Kleinwalsertal: Das beste aus zwei Ländern | BERGSTEIGER Magazin
In der Sackgasse

Kleinwalsertal: Das beste aus zwei Ländern

Manche Täler der Alpen sind nur über das Nachbarland erreichbar. Das Kleinwalsertal in Österreich war deshalb schon immer auch ein bisschen Deutschland. Doch jetzt entdeckt das Tal den besonderen Wert seiner Eigenheiten. Von Domink Prantl
 
Gipfelsammeln an der Grenze: Von der Kanzelwand über die Hammerspitzen ins Wildental © Kleinwalsertal Tourismus/Frank Drechsel
Gipfelsammeln an der Grenze: Von der Kanzelwand über die Hammerspitzen ins Wildental
Stefan Heims Lieblingsobjekt in der Heimat war früher die Telefonzelle: jener verglaste Quader, in dem einem stets das Kleingeld fehlte. Das Telefonieren in einer Zelle im Kleinwalsertal war etwas ganz Besonderes: "Man konnte während eines Telefonats einfach die Währung wechseln", sagt Heim, der Chronist im Kleinwalsertaler Ortsteil Riezlern. "Schilling oder D-Mark, beides kein Problem." Und das Beste: "Sowohl nach Deutschland als auch Österreich telefonierten wir zum Inlandstarif." 

Stefan Heims Heimat ist wahrlich ein verrückt schöner Flecken Erde – oder auch ein ganz schön verrückter. Berge wie Widderstein, Hählekopf und Güntlespitze bilden Kulisse und Talschluss gleichermaßen; Skitourengehern wie Wanderern entlocken sie die üblichen Schwärmereien von großartigen Panoramen und fantastischen Ausblicken. Das stimmt natürlich auch.

Wirklich unvergleichlich wird die Vorarlberger Talschaft aber vor allem durch eine territoriale Eigenheit: Die Grenze keilt hier noch einmal nach Norden aus, so dass das Kleinwalsertal als österreichischer Zacken in den südlichsten Ausläufer des Allgäus hineinragt.

Wandern Kleinwalsertal
Bei geführten Wanderungen erfährt man viel über die Geschichte des Kleinwalsertals. (© Kleinwalsertal Tourismus/Oliver Farys)

Mögen Grenzzacken auch profilbildend für viele europäische Staaten sein, so wirkt es hier wie ein Witz. Denn der Zugang führt allein von Norden über Deutschland ins vom Rest Österreichs abgeschnittene Kleinwalsertal. Experten sprechen in solchen Fällen von einer funktionalen Exklave.

Auf der Suche nach Land

Wie immer bei verrückten Grenzen muss auch hier die Geschichte zur Erklärung bemüht werden. Sie beginnt – besiedlungshistorisch gesehen – im 13. Jahrhundert, als Walser aus dem deutschsprachigen Teil des Wallis einwanderten, wohl auf der Suche nach landwirtschaftlich nutzbarem Land und wahrscheinlich über den Gemstelpass.

Heim sagt: »Im Grunde waren das Wirtschaftsflüchtlinge. « Anders als heutige Wirtschaftsflüchtlinge trafen die Walser weder auf skeptische noch auf hilfsbereite Einheimische, denn selbst der Talgrund liegt zwischen 1000 und 1300 Metern Höhe: Es war menschenleer. Was heute Skitourengeher freut, nämlich die enorme Schneesicherheit, war Almbauern früher ein Graus. Trotz seiner Abgeschiedenheit und der bescheidenen Bedeutung ...

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