Die zehn Höchsten in den Ötztalern

Nirgendwo in den Ostalpen gibt es so viele 3000er wie in den Ötztaler Alpen – dazu auch die höchsten Gipfel in ganz Tirol. Die Top-Ten über dem Ötztal sind eine Gipfelparade aus weißen Gletschern und dunklem Urgestein. Von Christian Schneeweiß (Text) und Bernd Ritschel (Fotos)

 

Wildspitze (3770 m) und Weißkugel (3739 m)

In ganzjährig strahlendem Weiß mit steilen Firnflanken und drohenden Gletscherbrüchen mit bläulichem Eis bricht die Wildspitze im Ötztaler Weißkamm über dem Pitztal ab zum oberen Taschachferner, einer plateauartig breiten Gletscherrampe mit grundlosen Spalten. Auf der Ötztaler Südwestseite ragen dagegen schroffe Felsgipfel aus dunkelbraunem Gestein über schuttbedeckten Firnfeldern auf. Von dieser Seite stieg der Rofener Leander Klotz im Revolutionsjahr 1848 auf den Südgipfel und fügte 1861 den damals noch höheren Nordgipfel mit seiner Gletscherhaube hinzu. Die erste touristische Begehung erfolgte durch den Pfarrer Franz Senn, der seit 1862 mit dem Bau von Schutzhütten und Wegen das moderne Bergsteigen einläutete. Noch heute führt die kürzeste Route von Vent über die Breslauer Hütte auf den höchsten Berg in Tirol. Erst am steilen Firnhang zum Mitterkarjoch (3470 m) beginnt die Hochtour, die fast spaltenfrei zum kurzen, aber oft heiklen, da überwechteten und vereisten Gipfelrücken und dem meist überbelegten Felsgipfel führt. Das Panorama ist eines der großartigsten der Ostalpen: Von den Hohen Tauern wandert der Blick über die Zillertaler Alpen nordwärts zu den grauen Ketten der Kalkalpen bis westwärts in die Silvretta. Im Süden steht hinter der spitzen Weißkugel die gleißende Ortlergruppe neben den Nordabstürzen der Adamellogruppe.
Zur Weißkugel wandert man am besten vom Südtiroler Reschensee durch das Langtauferer Tal zur Weißkugelhütte, offiziell »Rifugio Pio XI alla Palla Bianca«, mit einer Kapelle, die vom bergsteigenden Papst Pius XI. geweiht wurde. Während der Nordgrat der Weißkugel eine rassige, ausgesetzte Eistour ist, führt die klassische Route um die Ostflanke herum zum Hintereisjoch (3460 m) und über den Südrücken im Firn zum felsigen Gipfel, einer Aussichtswarte ähnlich der Wildspitze inklusive Blick zu den Termitenbergen und Hochplateaus der Dolomiten.
Träume in Gletscherweiß
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