Wanderung durch das einsame Gamsgebirg

Die Kotzenrunde zum Lerchkogel im Karwendel

Obwohl laut Karte teils weglos und ansonsten größtenteils auf alten Jägersteigen verlaufend, bewegt man sich bei der Kotzenrunde im Karwendel fast immer auf guten Steigen – sofern man nicht auf Abwege gerät. Lichter Wald wechselt nach einer verfallenen blumenreichen Alm mit Latschen und einem Wiesenrücken, der im Stierjoch kulminiert. Der folgende Aussichtskamm zwischen den sanften Lerchkogelalmen und dem wilden Hochkarwendel gehört zu den Highlights des Isarwinkels. Von Christian Schneeweiß
 
Vom Gipfel des Kotzen hat man einen eindrucksvollen Tiefblick auf den Sylvensteinsee © Christian Schneeweiß
Vom Gipfel des Kotzen hat man einen eindrucksvollen Tiefblick auf den Sylvensteinsee
Mitten im lichten, von der Herbstsonne durchfluteten Bergwald treffe ich auf eine Wegkreuzung. Nicht, dass man hier wirklich guten Gewissens von Wegen sprechen könnte! Aber mein bisheriger Steig führt mit einer Querung nach links weg, während ich weiter gerade aufwärts zum Kotzen (1766 m) will.

Vorsichtig nach einem Abzweig »schnüffelnd« pirsche ich mich ein Stück nach links, dann nach rechts – und da ist er: Ein kaum erkennbarer Wiesensteig leitet bergauf, und an Ameisenhügeln vorbei steige ich auf wieder ausgeprägtem Steig weiter, um schließlich nach langer Kammwanderung am Lerchkogel (1688 m) auf das Aussichtsbankerl mit Karwendelblick unterm Kreuz zu sinken.
 
Lerchkogelalm
Die gemütliche Lerchkogelalm
Der Lerchkogel ist der letzte, gemütlichste und einzige öfters begangene von vier Gipfeln, die man bei der Umrundung des Kotzentals besteigt. Ansonsten ist man zwischen der kühnen Brücke über die Dürrachklamm, wo wir unser Bike versteckt haben, und dem Stierjoch (1909 m) allein. Der Aussichtskamm zwischen Stierjoch und Lerchkogel mit den braunen Punkten der Kühe bei den Lerchkogelalmen zur Linken sowie dem grauen Hochkarwendel mit seinen zerschrundeten Kalkwänden im Süden gehört zu den unbekannten Höhepunkten des hintersten Isarwinkels.

Die Kotzenrunde ist nicht nur einsam, sondern vermittelt mit ihren bisweilen verborgenen Steiglein den Eindruck von Wildnis und Abenteuer – es ist ein besonderes Erlebnis, in unseren großteils übererschlossenen Bergen hin und wieder auf eigene Verantwortung und dem eigenen Orientierungssinn folgend unterwegs zu sein.

Die Kotzenrunde im Überblick:

Über das Stierjoch (1909 m) zum Lerchkogel (1688 m) 
  • Schwierigkeit: Die eher anspruchsvolle Rundtour ist zwar technisch nicht schwierig, erfordert aber Wegfindungsgespür, Kondition und Trittsicherheit. Steile Aufstiege an Kotzen und Stierjoch.
  • Charakter: Orientierungsvermögen und Kondition erfordernde, einsame Bergwanderung in herrlicher Almlandschaft
  • Wegverlauf: Von Fall mit dem Bike (oder zu Fuß) bis Dürrach-Brücke, Aufstieg durch lichten Wald und Latschensteig zum Kotzen, Aussichts-Kammwanderung über Stierjoch und Torjoch zum Lerchkogel, Weg und Almstraße zurück
  • Gehzeit: ca. 6 1⁄2 bis 7 Std.
  • Ausgangspunkt: Fall (770 m), Wanderparkplatz am Beginn des Bächentals; hierher von Lenggries mit Bus oder Pkw
  • Karte: Bayer. Landesvermessungsamt 1:50 000, UK L30 »Karwendelgebirge«

Routenverlauf der Bergtour im Karwendel:

Kotzenrunde Karwendel
Übersichtskarte Stierjoch und Lerchkogel
Per Rad südostwärts auf einem Teerweg auf die Ostseite der Dürrach und südwärts talein bis zum zweiten rechts abzweigenden Fahrweg (850 m; Raddepot). Zu Fuß kurz abwärts, rechts zu einer Brücke über die Dürrach und auf gutem Jägersteig westwärts durch lichten Wald aufwärts. Nach Jungwald kreuzt ein anderer Steig (910 m): Einige Meter rechts, einige Meter Wiesensteig hinauf und auf eine links ausholende Schleife des Jägersteigs. Dann einen Rücken südwestwärts hinauf zur freien Kotzenalm Niederleger (1380 m). Über diese aufwärts, Steinmännern folgend zu einer Latschengasse und südwärts zu einer freien Steilflanke.

Am einfachsten den Hang weglos queren, von der Wegfortsetzung eine gerade hochziehende Wiese hinauf und kurz rechts zum Kotzen (1766 m). Weglos über Almwiesen, Buckel rechts umgehend über den Kamm südwärts. Kurz links (Steinmann) auf gutem Steig hinab, rechts auf Steigspuren wieder hinauf, zwischen Latschen aufwärts und links des Grats über Wiesen steil hinauf zum Stierjoch.

Abstieg: Ostwärts auf markiertem Wiesensteig über einen Kamm abwärts zum östlichen Torjoch (1826 m). Steil hinab und auf einem Wanderweg zur Lerchkogelalm Hochleger (1550 m). Auf Steigspuren zum Westrücken des Lerchkogels, durch eine Mulde zunehmend steil hinauf und in einer links ausholenden Schleife zum Lerchkogel (1688 m). Zurück zur Almhütte, rechts auf Pfadspuren zu markierten Felsen und auf gutem Wanderweg rechtshaltend nordseitig durch Wald hinab.

Unten rechts auf einen Wiesensteig, dann nordwestwärts zu einem Sattel zwischen Waldstücken und hinab zum Fahrweg an der Lerchkogelalm Niederleger (1337 m). Rechts abwärts, vor dem Schild »Fall« links ab und anfangs etwas mühsam über einen Nordwestrücken abwärts in Wald und hinab zum abgekürzten Fahrweg (920 m). Ostwärts abwärts über die Dürrach zum Teerweg und talaus zum Raddepot. Abfahrt wie Auffahrt.
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