Ammergauer Berge - Wandern und Bergsteigen | BERGSTEIGER Magazin
Die schönsten Touren in den Ammergauer Alpen

Ammergauer Berge - Wandern und Bergsteigen

Nur wenige Schritte abseits der Touristenwege gibt es großartige Bergwanderungen für Genießer und Ambitionierte... Von Christian Schneeweiß

 
Geiselstein und Gabelschrofen vom Klammspitzkamm aus gesehen Foto: Bernd Ritschel © Bernd Ritschel
Geiselstein und Gabelschrofen vom Klammspitzkamm aus gesehe
Die Königsschlösser sind zweifelsohne die Hauptattraktion für Besucher in Füssen und Schwangau – aber nur wenige Schritte abseits der Touristenwege gibt es großartige Bergwanderungen für Genießer und Ambitionierte. Man kann sich drehen und wenden, wie man will: Der von Süden tatsächlich als graue Felssäule in den Himmel ragende Säuling (2047 m) ist der Höhepunkt des Königslands vom Ort Schwangau bis zum Städtchen Füssen. Die Einwohner von Füssen mit ihrer ehrwürdig-romantischen Altstadt betrachten ihn als ihren Hausberg. Die Schwangauer Einheimischen ernennen eher den Tegelberg dazu. Hier gibt es als besondere Attraktionen noch die beiden gegensätzlichen Königsschlösser Hohenschwangau von König Maximilian II. und Neuschwanstein von dem zunehmend in seiner Märchenwelt versunkenen Ludwig II. von Bayern. Während das im schlichteren neugotischen Stil erbaute Schloss Hohenschwangau am Alpsee sich unter die eindrucksvolle Kulisse schroffer Felsflanken duckt, ragt das schlanke Fantasieschloss Neuschwanstein (erbaut 1869 – 1886) mit seinen verspielten Türmchen, Zinnen und Giebelchen hoch über der wilden Pöllatschlucht auf.

Füssener Burgenwanderungen

Die beiden Königsschlösser lassen sich auf einer Vorlandwanderung mit dem Hohen Schloss der Stadt Füssen verbinden. Vom heutigen Stadtzentrum am Kaiser-Maximilian-Platz aus spaziert man durch die spätmittelalterliche Altstadt mit ihren Straßencafés und Gassen in der Fußgängerzone mit geradezu italienischem Flair. Kein Wunder: Die im 15. und 16. Jahrhundert blühende Stadt lag an der römischen Via Claudia Augusta, die noch im Spätmittelalter eine der wichtigsten Verbindungen zwischen Italien und Bayern war. An dem nur von außen schlichten Stadtschloss mit seinen Gemäldegalerien und dem säkularisierten Benediktinerkloster St. Mang mit seinen Barocksälen sowie dem Stadtmuseum vorbei gelangt man über den Lech. Nach dem Kreuzweg über den Kalvarienberg und den Schwansee erreicht man den Schwangauer Ortsteil Hohenschwangau. Hier lässt sich direkt aufsteigen Richtung Schloss Neuschwanstein und der Pöllatschlucht, um dann zurückzugehen zum Schloss Hohenschwangau am Alpsee. Über den Alpenrosensteig geht es weiter zum Engpass der Lechschlucht mit dem schäumenden Lechfall, über dem der Maxsteg zurück zur Altstadt von Füssen führt.

Nur noch eine Ruine ist die Burg Falkenstein am Vilser Grenzkamm zwischen Bayern und Tirol. Zu ihr gelangt man von Weißensee-Roßmoos als Abstecher auf der abwechslungsreichen Runde über den Zirmgrat mit dem Zwölferkopf (1293 m). Schroffe Abbrüche nach Süden erlauben gelegentlich Ausblicke in die felsige Vilser Gruppe der Allgäuer Alpen. Deren Szenerie genießt man an der Saloberalpe (1089 m) bei Kaiserschmarrn und Spezi ebenso wie den Ausblick auf das westliche Ammergebirge einschließlich Neuschwanstein. Zwei Seen mit Bademöglichkeit, der Alatsee und der Weißensee versüßen die Rückkehr an heißen Tagen.

Vom schönsten Schloss zum höchsten Berg

Großes haben Wanderer vor, die vom Schloss Neuschwanstein auf dem Brunnenstubenweg weitergehen ins Hochtal der Pöllat. Wer bald rechts abzweigt, will auf den Säuling, der sich mit abweisenden Schrofenflanken zur Wehr setzt: Nur für trittsichere Bergsteiger ist der felsige, teils mit Drahtseilen versicherte Aufstieg zum besten Aussichtspunkt im westlichen Ammergebirge geeignet. Im Osten erheben sich die grünen Ammergauer Gipfel mit der schroffen Hochplatte (2082 m), im Süden das Spitzengewirr der wilden Lechtaler Alpen, im Westen die Allgäuer Alpen mit dem Hochvogel. Und im Norden breitet sich das lieblich-grüne Alpenvorland mit Forggensee und Bannwaldsee aus. Beim Abstieg lässt sich ein kleiner Umweg machen und im Berggasthaus Bleckenau (1167 m; Tälerbus) einkehren.

Des Königs Ausflugsroute

Hier trifft man auf Weitwanderer, die zur Almidylle des hinteren Pöllattals gehen und dann hinter der von Mitte Juni bis September bewirteten Jägerhütte links ins Köllebachtal abbiegen. Im lichten Wald und auf den Wiesen der Niederstrauß­bergalpe (um 1600 m) blühen in der Abfolge der Jahreszeiten die klassischen Alpenblumen wie Enzian, Alpenrose und Eisenhut. Darüber erheben sich die vom Ochsenängerle aus begehbaren, steilen Wiesenflanken von Hochplatte und Krähe (2010 m). Auf die eine kommt man nur per Grat-Klettersteig, die andere bricht im Norden fast 200 Höhenmeter senkrecht ab. An der Ahornspitze (1784 m) vorbei erreicht man an der Wegkreuzung des Branderflecks den ins Pöllattal hinabführenden »Naturlehrpfad Ahornreitweg«. Mehrere Reitwege durchzogen früher das Ammergebirge, damit sich der »Märchenkönig« Ludwig II. zwischen den Schlössern Linderhof im Osten und Neuschwanstein im Westen durch sein Gebirge kutschieren lassen konnte. Die meisten Wanderer werden die beschriebene Route oder den kürzeren Ahornreitweg nach Auffahrt mit der Tegelbergbahn zum bewirteten Tegelberghaus (1707 m) umgekehrt gehen, denn die Seilbahn ist Dreh- und Angelpunkt der Schwangauer Wanderregion.

Rund um den Tegelberg

Von wüsten Felsabbrüchen im Steilwald durchsetzt, ragt der oben freie Tegelberg über Schwangau auf. Man kann zwar mit der Tegelbergbahn hinauffahren; ein größeres Erlebnis ist es aber, nach getaner Aufstiegstour knieschonend per Bahn über die Schrofen und Türme der Nordflanke hinab zu schweben.
Die wohl abwechslungsreichste und längste Wanderung führt von der Seilbahn-Talstation durch die blühenden Wiesen des Königslands vorbei an den Ausgrabungen einer Römervilla Richtung Hohenschwangau zum Ausgang der Pöllatschlucht und durch diese hoch zur Marienbrücke. Wer gut zu Fuß ist, der wandert nach Überquerung der Brücke in vielen Serpentinen den steilen, nordseitig von senkrechten Abbrüchen und Aussichtspunkten gesäumten Westrücken des Tegelbergs hinauf. Nach Einkehr hoch oberhalb von Forggensee und Füssen vor der Szenerie der Tannheimer Kletterberge führt der Abstieg über die aussichtsreiche Piste und den »Kulturpfad Schutzengelweg« zur Talstation.

Wesentlich eindrucksvoller als dieser Normalweg ist der Klettersteig durch die Gelbe Wand. Auf beiden Seiten ziehen kompakte Kalkwände und zerrissene Schrofenflanken empor, die in Türmen und Felsspornen kulminieren. Dazwischen schlängelt sich der Klettersteig entlang eines breiten Bacheinrisses schräg empor – bis man plötzlich auf dem Normalweg steht. Auf der Suche nach dem Gipfel des Tegelbergs gelangt der Klettersteiggeher am Tegelberghaus vorbei auf einen ausgesetzten Bergkamm. Hier darf die Hand wieder das Sicherheit gebende Drahtseil erfassen und ihr Besitzer sich gipfelwärts schwingen zum Branderschrofen (1879 m).
Über Märchenschlössern... Von Christian Schneeweiß
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