Blütenpracht am Herzogstand | BERGSTEIGER Magazin
Aussichtsreiche Gratwanderung auf Heimgarten und Herzogstand

Blütenpracht am Herzogstand

Blütenpracht erwartet man eher nicht am Herzogstand. Und doch gibt es sie. Viele Pflanzen profitieren sogar vom Menschen. Wer genau hinschaut, kann während der Wanderung auf Heimgarten und Herzogstand einige seltene Blumenarten am Wegesrand entdecken.
Von Bettina Willmes
 
Vom Steilen ins Flache: Herzogstand über dem Kochelsee © Bernd Ritschel
Vom Steilen ins Flache: Herzogstand über dem Kochelsee
Der Herzogstand ist für vieles bekannt. Für das Berggasthaus zum Beispiel, für die Bergbahn, oder auch für den aussichtsreichen Grat zum Heimgarten. Seltene Blumen am Wegesrand erwartet man bei dem zu jeder Zeit stark frequentierten Berg eher nicht. Und doch gibt es sie: »Stoa-Röserl« nennt Friedl Krönauer, Naturschutzwart der Bergwacht Kochel, als ein Beispiel – oder offiziell »Rosmarin Seidelbast«. Gern und oft wird sie verwechselt mit der »Bewimperten Alpenrose«, die ein Rhododendron-Gewächs ist und überall in den Bayerischen Voralpen häufig zu sehen ist. Immerhin eine Gemeinsamkeit haben Stoa-Röserl und Alpenrose – sie sind beide stark giftig. Insekten sollten sich eher vor den Fleischfressern am Wegesrand in Acht nehmen. Denn auch die gibt es am Herzogstand, und zwar in Form des Alpenfettkrauts. »Es gehört zu den ganz wenigen fleischfressenden Pflanzen im Alpenraum«, erklärt Krönauer. Man findet es vor allem in Felsnischen oder auf anderen mageren Flächen oder in Mooren.

Der Grund: Fleischfressende Pflanzen wachsen nur sehr langsam und können sich nur dort durchsetzen, wo andere Pflanzen mangels Nährstoffen nicht oder kaum wachsen. Da die Fleischfresser ihre Energie über die Fangblätter und nicht über die Wurzeln decken, machen ihnen ungünstige Bodenbedingungen nichts aus. Was sie hingegen brauchen, ist viel Licht, da die Fangblätter viel schlechter Photosynthese betreiben können als normale Blätter. Beim Alpenfettkraut sind diese Blätter mit feinen Härchen übersät, an denen das Insekt hängenbleibt.

Orchideen zwischen Felsen

Auch sonst kann sich die Blumenvielfalt am Herzogstand blicken lassen. Leberblumen und Aurikel beispielsweise finden sich südseitig bis hoch zum Gipfelbereich und teils sogar am Grat zwischen Herzogstand und Heimgarten. »Wenn jetzt im Frühling die Aurikel wieder ihre gelben Blüten zeigt, ist das ein wunderbarer Kontrast zu Stein und Fels«, schwärmt Krönauer. Auch Schusternagerl alias Frühlingsenzian kommen jedes Jahr wieder und weiter oben die Knabenkräuter, eine Orchideenart. Auf der Nordseite dominieren Alpenrosen das Bild. Wie bei so vielen Bergen haben auch am Herzogstand die Almen einen enormen Einfluss auf das heutige Erscheinungsbild des Berges genommen.

»Durch das regelmäßige Abweiden und sorgsame Zurückschneiden der Gehölze haben wir eine viel größere Vielfalt in der Flora, als das sonst möglich gewesen wäre«, sagt Krönauer. Das gilt nicht nur für die Gebiete in der unmittelbaren Umgebung der Alm. Da der Mensch früher mangels entsprechender Werkzeuge nicht in der Lage war, einen starken Baum zu fällen, hat er sich gerne an die weiter oben liegenden Bäume gehalten, deren Wurzeln aufgrund des Bodens schwächer waren. Denn ursprünglich waren die Bayerischen Voralpen bis zu den Gipfeln bewaldet.

Königsbesuch am Herzogstand

Zwar habe man durch das Vieh häufig das Problem der Überdünnung und dadurch solche Pflanzen, die man gar nicht haben wolle. Für den Herzogstand, wo nur die Xaverl-Alm bewirtschaftet ist, gelte das aber nicht. Und auch die vielen Berg-Besucher, vom Tourengeher über den Wanderer bis hin zum Mountainbiker, scheinen den Blumen am Herzogstand nichts anzuhaben. »Ich habe den Eindruck, dass die nötige Wertschätzung da ist. Zum Glück, es gab auch Zeiten, wo Pflanzen einfach ausgerissen wurden«, sagt Krönauer. Auch die klimatischen Veränderungen und die verlängerten schneefreien Zeiten haben kaum Einfluss auf die Blumenwelt genommen, so Krönauer. »Das merken wir bislang eher an den Tieren, die immer weiter nach oben gehen, weil sie dort gute Lebensbedingungen finden.«

1865, als König Ludwig II. das so genannte Königshaus (heute steht an dieser Stelle das Gasthaus) erbauen ließ, war der Gipfel jedenfalls schon nicht mehr bewaldet. Mindestens 22-mal soll der König anwesend gewesen sein. Ob er sich dabei auch an Blumen erfreut hat, ist allerdings nicht überliefert.

Bergtour auf Heimgarten und Herzogstand

Die Gratwanderung auf Heimgarten und Herzogstand ist zu Recht ein beliebter Klassiker in den Bayerischen Alpen. Sie beschert tolle Ausblicke auf Kochel- und Walchensee, ins Estergebirge und Karwendel. Die Tour ist in beide Richtungen möglich. Vor oder nach der luftigen Gratpassage steht jeweils eine Hütte bereit.

Aufstieg: Vom Parkplatz der Bergbahn links halten zum Deiningbach. Den Schilder folgend zweimal rechts abbiegen. Die Straße wird erst zum Forstweg und dann zum Steig. Zunächst über Stufen, dann etwas steiler bergauf. Nachdem der Weg eine grasige Mulde mit der Ohlstädter Alm passiert, geht es nochmal in den Wald und dort recht steil bergauf. Kurz danach ist die Heimgartenhütte und einige Meter später der Gipfel des Heimgartens erreicht. Unter ständigem Auf und Ab bewegt man sich nun in östlicher Richtung über den schmalen Grat, den Gipfelpavillon am Herzogstand immer im Blick. Einige ausgesetzte Stellen sind mit Drahtseilen gesichert. Danach geht es nur noch bergab, zunächst zum Herzogstandhaus und dann zur Bahn bzw. zu Fuß zurück zum Parkplatz am Walchensee.

Die Tour auf einen Blick:

Wanderkarte HerzogstandHöhendifferenz: 1000 Hm
Dauer: 4½ Std.
Talort: Walchensee (804 m)
Ausgangspunkt: Parkplatz der Herzogstandbahn (gebührenpflichtig)
Öffentliche Verkehrsmittel: Mit der Bahn nach Kochel, weiter per RVO-Bus Richtung Garmisch bis zur Haltestelle »Walchensee, Herzogstandbahn«
Gehzeiten: bis zur Heimgartenhütte 2 ½ Std., über den Grat zum Herzogstand 1 ½ Std., von dort zum Herzogstandhaus und weiter zur Bahn ½ Stunde
Beste Jahreszeit: Mai bis Oktober. Es sollte trocken sein, sonst kann es am Grat sehr rutschig werden.
Karte/Führer: Alpenvereinskarte BY9 »Estergebirge«, 1:25 000
Fremdenverkehrsamt: Tourist-Information, Ringstrasse 1, Walchensee, Tel. 0 88 58/411
Hütte/Einkehr: Heimgartenhütte (1785 m), privat, geöffnet Mai bis Oktober, keine Übernachtung, Tel. 01 71/9 50 77 87; Herzogstandhaus (1575 m), privat, ganzjährig geöffnet außer Mitte November bis Weihnachten und im Frühjahr zur Revisionszeit der Herzogstandbahn, 39 Lager, 25 Betten, Tel. 0 88 51/2 34
Charakter/Schwierigkeit: Die Gratpassage erfordert Trittsicherheit und Schwindelfreiheit, beschert dafür aber grandiose Ausblicke. Seilsicherungen sind teilweise vorhanden. Ansonsten einfache Wanderung auf guten Wegen. Der Aufstieg zum Heimgarten erfordert etwas Ausdauer. Wer sich die Bahn sparen möchte, sollte für den Abstieg nochmals ca. 1 Std. einplanen.
 
Artikel aus Bergsteiger Ausgabe 05/2015. Jetzt abonnieren!
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