denen man dies teilen muss. Klingt unmöglich, ist es aber nicht. Auf diesen drei Selbstversorgerhütten gibt es sie noch – die einsame Bergromantik.
 
Idyll auf 2383 Meter: die Hauerseehütte, eine Selbstversorgerhütte © Markus Meier
Idyll auf 2383 Meter: die Hauerseehütte, eine Selbstversorgerhütte
Jeder kennt es, keiner mag es. Eine Nacht auf einer vollen Hütte, um am nächsten Tag eine beliebte Modetour anzugehen. Gedränge im Schlafraum, Gedränge an den Waschräumen. Manchmal notwendig, aber nicht immer schön. Vor allem, da es eine ruhigere, weitaus intensivere Variante gibt, um die Berge zu erleben: Ein Wochenende auf einer Selbstversorgerhütte.

Der Weg ist weit, der Rucksack schwer. Haben wir doch unser Essen für das ganze Wochenende dabei. Oben angekommen muss Wasser geholt, der Ofen angezündet, vielleicht sogar Holz gehackt werden. Auf den ersten Blick hört sich das alles ziemlich mühsam an. Warum sollen wir diese Mühen überhaupt auf uns nehmen? Warum nicht einfach wieder auf eine bewirtschaftete Hütte gehen, am Besten noch mit Dusche und die üppige Halbpension genießen?

SelbstversorgerhuettenWeil es ein intensiveres Erleben der Berge ist: Mehr Einsamkeit, sich selbst um die Annehmlichkeiten kümmern, die man sonst einfach nur für Geld kauft. Mal ein Wochenende ohne Dusche und ohne fließendes Wasser. Eine wirklich schöne und vielleicht auch willkommene Abwechslung zu unserem doch allzu bequemen Leben. Wir haben in diesem Sommer einige Selbstversorgerhütten kennen gelernt und haben uns regelrecht verliebt. Enge, Überfüllung haben wir nirgends angetroffen, dafür unvergessliche Bergtage abseits des Trubels und der Massen.

Klostertaler Umwelthütte in der Silvretta

Die Klostertaler Umwelthütte hat ebenfalls eine bewegte Vergangenheit hinter sich. Der Bau wurde in den 1970er Jahren von der Sektion Wiesbaden begonnen. Der Neubau war allerdings heftig umstritten, so dass die Hütte über lange Jahre eine Bauruine blieb. 1993 eröffnete sie der Deutschen Alpenverein als Selbstversorgerhütte. Sie bietet Platz für 18 Personen und ist mit dem AV-Schlüssel zugänglich.

Die Hütte erreicht man vom Stausee auf der Bielerhöhe über das Klostertal in 1 ½ Stunden, so dass der Anstieg mit dem schweren Rucksack zur Hütte hier vergleichsweise leicht fällt. Man betritt die Hütte durch den Keller und gelangt über eine Treppe ins Obergeschoss. Hinter dem gemütlichen Aufenthaltsraum schließt sich das schöne Lager an. Auch die Klostertaler Hütte hat kein fließendes Wasser in der Hütte, dafür aber einen Brunnen direkt davor, so dass sich die Mühen für das Wasserholen in Grenzen halten.
Klostertaler Umwelthütte
Trägt ihren Namen nicht zu Unrecht: Ein Solarpanel sorgt für die Stromgewinnung auf der Klostertaler Umwelthütte.

Infos zur Hütte: Klostertaler Umwelthütte (2362m), Deutscher Alpenverein, Tel: 0 89/1 40 03 41 Mit AV-Schlüssel zugänglich, Anmeldung wird erbeten
Anstieg: Der Hüttenanstieg erfolgt bequem von der Bielerhöhe durch das Klostertal (1 ½ Std.).
Touren:
  • Übergang zur Saarbrücker Hütte (2538 m). Schwierigkeit: Mittel. Dauer: 2 Std., Höhendifferenz: 590 Hm hoch, 420 Hm runter. Route: An einigen drahtseilversicherten Stellen entlag über den Litzner Sattel (2737 m) zur Saarbrücker Hütte. Von dort Abstieg zum Vermunt Stausee, von wo aus man mit dem Bus zurück zur Bielerhöhe fahren kann.
  • Zur Schneeglocke (3223 m). Schwierigkeit: schwierig. Dauer: 5 Std. Höhendifferenz: 850 Hm hoch und runter. Route: Über den Klostertaler Gletscher in den Sattel zwischen Schneeglocke und Knoten und über Schutt oder Firn auf den Gipfel.

Neue Reutlinger Hütte im Verwall

Auch die Neue Reutlinger Hütte steht an einem besonders schönem Platz: Auf der einsamen Wildebene im ansonsten schon recht menschenleerem Verwall. Auch sie ist ein Ersatzbau für die in den 1950er Jahren abgebrannte Reutlinger Hütte. Sie trägt zu Ehren des Initiators für den Neubau den Beinamen Walter-Schöllkopf-Hütte. Hier gibt es ebenfalls einen Hüttendienst, der allerdings nur an den Wochenenden die Hütte beaufsichtigt. Ansonsten ist sie mit dem AV-Schlüssel zugänglich.

Auch hier trägt man sein Essen selbst herauf, was nicht weniger weit ist als zur Hauerseehütte. In der Nähe der Neuen Reutlinger Hütte gibt es einen schönen See, in denen sich die zackigen Pflunspitzen spiegeln. Allerdings muss man ein paar Minuten zu ihm laufen, genauso wie zu dem Bach, aus dem man sich das Wasser holt; einen Brunnen oder fließendes Wasser gibt es hier nicht. Dafür eine perfekt freie Sicht, nach Norden zum Lechquellengebirge und nach Süden zu den Bergen der Silvretta.
Reutlinger Hütte Verwall
Am Wochenende betreuen Mitglieder der DAV-Sektion Reutlingen die Hütte.

Infos zur Hütte: Neue Reutlinger Hütte (2395m), DAV-Sektion Reutlingen Tel. Sektion: 0 71 21/33 09 40 An Wochenenden im Sommer beaufsichtigt, mit AV-Schlüssel zugänglich.
Anstieg: Von Klösterle oder Langen über die Nenzingastalm (4 ½ Std.) oder die Satteinser Alpe (5 Std.). Aus dem Montafon von der Unteren Gaflunaalpe (Wanderbus im Sommer) und das Gaflunatal (5 Std.).
Touren:
  • Östliche Eisentaler Spitze (2753 m). Schwierigkeit: mittel. Dauer: 3 Std. Höhendifferenz: 350 Hm hoch und runter. Route: Auf einem nicht markierten, aber durch unzählige Steinmännchen gut zu finden Steig zum Hüttenberg.
  • Übergang zur Kaltenberghütte. Schwierigkeit: mittel. Dauer: 5 Std. Höhendifferenz: 580 Hm hoch, 880 Hm runter. Route: Über den Stubener Weg zur bewirtschafteten Kaltenberghütte. Von dort Abstieg ins Tal möglich.

Hauerseehütte im Ötztal

Türkisblau schimmert der Hauersee unter dem Luibiskogel. An seinem Ufer steht die kleine Hauerseehütte der DAV-Sektion Ludwigsburg. Sie wurde in den 1960er Jahren als Ersatz für die 1947 von einer Lawine zerstörte alte Hauerseehütte errichtet. Nach einer Erweiterung vor ein paar Jahren finden nun 15 Bergsteiger im Matratzenlager im Nebenraum Platz. Da die Hütte im Sommer von Sektionsmitgliedern bewartet wird, gibt es auch hier ein klein wenig Luxus.

Zumindest der Ofen ist angeheizt und heißes Wasser ist vorhanden. Das Essen muss man immer noch selbst herauf schleppen, und das kann anstrengend sein, dauert der Anstieg von Längenfeld über das Hauertal oder die Innerbergalm doch ganze 4 Stunden. Wählt man den Anstieg über die Innerbergalm, unternimmt man unbedingt noch den Abstecher zur Woeckelwarte. Wunderschön ist die Aussicht hinunter ins Ötztal. Eine Besonderheit sind die Sonnenaufgänge an der Hütte, und die »Morgen- und Nachtwäsche« unter freiem Himmel am Bach.
Hauerseehütte Ötztal
Geschafft: Nach langem Zustieg hat man sich die mitgebrachte Brotzeit mehr als verdient.

Infos zur Hütte: Hauerseehütte (2383m), DAV-Sektion Ludwigsburg Tel
Hütte: 00 43/6 64/7 82 86 37 Tel
Hüttenwart: 00 43/71 44/2 99 41
Email: weller.hauersee@gmx.de
Im Sommer bewartet. Anmeldung erforderlich
Anstieg: Von Längenfeld über die Pestkapelle und das Hauertal, oder von Längenfeld-Lehn über Stabele- und Innerbergalm (4 Std.) oder von Umhausen-Köfels über Wurzberg-, Stabele- und Innerbergalm zur Woeckelwarte und zur Hütte (4 Std.).
Touren:
  • Wanderung auf dem Vier-Seen-Weg. Schwierigkeit: mittel. Dauer: 6 Std. Höhendifferenz: 1120 Hm hoch und runter. Route: Über den Hüttenweg an mehreren Almen vorbei zum Plattachsee, dem Weißer See, dem Unteren Spitzigsee und den Hauersee.
  • Über den Luibiskogel (3110 m). Schwierigkeit: schwierig. Dauer: 4 Std. Höhenddifferenz: 780 Hm hoch und runter. Route: Ohne Gletscherkontakt auf markierter Route bis zum Gipfel. Die schwierigen Stellen sind versichert.
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Text & Fotos: Markus Meier
Artikel aus Bergsteiger Ausgabe 10/2015. Jetzt abonnieren!
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