Touren im Berchtesgadener Land

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Untersberg, Lattengebirge und Reiteralm, Hochkalter und Watzmann, Steinernes Meer, Hagengebirge und Göll: Die Bergumrahmung von Berchtesgaden scheint wie von großer Künstlerhand entworfen. Zwischen anheimelnder Kulturlandschaft und der Wildnis eines Nationalparks gibt es allerhand zu entdecken: »Berchtesgadener Alpen« ist nur ein anderer Name für das Paradies ... (Text und Bilder: Mark Zahel)

 
Die verschiedenen Gesichter der Berchtesgadener Alpen: die Mühlsturzhörner in der Reiteralm (Foto: Mark Zahel) © Mark Zahel
Die verschiedenen Gesichter der Berchtesgadener Alpen: die Mühlsturzhörner in der Reiteralm
Die besondere Topografie des Berchtesgadener Landes begeisterte schon frühe Reiseschriftsteller: Alexander von Humboldt adelte die Gegend als eine der »schönsten der Welt« (!), Heinrich Noë sprach vom »Yellowstone der deutschen Alpen«, und Ludwig Ganghofer schließlich formulierte ganz pathetisch: »Wen Gott liebhat, den lässt er fallen in dieses Land.« Überzogene Schwärmereien unverbesserlicher Romantiker – oder steckt wirklich was dahinter? Ich würde glatt behaupten, dass selbst der rationalste Mensch in dieser Bergwelt seine verborgene romantische Ader freizulegen vermag.

Urige Almhütten mit steinbeschwerten Dächern inmitten saftiger Wiesen; stilvolle Bauten wie die Kirchen von Ramsau oder Maria Gern, die berühmte Wallfahrtskapelle St. Bartholomä am Königssee oder unzählige stolze Bauernanwesen; natürlich das siebenköpfige Watzmann-Ensemble, wie es in unnachahmlich harmonischer Manier über dem Berchtesgadener Talkessel thront; die Zackenphalanx der »Ramsauer Dolomiten« über der Grundübelau; die mächtige, dunkelblaue, wie ein norwegischer Fjord anmutende Königsseefurche; unmittelbar darüber das titanenhafte Gemäuer der Watzmann-Ostwand; die weltverlorene Karstödnis des Steinernen Meeres mit ihren oasengleichen Mulden; der Widerschein der Abendsonne in der Göll-Westwand – ich muss innehalten, auf dass meine Gedanken keine Loopings schlagen.
 

Acht Bergstöcke, acht Gesichter

Jeder der acht Bergstöcke rund um Berchtesgaden hat sein eigenes, unverwechselbares Profil. Das ist im Norden noch eher voralpin geprägt, etwa beim Lattengebirge mit seiner »Schlafenden Hexe«, im Süden hingegen hochalpin und voller Erhabenheit. Wer könnte sich der Aura eines Watzmanns schon entziehen, würde nicht den Wunsch verspüren, diesem sagenhaften, versteinerten König aufs felsige Haupt zu steigen? Bergwanderer kommen meist problemlos bis zum Hocheck (was vom Tal gerechnet auch schon satte 2000 Höhenmeter bedeutet), während die komplette Überschreitung des Watzmanngrates mit Abstieg ins Wimbachgries als eine der großen, klassischen Touren in den Nördlichen Kalkalpen gilt. Und der Mythos der Ostwand (für die Vertreter der steileren Zunft) ist ohnehin legendär.

Bergsteigerisch nicht minder interessant sind die Vasallen Hochkalter und Hoher Göll, warten sie doch ebenfalls mit großartigen Überschreitungen auf. Geradezu prägend für die Berchtesgadener Alpen sind kompakte Karstmassive, die ihre charakteristischen Merkmale in steilen Randabstürzen und ausgedehnten, vom Zahn der Zeit zerschrundeten Hochflächen zeigen. Der Untersberg gehört ganz offensichtlich dazu, auch die Reiteralm und das Hagengebirge, allen voran aber das Steinerne Meer, das schon dem Namen nach den Mustertyp eines Karstgebirges darstellt. Hier darf sich der Wanderer auf weite Wege in absolut ursprüngliche Berggefilde einstellen. Und der Nationalpark ist ein Garant dafür, dass dies auch in Zukunft so bleibt. Wenn ich in meinen Erinnerungen schwelge, wäre noch viel zu erzählen: von beschaulichen Herbststunden am Soleleitungsweg zum Beispiel, von kleinen »Abenteuern« auf alten Jagdsteigen oder abseits aller Pfade, von zünftigen Hüttenabenden und einsamen Biwaknächten…Frei nach Ganghofer sei vielleicht noch eines hinzugefügt: »Wer die Berge liebhat, der lässt sich fallen in dieses Land!«
 
Text und Bilder: Mark Zahel
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