Klettern in der Schweiz

Der X. Grad - Neue Route in der Titlis-Nordwand

Unter Kletterern war die Titlis-Nordwand ein unbeschriebenes Blatt – bis im vergangenen Sommer der Schweizer Matthias Trottmann eine fantastische Linie durch die über 500 Meter hohe, überhängende Wand erstbegehen konnte. Sarina Kürsteiner (Text) und Klaus Kranebitter (Fotos)

 
Die Nerven sind aufs Äußerste gespannt – 10 Meter vor dem Ausstieg und 1000 Meter über dem Tal; Matthias beim Übergang in den steilsten Teil der Route (12. Seillänge)Fotos: Klaus Kranebitter © Klaus Kranebitter
Die Nerven sind aufs Äußerste gespannt – 10 Meter vor dem Ausstieg und 1000 Meter über dem Tal; Matthias beim Übergang in den steilsten Teil der Route (12. Seillänge)
Sie heißt mit Vornamen »Piz dal Nas« und »Direttissima« mit Nachnamen; zudem  hat sie – wie der Name schon verrät – eine Nase.
Sie ist 500 Meter lang, zählt zwölf Seillängen bis in den X. Schwierigkeitsgrad und hängt insgesamt 50 Meter über. Weil sie dachte, dass das noch nicht genug sei, machte sie sich auch noch äußerst abwechslungsreich. So bietet sie drei Gesteinswechsel und ist ganz oben, im letzten Drittel ihrer 500 Meter, am anspruchsvollsten. Ihre Linie verläuft pfeilgrad vom Wandfuß bis zur Nase nach oben. Nur eine der zwölf Seillängen ist ein bisschen ein »Aussenseiter« (7b). Sie wollte einfach die schwierigste und schönste »Nordwandige« sein in der Schweiz – und das hat sie geschafft!

Wenn man am Einstieg steht und den Kopf in den Nacken legt, sieht man eine Nase, an der sich eine Seillänge im Schwierigkeitsgrad 8a+ befindet, die zu allem Kletterglück auch noch 45 Grad überhängend und die letzte Seillänge einer Nordwand ist: »Juhu«, kann man da nur sagen, wie es auch Matthias Trottmann immer wieder tut. Wenn er erzählt, dann sprudelt’s nur so vor Freude und Motivation, und man hat das Gefühl, es seien diese zwei Dinge, die ihm die Kraft und Energie für solch große Projekte geben. 

Erstbegehung ohne Wolkenam letzten Titlistag
Zur Erstbegehung kam es eigentlich völlig unverhofft am 26. August. Es war ein wahrer Glückstag, weil es am Titlis der allerletzte Klettertag der Saison 2010 war. Bereits einen Tag später folgte der Kalt- und Schlechtwettereinbruch. Die Tage vor dem 26. waren nicht blendend schöne, aber doch trockene Tage, sodass Matthias Trottmann und Martin Jaggi bei 30 Grad im Tal und leichtem Wind in der Wand perfekte Bedingungen vorfanden.
Vom Hotel zur »Nase«
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