Werner Bätzing im Interview

Seine Thesen sind pointiert und politisch: »Die Alpen sind Opfer des Neoliberalismus«, sagt Werner Bätzing. Der Geografie-Professor forscht seit 30 Jahren über die Kulturland­schaft in den Bergen.

 
Werner Bätzing setzt sich vehement dafür ein, dass die jahrhundertealten bäuerlichen Strukturen erhalten bleiben. Er beklagt, dass die Politik nur noch auf die Metropolen schaut und die Alpen links liegen lässt. Zugleich macht er Hoffnung:  Das kulturelle Selbstbewusstsein wachse, es gebe eine Wiederbelebung alpiner Identität.

Bergsteiger: Die Verstädterung der Alpen nimmt zu – entlang der Transittrassen. Heißt das auch: Die Zerstörung der Alpen nimmt zu?
Professor Werner Bätzing: Zerstörung kann man einerseits relativ einfach definieren: Wenn die Täler überbaut werden, wenn auf Wiesen und Weiden und in den Auen Siedlungen und Verkehrswege errichtet werden. Es gibt aber auch noch eine andere Zerstörung.

Bergsteiger: Und zwar?
Bätzing: Dort, wo der Mensch sich zurückzieht, wo die Kulturlandschaft aufgelassen wird, wo sie verbuscht, verwaldet und verwildert. Viele Menschen würden sagen: Das ist doch keine Zerstörung, dort kommt die Natur doch zu sich selbst! Die jahrhundertealte Kulturlandschaft war aber Basis für die Lebensmittelproduktion und ein gutes Leben im Alpenraum. Das zerfällt jetzt.

Bergsteiger: Kann es nicht auch gut für die Natur sein, wenn sich das Wachstum auf wenige Zentren beschränkt?
Bätzing: Das ist eine Frage des Maßstabs: Viele Naturschützer führen die Biodiversität ins Feld. Bezogen auf die Alpen liegt der Fall klar auf der Hand: Die traditionelle Kulturlandschaft ist das Optimum an Artenreichtum und an landschaftlicher Vielfalt. Das ist auch für die Touristen sehr wichtig, weil sie ein sehr ansprechendes Landschaftsbild bietet. Wenn die Alpen in Richtung Naturzustand gehen, sie also verbuschen und verwalden, werden sie viel eintöniger. Man sieht nicht mehr aus dem Wald heraus.
Das große BERGSTEIGER- Interview mit Werner Bätzing
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