Erste-Hilfe-Maßnahmen am Berg

Was tun bei Unfällen in den Bergen?

Sofortmaßnahmen und Erste Hilfe in den Bergen. In den Bergen kommt es naturgemäß immer mal wieder zu Unfällen. Was Sie tun können, wenn sich Ihr Bergpartner verletzt oder stürzt, erfahren Sie hier.

 
Was tun bei Unfällen im Gebirge? Fotos: Alexander Römer © Alexander Römer
Was tun bei Unfällen im Gebirge?
Es ist wie beim Autofahren: Lebensrettende Sofortmaßnahmen sollten wir alle beherrschen. Nur leider klaffen auch in den Bergen Anspruch und Wirklichkeit auseinander. Dabei sollte es doch das Normalste der Welt sein: Wer in die Berge geht, sollte sich und anderen Bergsteigern im Ernstfall helfen können. Ebenso wie die richtige Sicherungstechnik am Klettersteig oder sicheres Treten im schwierigen Gelände müssen auch lebensrettende Sofortmaßnahmen erlernt und geübt werden! Das geht in der Regel leicht und schnell. Und das  neu erworbene Wissen nützt auch schon bei weniger dramatischen Bergunfällen.

Unfälle in den Bergen sind schnell passiert

Oftmals reicht eine kurze Unachtsamkeit und es ist passiert: Zum Beispiel wenn jemand über einem klettert und plötzlich Steinschlag niederprasselt. Dann sind stark blutende Platzwunden noch das geringste Übel. Schlimmer sind geschlossene oder gar offene Brüche mit starken Blutungen, meist begleitet von heftigen Schmerzen. Die wiederum können schließlich  zu einem Kreislaufzusammenbruch (Schock) des Betroffenen führen. Hier ist Eile geboten! Denn nur mit schnellen und richtigen Maßnahmen, wie zum Beispiel dem Anlegen eines Druckverbandes bei starken Blutungen, der stabilen Seitenlage bei Bewusstseinsverlust oder der Schocklage bei deutlichen Schockzeichen, kann dem Verletzten bis zum Eintreffen des Notarztes schnell und effektiv geholfen werden. Grundsätzlich gilt:  Nach einer traumatischen Einwirkung (wie Steinschlag o. ä.) sollte man den Betroffenen so schnell wie möglich nach sichtbaren Verletzungen absuchen sowie die Quelle starker Blutungen finden und diese möglichst gleich stoppen.

Blutungen stoppen

Zum Stillen offener und stark fließender Blutungen eignet sich am besten ein Druckverband. Zunächst sollte die Extremität hochgehalten (Bild 1), dann die Blutzufuhr durch gezieltes Abdrücken gestoppt werden (nicht Abbinden!). Anschließend kann der Druckverband angelegt werden. Dies sollte falls nötig nochmals wiederholt werden. Nur  wenn alle vorherigen Maßnahmen nicht erfolgreich waren und kein Arzt in unmittelbarer Zeit zu erwarten ist, darf  die Extremität abgebunden werden.

Die für den Druckverband benötigte sterile Wundauflage ist in den meisten Verbandspäckchen bereits integriert. Falls nicht, muss die Wunde erst mit einer solchen abgedeckt werden. Dann legt man die Verbandstreifen flächig an  (Bild 2). Mithilfe eines zweiten Verbandpäckchens oder Ähnlichem (z. B. Packung Taschentücher; Bild 3) wird der eigentliche Druck erzeugt. Wichtig dabei ist, dass das »Druckpaket« nie aus der Plastikverpackung genommen wird! Nur so saugt es sich nicht mit Blut voll. Andernfalls könnte man fälschlicherweise annehmen, die Blutung sei gestoppt! Damit der Druck präzise nur auf die offene Wunde wirkt, gibt es einen kleinen Trick: Sobald man mit der Wicklung auf Höhe der Platzwunde angekommen ist, dreht man die Mullbinde um 180 Grad, verringert so die Oberfläche und erreicht damit einen größeren Druck nur an der blutenden Stell. Danach einfach normal weiterwickeln; so verteilt sich der Druck wieder über die ganze Verbandfläche. Nachdem die Blutung gestoppt worden ist, sollte man die Vitalfunktionen mit Hilfe der »ABC-Regel« (Ansprechen, Bewusstsein, Cirkulation) kontrollieren.

Bewusstseinscheck

Das Ansprechen eines Verletzten erfolgt automatisch, wenn man die Person nach ihrem Zustand befragt. Solange man eine Antwort bekommt, sollte man mit langsamer und ruhiger Stimme auf den Patienten einwirken und die nachfolgenden Schritte in der Ersten Hilfe anwenden (Notruf absetzen, Patient aus der Gefahrenzone bringen usw.). Hektisches Treiben verschlimmert die Situation meist nur. Erhält man keine Antwort auf seine Fragen, überprüft man den momentanen Zustand mit Hilfe eines mechanischen Reizes (Zwicken). Das gibt Aufschluss über die Tiefe der Bewusstlosigkeit. Kommt auch hier keine Reaktion, muss der Patient in die stabile Seitenlage gebracht werden. So verhindert man das Ersticken durch Zurückfallen des Zugengrundes oder durch das  eigene Erbrochene. Anschließend immer wieder Atmung und Puls überprüfen!

Notruf absetzen

In allen Alpenländern lautet die gültige Notrufnummer 112. Da der Notruf ohne SIM-Karte nicht mehr bei allen Mobiltelefonen funktioniert, sollte man immer ein funktionsfähiges Handy (aufgeladen und mit SIM-Karte) dabei haben. Dann setzt man den Notruf ab: Wer meldet? Was ist passiert? Wo ist es passiert? Wieviele Verletzte sind es? Wie ist der Zustand? Weitere Rückfragen abwarten!

Atmung überprüfen

Ist der Patient nicht mehr oder nur kaum ansprechbar, sofort die Atemtätigkeit checken! Dazu den Kopf überstrecken und hören, sehen sowie fühlen, ob eine ausreichende Eigenatmung (16 – 20 Atemzüge/Minute) vorhanden ist.

Puls überprüfen

Danach folgt das Überprüfen der Herztätigkeit. Mit Zeige- und Mittelfinger erfühlt man den Puls am linken Handgelenk und/oder an der Halsschlagader. Er sollte rund 60 bis 80 Schläge pro Minute aufweisen. Sind Puls und Atmung ausreichend vorhanden, kann man weitere Maßnahmen (z. B. Ruhigstellen von Frakturen) einleiten. Für den Fall, dass weder Puls noch Atmung vorhanden sind und der Patient nicht ansprechbar ist, muss sofort mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung begonnen werden!

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