Berfotografie - so gelingt das perfekte Foto

Fotokurs Teil 2: Fotos optimieren

Sie haben einzigartige Eindrücke auf den Chip Ihrer Digitalkamera gebannt und möchten aus all den Pixeln das optimale Ergebnis rausholen? Profi-Fotograf Bernd Ritschel erklärt die Archivierung, Umwandlung und Bearbeitung von Digitalfotos.

 
Diese Aufnahme vom Alpamayo ist ein ideales Beispiel für die extremen Helligkeitsunterschiede in den Bergen. Dank der RAW-Daten können wir individuell die Zeichnung in den weißen und schwarzen Partien des Bildes steuern. © Bernd Ritschel
Diese Aufnahme vom Alpamayo ist ein ideales Beispiel für die extremen Helligkeitsunterschiede in den Bergen. Dank der RAW-Daten können wir individuell die Zeichnung in den weißen und schwarzen Partien des Bildes steuern.
Als ich vor Jahren einen befreundeten Fotografen auf dessen alten Bauernhof besuchte, sah ich ein »Fotoarchiv« der etwas anderen Art: In einer dunklen Kammer stapelte sich ein Berg aus Schuhkartons, darin lagerten Tausende von entwickelten Diafilmen. Vorne auf jedem Karton standen in unleserlicher Schrift Datum und Ort der Aufnahmen. Mein Freund behauptete, binnen weniger Minuten jede einzelne seiner über 100 000 Aufnahmen zu finden. Er hatte ein System, sein System. Heute arbeitet er für National Geographic und ist, zumindest in Fotografenkreisen, weltberühmt. Aufgeräumt hat er immer noch nicht.

Mit der digitalen Fotografie dürfte sich jedoch auch für ihn einiges geändert haben. Aus Dias wurden Bilddateien, aus Schuhkartons Festplatten. Als in analogen Zeiten die Filme aus dem Labor kamen, war die Arbeit fast getan. Digital ist alles anders: Den Spaß haben wir während der Fotografie, die Arbeit beginnt zu Hause. Das bedeutet: Nur wer sich ein übersichtliches und logisches System für den digitalen Workflow erarbeitet, wird langfristig mit der Digitalfotografie Freude haben. Grundsätzlich empfehle ich allen Besitzern einer Spiegelreflexkamera, im RAW-Format zu fotografieren. Nur so können sie die Vorteile der Digitalfotografie auch wirklich nutzen (mehr dazu in Abschnitt 3; Besitzer von Kompaktkameras, die fast nur im JPEG-Format fotografieren, können dieses Kapitel getrost auslassen).

Workflow Digitalfotografie

1. Der Arbeitsplatz
Zunächst einmal benötigen Sie einen möglichst leistungsstarken Rechner mit großem Arbeitsspeicher (mindestens 1 GB) und ausreichend Festplatten-Kapazität. Noch wichtiger ist ein großer und vor allem kalibrierbarer Monitor, der die Farben und Helligkeit der Aufnahmen auch über Jahre ohne Abweichungen darstellt. »State of the art« sind hier die Hardware-kalibrierbaren Monitore von Eizo.

2. Der Workflow
Die Grundstruktur: Mit Hilfe einer Exel-Tabelle habe ich im Laufe der vergangenen Jahre meinen Arbeitsablauf optimiert und in einzelne Arbeitsschritte unterteilt. Ist ein Schritt erledigt, wird er abgehakt. Nur so kann ich mir sicher sein, dass kein Backup, keine Datensicherung vergessen wird. Jeder Auftrag beziehungsweise Fototag wird mit je einer Zeile in dieser Tabelle komplett abgehandelt. Die Bildauswahl: Die Arbeit beginnt mit dem Auswählen der Bilder. Ganz gleich ob »Lightroom« von Adobe, »Aperture« für den Mac oder der klassische Breeze-Browser: Wichtig ist nicht nur die Möglichkeit verschiedener Darstellungsvarianten, sondern vor allem eine gute Lupe, um die Bildschärfe und wichtige Details kontrollieren zu können.

Selbstverständlich sollte ein Histogramm angezeigt werden, um die Belichtung beurteilen zu können. Das Umbenennen: Anschließend erfolgt das Umbenennen der Bilddateien. Die »Bridge« von Adobe ist Teil des Photoshops und eignet sich hervorragend für diesen Arbeitsschritt. Anstelle des von der Kamera vorgegebenen Zahlencodes erhält jedes Bild von mir einen Namen sowie einen Zahlen- und Buchstabencode, z. B. »Matterhorn LA001«. »LA« steht dabei für Landschaft, »ST« für Skitour, »WA« für Wandern usw. So erkenne ich auf den ersten Blick, um welches Bild bzw. welche alpine Spielart es sich handelt. Natürlich gibt es vielfältige Möglichkeiten für Bildnamen. Man kann auch das Datum oder GPS-Daten einbeziehen.

Die Verschlagwortung: Dieser Begriff, der das Zeug zum Unwort des Jahres hat, bedeutet, einem Bild Stichworte zu geben, um es irgendwann unter Tausenden von Aufnahmen auf verschiedenen Festplatten wieder zu finden. Die Verschlagwortung erfolgt bei mir ebenfalls in der »Bridge«. Zuerst füge ich in die Metadaten des Bildes unter »Ersteller« meinen Namen ein. Anschließend folgt unter »Beschreibung« ein Kurztext wie z. B.: »Bergsteiger am Hörnligrat des Matterhorn, Walliser Alpen, Schweiz«. Die eigentlichen Schlagworte vergebe ich zuletzt in der Spalte »Stichwörter«. Diese müssen zuvor selbst angelegt werden. Zum Beispiel das Land, die Region usw. Zuletzt folgen thematische Schlagworte wie Blume, Frühling, Erschöpfung, Gletscher. Nur so finde ich auch noch nach Jahren jedes einzelne Bild wieder.

Über die Suchfunktion werden mir bei Bedarf alle Blumen, Hütten etc. angezeigt. Wichtig ist die Reihenfolge all dieser Schritte: Zuerst die RAW-Daten umbenennen und verschlagworten, dann die Umwandlung in Tiff-Daten und Bildbearbeitung und zuletzt die weitere Datensicherung. Der Vorteil dieser Reihenfolge: Egal ob RAW-, Tiff- oder JPEG-Datei eines Bildes – es ändert sich nur das Dateiformat, der Name und die angehängten Informationen bleiben immer gleich.

3. Umwandlung von RAW- in Tiff-Bilder
Jetzt erfolgt das Umwandeln der RAW-Daten in »nutzbare« Fotos, also gängige Dateiformate wie Tiff oder JPEG. Den nachfolgenden Konvertierungsprozess habe ich auf die wesentlichen Schritte reduziert. Auch hier bieten sich verschiedene Software-Lösungen an. Ich selbst verwende seit Jahren den »Photoshop« von Adobe, die weltweit gängigste und professionellste Lösung für Grafiker und Fotografen. Die folgenden Arbeitsabläufe sind anhand dieser Software beschrieben. Wer die hohen Anschaffungskosten von über 1000 Euro scheut, kann auf die Basisversion »Photoshop-Elements« zurückgreifen, die fast alle für den Fotografen wichtigen Grundfunktionen beinhaltet.

Folgende Grundeinstellungen nehme ich hierbei vor: Ich arbeite im Adobe-RGB-Farbraum bei 8 Bit Farbtiefe. 16 Bit Farbtiefe verwende ich nur, wenn ich eine umfangreiche Bildbearbeitung mit mehreren Ebenen durchführen muss. Die Auflösung habe ich auf 300 dpi eingestellt. Denn in fast allen Agenturen, Verlagen, Redaktionen und Druckereien basieren die Arbeitsabläufe auf dieser Auflösung. Wer keine kommerzielle Nutzung seiner Bilder plant, kann diese Einstellung aber durchaus bei 240 belassen. Die Schärfe: Ein erster wichtiger Schritt ist das Zurücksetzen der Software-internen Grundschärfung. In diesem Fall von Wert 25 auf 0.

Die Schärfung erfolgt bei mir nur in Abhängigkeit der zu druckenden Bildgröße über die Funktion »Unscharf maskieren« des Scharfzeichnungsfilters. Belichtung: Zuerst definiere ich die »Belichtung«. Bei gedrückter Alt-Taste bewege ich den Cursor über die linke Maustaste so weit hin und her, bis gerade keine Farbbereiche mehr sichtbar sind. Auf dem Monitor wird mir ein fast schwarzes Bild angezeigt. Das heißt, ich habe in allen hellen, weißen Flächen noch Zeichnung. Ausnahmen hierbei sind nur extreme Spitzlichter wie zum Beispiel die Sonne. Schwarz: Das Gleiche mache ich mit dem Regler »Schwarz«, um je nach Wunsch bzw. Motiv entsprechend Zeichnung in die dunklen/schwarzen Bildbereiche zu bringen.

Hier ist jedoch Vorsicht geboten: Setzt man den Regler für Schwarz an den linken Anschlag, wird die Aufnahme flau und kontrastarm. Ich akzeptiere deshalb auch schwarze Flächen ohne oder mit nur geringer Zeichnung, erhalte dafür aber ein kontrastreicheres Bild. Helligkeit: Zuletzt lege ich über den Regler »Helligkeit« die endgültige Helligkeit des Bildes fest. Er verändert nur die mittleren Tonwerte. Mit »Helligkeit« können wir eine Aufnahme heller machen, ohne dabei überbelichtete Lichter zu verursachen. Alle anderen Funktionen bleiben von mir unangetastet. Über »Bild speichern« und »Fertig« erfolgt zuletzt die Umwandlung in das Tiff-Bild. Durch die Reduzierung auf diese drei Arbeitsschritte erhalte ich ein der Realität entsprechendes Bild. Für mich beginnt die Bildmanipulation mit dem Verändern der Sättigung, der Farbtemperatur oder des Kontrastes.

4. Bilder »putzen«
Nach wie vor bieten viele Kameras auf dem Markt noch keine automatische Sensorreinigung. Das bedeutet für Spiegelreflexfotografen in der Praxis unangenehme kleine Punkte, feinste Haare und manchmal Flecken auf dem Bild. Das Putzen der Bilder ist zugegebenermaßen mühsam, da zuweilen viele kleine Punkte entfernt werden müssen. Zuerst vergrößere ich das Bild auf 50 oder besser 66 Prozent (von 16 bis 33 Prozent der im Photoshop automatisch generieten Darstellung). Einfach und logisch in der Anwendung ist dann der sogenannte »Stempel« im Photoshop. Bei gedrückter Alt-Taste nehme ich zuerst neben dem Schmutzpunkt die gewünschte Farbe auf und überstemple damit den Schmutzpunkt.

5. Datensicherung
Der Datensicherung kann nicht genug Beachtung geschenkt werden. Deshalb speichere ich die RAW- und Tiff-Dateien auf zwei unterschiedlichen Festplatten innerhalb des Computers. Dass es sich dabei um ein modernes Raid-System handelt, ist selbstverständlich. Die weiteren Backups der Daten erfolgen auf externe Festplatten. Je eine für RAW-Daten und eine weitere für Tiffs und JPEGs. Natürlich können alle Daten auch kostengünstig auf DVD gesichert werden. Unbedingt sollte man dabei aber hochwertige DVDs wie z. B. die »Archival Gold« von Delkin Devices verwenden.

Von Bernd Ritschel (Text und Fotos).

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Zu Teil 1 unseres Fotokurses
 
Beispiele zum Pixel-Management der Digitalfotografie; Fotos: Bernd Ritschel
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