Neue DAV-Bergunfallstatistik: Historischer Tiefstand bei Todesfällen, Unfallquoten konstant | BERGSTEIGER Magazin

Neue DAV-Bergunfallstatistik: Historischer Tiefstand bei Todesfällen, Unfallquoten konstant

Der Deutsche Alpenverein hat seine neue Bergunfallstatistik für 2016 veröffentlicht – mit durchaus guten Nachrichten: Im vergangenen Jahr verunglückten so wenig DAV-Mitglieder wie nie zuvor seit Beginn der Erfassung der Bergunfallstatistik 1952.
 
© Bergwacht Bayern
Dreißig Alpenvereinsmitglieder kamen bei Bergsportunfällen 2016 in den Bergen ums Leben. Zum Vergleich: 2015 waren noch 43 tote Alpenvereinsmitglieder zu beklagen.Die Zahl der Unfälle erreichte jedoch einen neuen Höchststand. Florian Hellberg von der DAV-Sicherheitsforschung erklärt dies so: "Immer mehr Menschen werden gerettet, bevor die Lage für sie lebensbedrohlich wird". Durch die ebenfalls steigende Mitgliederzahl ist der Anteil der Unfälle deshalb fast unverändert: Insgesamt waren im vergangenen Jahr 1182 Alpenvereins-Mitglieder in Unfälle verwickelt, also etwa ein Promille. Das Unfallrisiko bleibt damit laut Hellberg "im Vergleich zum Vorjahr auf konstant niedrigem Niveau".

Blockierungen als Hauptursache
Beim Bergsteigen und Klettersteiggehen bilden Blockierungen die Hauptursache der Notfälle. „Blockierungen sind Situationen, aus denen sich die Bergsportlerinnen und Bergsportler nicht mehr selbst befreien können und auf die Bergrettung angewiesen sind – obwohl sie keine Verletzungen haben“, so Hellberg. Besonders häufig kommen diese Notlagen beim Klettersteiggehen vor: Mehr als die Hälfte aller Rettungseinsätze an Klettersteigen gehen auf Blockierungen zurück. „Klettersteige suggerieren mit ihren installierten Drahtseilen eine trügerische Sicherheit. Wenig geübte Klettersteiggeher muten sich deshalb oftmals zu schwierige Touren zu.“ Indoorklettern dagegen ist sehr sicher. Angesichts der vielen hunderttausend Aktiven ist die Zahl der schweren Unfälle in Kletterhallen sehr gering: Seit der Jahrtausendwende sind insgesamt drei DAV-Mitglieder in Kletterhallen gestorben, ein tödlicher Unfall ereignete sich im vergangenen Jahr. Alle drei Todesfälle gingen auf Einbindefehler zurück, also darauf, dass der Knoten am Gurt des Kletternden nicht richtig geknüpft war. 

Grundlage für die Statistik bilden Meldungen der Verunfallten an die Versicherung des Alpenvereins. Die Ergebnisse werden zwar positiv eingeschätzt. Betont wird jedoch auch, dass sich Bergsteiger nicht auf das effiziente Rettungswesen verlassen sollten. Laut DAV sind Erfahrung, Können und Wissen die wichtigsten Voraussetzungen für einen verantwortungsvollen Umgang mit den Gefahren im Bergsport. Darum setzt der Deutsche Alpenverein in erster Linie auf Ausbildung: Mehr als 7500 ehrenamtliche Fachübungsleiter sind in den 356 Sektionen des DAV aktiv und geben ihr Wissen an die Mitglieder weiter. Dabei profitieren sie von der Grundlagenarbeit der Sicherheitsforschung des DAV. Diese geht den Unfallursachen im Bergsport nach, analysiert das Verhalten von Bergsportlerinnen und Bergsportlern, führt regelmäßig Materialtests durch und veröffentlicht die Erkenntnisse.
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