Touren für den Herbst oder das Frühjahr

Bergtouren im Isarwinkel

Dort, wo die Karwendel-Vorberge ins Alpenvorland auslaufen, liegt der Isarwinkel. Eine liebliche Voralpenlandschaft mit vielfältigen Wandermöglichkeiten – vor allem für den späten Herbst oder das Frühjahr.
Von Christian Schneeweiß (Text und Bilder)

 
Die Probstenwand mit dem Gipfel des Hennenkopfs hinter der Tennenalm am Brauneck © Christian Schneeweiß
Die Probstenwand mit dem Gipfel des Hennenkopfs hinter der Tennenalm am Brauneck
Es sind die Grüntöne, die den Reiz des Tölzer Lands ausmachen. Besonders im Frühsommer kontrastieren östlich und westlich der türkisfarbenen Fluten der Isar die noch hellen Blätter der Buchenwälder mit den immerdunklen Nadeln der Fichten, über denen sich saftiggrüne Almbu­-ckel mit je nach Jahreszeit sattblauen Enzianen, sonnengelben Trollblumen oder rosa Alpendost erstrecken. Darüber erhebt sich die dunkle Nordflanke der Benediktenwand (1801 m) vor dem Hintergrund grüngrauer Gipfel des Karwendelgebirges. Am Übergang der Berge in das seenreiche Alpenvorland umlagert die ehemalige Salzhandelsstadt und jetzige Kur- und Urlaubsstadt Bad Tölz mit ihrer bezaubernden Marktstraße die Isar. Und die weiße Kirche hoch droben am Kalvarienberg sticht schon von weit her ins Auge.

Einstiegsbergel Rechelkopf

Recht zügig lässt sich der Rechelkopf (1330 m) in der Nachbargemeinde Gaißach von Lehen (675 m) aus begehen. Trotz Wegsanierungen sollte man diesen Aussichtsberg nicht unbedingt bei Nässe unter die gut profilierten Wanderschuhe nehmen. Auf dem anfänglichen Hohlweg findet im Winter das legendäre Gaißacher Schnablerrennen auf großen Schlitten statt, die früher dem Holztransport dienten. Über Almwiesen und durch Wald steigt man flott auf zur Schwaigeralm (1123 m) mit ihrer hölzernen Kapelle, um in langer Querung den Gipfelkamm des Rechelkopfs mit unerwartetem 360-Grad-Panorama zu erreichen. Beliebter bei den Einheimischen ist der südwestlich vorgelagerte Sunntratn (»Sonnengedrehter«, 1096 m). Hier wandern Jung und Alt vom Parkplatz (720 m) hinter Grundnern auf verschiedenen Wegen in bester Stimmung wie bei Goethes »Osterspaziergang« über die sonnigen, freien Wiesenhänge zur niedrigen Kuppe herauf.

Einen Gegensatz zum Rechelkopf bildet der Blomberg (1248 m) auf der Westseite des Isartals als multisportive Fun-Arena von Bad Tölz. Hier lässt sich auf dem schattigen Wanderweg (»Kurweg«) mit seinen je nach Fitness aufbauenden oder deprimierenden Höhenmetermarkierungen von der Talstation (710 m) der Blombergbahn bequem aufsteigen zum Blomberghaus (1203 m). Bei Bier und Kaiserschmarrn und Kuhglockenbimmeln lässt sich’s hier gut rasten und den weiten Blick nach Süden über das Isartal, die Benediktenwand ins Rofan und zu den Zentralalpen genießen.
An der ruhigeren Südseite des Blombergs bietet sich eine hübsche Wanderrunde vom Parkplatz (720 m) der bewirteten Waldherralm hinter Wackersberg an. Durch sonnenbeschienene Blumenwiesen und einen dunklen Waldabschnitt erreicht man den freien Heiglkopf (1205 m) mit der Szenerie des südlichen Isarwinkels, über dem sich der Klotz des Demeljochs erhebt. Über den folgenden Blomberggipfel mit großartigen Tiefblicken auf Bad Tölz sowie am Blomberghaus vorbei führt der Weg hinauf zum Zwieselberg (1348 m), einem der beliebtesten Gipfel des Tölzer Lands. Gegenüber ragt die kalkgraue Nordflanke der Benediktenwand bis zu 300 Meter über die grünen Wald- und Almkuppen des Isarwinkels hinaus. Und ganz hinten gleißen wie eine Fata Morgana die Gletscher des Großvenedigers in den Hohen Tauern!

Orientierungstour zur Probstwand

Hinter der südlichsten dieser Almkuppen, der Längenbergalm mit dem Aussichtshöcker eines Gefallenenmals (1246 m), erhebt sich als schroffer Vorbau der Benediktenwand die anspruchsvolle Probstenwand. Zu ihr radelt man via Arzbach-Untermberg vom hinteren Arzbach (790 m) auf dem Normalweg vom Isarwinkel zur Benediktenwand kraftsparend durchs Längental. Ohne Vorwarnung schiebt sich eine 250 Meter hohe, kompakte Felsmauer frontal ins Gesichtsfeld, die »Probstenwand«. Hier wurden erst in den letzten Jahren Kletterrouten erschlossen, die sich allerdings in den oberen Schwierigkeitsgraden bewegen (VII bis IX). Kurz vor der einfach bewirteten Hinteren Längentalalm (1043 m) stellt man das Bike ab und steigt auf einem schlechten Karrenweg zum Westende der Längenbergalm. Auf einem Steig geht es über einen Nordostrücken unter die deutlich zahmere Nordflanke des Bergs, dessen Besteigung sich »nur« als mühsam geröllig entpuppt. Nach einer Latschenquerung kraxelt man dem Felsriff des kecken Hennenkopfs aufs Dach (1614 m, II). Hier hat man von der Benediktenwand über die Achselköpfe bis zu den Kirchsteinen im Brauneckkamm ein langgezogenes Fels- und Schrofenpanorama vor Augen. 

Der lange Kamm
Tatsächlich lässt sich über diese Berge eine der längsten und eindrucksvollsten Kammwanderungen in den Bayerischen Voralpen unternehmen. Und das mit permanentem Blick über die Vorberge und das Vorland bis hin nach München im Norden und auf die Bergketten vom wilden Karwendelgebirge bis zum grauen Wettersteingebirge mit der Zugspitze im Süden und Westen. Fährt man von Lenggries (715 m) mit der Brauneckbahn herauf, wartet kurz unterm Gipfel gleich das bewirtete Brauneck-Gipfelhaus.
Für Familien lohnen sich gerade im Herbst die Fahrwege auf der Sonnenseite des Brauneckkamms, wo ein halbes Dutzend Hütten für kulinarische Abwechslung sorgen. Auch der beliebte Pfad über den Brauneckkamm mit seinen felsigen Aufschwüngen und Wiesenkämmen zum Latschenkopf (1712 m) geht leicht vom Fuß. Danach lässt sich rutschig unter den Achselköpfen zum Rotöhrsattel wandern. Wer sich Passagen mit Leiter und Drahtseilen zutraut, sollte auf jeden Fall die fünf Felsköpfe überschreiten. Die Latschen auf dem folgenden Ostkamm der Benediktenwand sind wahre Hitzefänger, sodass man froh ist, endlich am großartigen Aussichtsgipfel zu stehen. 

Wanderberge

Im Osten erhebt sich als hellgrüne Glatze der Schönberg über dem Isartal. Auch hier sind gut profilierte Schuhe angesagt, da der Aufstieg ab Fleck (735 m) auf Waldsteigen erfolgt und durch die wunderschöne Fichtenparklandschaft und den kleinen Felsengarten nördlich des breiten Gipfelrückens über typischen staunassen Almboden verläuft. Wieder verblüfft das Panorama: Die zahmere Nordseite des Doppelgipfels von Roß- und Buchstein (1701 m) verblasst gegenüber der grauen Kalkflanke des Guffert im Rofan, hinter dem in der Ferne die Hohen Tauern hervorlugen. Beliebter ist der grüne Gipfelschneid des Seerkarkreuzes (1601 m) mit ähnlich weitem Panorama, denn hier lässt sich nach dem sanierten, licht bewaldeten Aufstieg von Lenggries-Hohenburg (708 m) in der Lenggrieser Hütte (1338 m) einkehren. In dieser lieblichen Umgebung wirkt die nordöstlich aufragende, mit Steilrinnen und Felsen durchsetzte Latschenflanke der drei Kampen (Auerkamp, 1607 m) wie ein Fremdkörper. Am besten fährt man hierher per Bike auf zum Hirschtalsattel, steigt über einen anfangs schrofigen Pfad auf und über den oben haarigen, teils drahtseilgesicherten Steig des Spitzkamps wieder ab.
Bergwandern im Tölzer Land (Fotos: Christian Schneeweiß)
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