Der Ötztal Trek | BERGSTEIGER Magazin
Weitwanderweg in den Österreichischen Alpen

Der Ötztal Trek

Rund 30000 Aufstiegshöhenmeter und 400 Entfernungskilometer bei 37 Etappen bzw. Varianten – nein, so groß war mein Zeitbudget nicht, um den neuen Ötztal-Trek komplett und am Stück zu absolvieren. Aber ein paar Highlights habe ich mir herausgepickt. Ich wollte das opulente Mahl »Ötztal-Trek« in mehreren, exzellenten Happen nach und nach verkosten. | Von Peter Freiberger

 
Aufstieg vom  Hochjochhospiz zum Brandenburger Haus, im Hintergrund Sennkogel und Saykogel, rechts die Fineilspitze(alle Fotos: Bernd Ritschel) © Bernd Ritschel
Aufstieg vom Hochjochhospiz zum Brandenburger Haus, im Hintergrund Sennkogel und Saykogel, rechts die Fineilspitze
Ich stehe in Ötztal-Bahnof, in dem Oberinntaler Ort am Eingang des Ötztals, wo diese neue Haute Route der Superlative beginnt. Die ungefähr 1250 Meter höher gelegene Dortmunder Hütte am Ende der ersten Etappe soll mein Tagesziel sein. Schlappe 17 Kilometer Fußmarsch warten auf mich, in gut sechs Stunden müsste ich in dem AV-Schutzhaus ankommen. Also los!

Gemütlich schraubt sich der Steig zunächst die steilen, bewaldeten Hänge hinauf, die Strecke führt vorbei an beschaulichen Siedlungen und taucht vollends in den Wald ein. Nicht allein der Herbstnebel trägt die Schuld daran, dass ich lange Zeit keine anderen Wanderer entdecke. Nein, dieses Stück des Ötztal-Treks bietet nach wie vor eine große Portion Berge.

Ötztaler Seenplatte

Der Brandsee, der in manchen Karten als Amberger See steht, befindet sich nur noch einen Katzensprung entfernt und stellt einen Vorboten dar für die unzähligen Berggewässer, mit denen der Ötztal-Trek gespickt ist. Es handelt sich um ein außergewöhnliches Stück Natur, von dem man sich schwer losreißt. In dem in seiner Urtümlichkeit völlig erhaltenen Moorsee spiegelt sich der Acherkogel, der erste Dreitausender im Ötztal, wider. Manch einer schreckt nicht davor zurück, hier in 1500 Meter Höhe einige Runden zu schwimmen. Ein dermaßen wilder Hund möchte ich Anfang Oktober freilich nicht sein.

Hinüber zum so genannten Sattele, einem kleinen Straßenübergang aus dem Inn- Richtung Ötztal, sind dann doch ein paar Leute unterwegs, die diesen prächtigen Herbsttag nutzen und am Brandsee Natur pur genießen. Später bietet sich hingegen wieder dasselbe Bild: keine Menschenseele weit und breit…Der in den Hängen gelegene Weiler Marlstein ist ein idealer Platz für eine Rast, bevor ich die letzten, rund fünf Kilometer zur Dortmunder Hütte im Kühtai in Angriff nehme. In Sachen Höhenmeter habe ich das Gröbste bereits geschafft. So entwickelt sich der Schlussabschnitt der Auftaktetappe zur angenehmen Kür.

Zur Dortmunder Hütte führt ebenfalls eine Variante des Ötztal-Treks, die weit weniger Ausdauer und Kondition erfordert. Die Route von Hochötz, wohin Wanderer bequem in den Gondeln der Acherkogelbahn gelangen, verläuft entlang des Knappenwegs und beinhaltet quasi als Zugabe noch ein Stück Bergbaugeschichte. Südlich der Dortmunder taucht der Ötztal-Trek ein in die Hochgebirgswelt, die das Ötztal links und rechts begrenzt. Diese Hochgebirgswelt kumuliert bekanntlich um das Bergsteigerdorf Vent, das im Rahmen der neuen Haute Route eine zentrale Rolle spielt.

Über das knapp 3200 Meter hohe Ramoljoch steigt man vom Ramolhaus, das oberhalb des mächtigen Gurgler Ferners thront, hinüber Richtung Vent. Der Ötztal-Trek leitet freilich nicht direkt hinunter in den kleinen Ort, sondern umrundet in gewisser Weise das Dorf, um am Fluchtkogel (3474 Meter) seinen höchsten Punkt zu erreichen. Doch der Reihe nach. Ich wandere nördlich des Ramoljochs in den Hängen über dem Niedertal einwärts und folge schließlich dem Fahrweg zur Martin-Busch-Hütte. Kaum weniger lang als für die schier endlose Einstiegs­etappe benötige ich vom Ramolhaus bis hierher.
Von Peter Freiberger
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