Ökologische Outdoorbekleidung

Hersteller im Öko-Sozialtest

Das Kletter-T-Shirt ist aus Öko-Baumwolle, die High-Tech-Membran-Regenhose garantiert fair zusammengenäht. Auch Bergsteiger hoffen, durch bewussten Konsum die Welt zu verbessern. Doch bringt der ethisch korrekte Alpin-Einkauf wirklich etwas?

 
Die Produktion von Textilien hinterlässt nicht selten verschmutzte Gewässer, wie hier in Zhejiang, China. © BERGSTEIGER
Die Produktion von Textilien hinterlässt nicht selten verschmutzte Gewässer, wie hier in Zhejiang, China.
Die Welt ein bisschen besser machen. Wer möchte das nicht? Öko, bio, fair: Was früher nur Randgruppen interessiert hat, gilt heute als chic, auch unter Outdoor-Menschen. Wir kaufen Bio-Gemüse – wenn es nicht zu teuer ist. Im Ausrüstungsladen lehnen wir die Plastiktüte ab – wenn das Daypack nicht zu voll ist.

Und wir entscheiden uns für den Wanderanorak ohne fluorhaltige Membran – wenn die Jacke trotzdem wasserdicht ist. Gut fürs Karma soll das sein, sagt mancher. Andere tun es der eigenen Psycho-Hygiene wegen. Häufig »ethisch korrekt« hergestellte Produkte einzukaufen, das behaupteten 41 Prozent der Befragten in der jüngsten Trendstudie der Otto Group – zwei Drittel mehr als noch zwei Jahre zuvor.

Aber 61 Prozent fühlen sich zugleich überfordert beim Versuch, ethisch zu konsumieren. Die Welt ist offenbar komplexer als gedacht. Waren zur Mitte des vergangenen Jahrzehnts nach den »Ökos« der 1990er noch die LOHAS in aller Munde – Menschen, die ihren Lebensstil an nachhaltigen Prinzipien orientieren (»Lifestyle of Health and Sustainability«) – so kommt jetzt ein neuer Trend zum Zug.

So jedenfalls formulierte es der Hamburger Zukunftsforscher Peter Wippermann jüngst in Innsbruck beim »The Alps«-Symposium zu nachhaltigem Berg-Tourismus: eine Abkehr von der Spaß- Gesellschaft. Hin zu einem Leben, wo Erfolg nicht mehr über Geld definiert ist, sondern über Glück. »Verbünde Dich mit denen, die Deine Ideale teilen«, sei nun das Motto, meint Wippermann. Und Verbündete können eben auch Firmen sein, die suggerieren, den gleichen Weg zu gehen wie man selbst.

Moderner Ablasshandel

In der Outdoor-Industrie hat man das längst erkannt. Neben dem Glücksversprechen durch das »Draußen-Leben«, selbstverständlich in einer möglichst intakten Natur, bieten viele Ausrüster für den Freiluft-Dschungel mittlerweile auch so etwas wie einen modernen Ablasshandel. Der Kauf von Regenjacke, Wanderstiefel oder Rucksack wird zum politischen Akt. Der Anorakhersteller spendet ein Prozent seines Umsatzes »for the planet«. Der Seilfabrikant lässt für jeden verkauften Strick einen Baum im madagassischen Regenwald pflanzen. Eine dritte Firma rettet mit ihren Einnahmen die letzten Wölfe in den Karpaten.

Der Bergreiseveranstalter bietet die Teilnahme an »Atmosfair«, um den Fernflug nach Nepal irgendwie klimaneutral zu machen. Alles Augenwischerei? Jedenfalls ist es schwer, im Labyrinth von Bio-Marken und Öko-Labels den richtigen Pfad zu finden. Fakt ist, dass viele Unternehmen der Outdoor- Branche versuchen, die Herausforderungen anzugehen. So baumeln vor allem an Berg-Bekleidung immer mehr der kleinen Schildchen, die die ökologische Unbedenklichkeit von Unterhemd, Fleece oder Überhose bescheinigen sollen. Der »Öko-Tex Standard 100« zertifiziert, dass wenigstens das Endprodukt nahezu frei von Schadstoffen ist.

Mit dem »bluesign«- Signet dürfen sich Kleidungsstücke, aber auch Schlafsack, Zelt und Rucksack nur dann schmücken, wenn schon bei der Produktion keine giftige oder ungesunde Chemie eingesetzt wurde. Nach der »ISO 14001«-Norm unterwerfen sich ganze Firmen einem Öko-Check und verbessern ihr Umweltmanagement. Ist das Berg-T-Shirt zu 90 Prozent aus Naturfaser und aus Bio-Anbau, dann kann es das »Global Textile Organic Standard«-Siegel erhalten.
 
Text: Folkert Lenz. Fotos: picture alliance/dpa, Wolfgang Ehn, Chinafotopress, Maxppp, Bernd Ritschelseeyou/c.steps-Fotolia.com
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