Dolpo - Meine Reise fernab des Trubels | BERGSTEIGER Magazin
Teil 1

Dolpo - Meine Reise fernab des Trubels

"Was hast du vor?", fragte mich die Frau, die am Nachbartisch in einem Café in Kathmandu saß, "Everest Base Camp? Annapurna?", fügte sie hinzu. "Nein, ich  mache mich in zwei Tagen auf den Weg nach Dolpo", erwiderte ich. Und da ich ihre Verwunderung bemerkte, erklärte ich, dass ich abgelegene Regionen und abenteuerliche Touren vorziehe. Weit entfernt von überlaufenen Wegen und überfüllten Unterkünften. Und so starten wir zu viert - die Träger, ein Dolmetscher und ich - in unser Abenteuer.
 
Dolpo © Gerda Pauler
Auf meiner Reise begegne ich vielen freundlichen Einheimischen.
Dolpo, der nördliche Teil des Dolpa Distrikts, liegt in Nordwesten Nepals und grenzt an Tibet. Das Gebiet liegt eingeklemmt zwischen  Gautam Himal und Kanti Himal im Norden und Dhaulagiri im Süden, ein faszinierendes Labyrinth aus tiefen Tälern, zerklüfteten Bergrücken und schneebedeckten Gipfeln.

Das besondere an Dolpo

Über 80 Prozent der Region liegen auf einer Höhe von mehr als 3500 Meter, und bedingt durch die extremen geographischen Verhältnisse, ist Dolpo für viele Monate des Jahres vom restlichen Nepal abgeschnitten. Das Gebiet gilt als eine der isoliertesten Bergregionen, und hier findet man nicht nur einige der höchstgelegenen, permanent besiedelten Dörfer der Erde, sondern auch türkisfarbene Seen, heilige Berge und eine erstaunliche Artenvielfalt.

Selbst in der heutigen Zeit führt keine Straße nach Dolpo. Man wandert entweder von der Landepiste in Juphal im Dolpa Distrikt los oder macht sich von den westlichen oder östlichen Nachbardistrikten (Mugu und Mustang) auf den Weg. Diese Routen erfordern die Überquerung von mehreren 5000 Meter Pässen, wo man auch im Sommer mit Schneefall rechnen muss.
Vielleicht erklärt das die Tatsache, dass sich weniger als ein Prozent der Nepal-Touristen  auf den Weg nach Dolpo machen.

Der Beginn des Abenteuers

Zwei Tage nach der kurzen Unterhaltung im Café machen wir uns auf den Weg. Wir, das sind mein Guide Mingma, unsere Träger Sushil und Nima und mein Dolmetscher Binod. Natürlich ist es nicht notwendig einen Dolmetscher nach Dolpo mitzunehmen, aber da ich für ein Buchprojekt Interviews mit der Dorfbevölkerung durchführen will, hielt ich es für das Beste, einen anzustellen.

Wir benötigen von Kathmandu drei Tage, um Kagbeni, das an der Grenze zu Mustang liegt, mit Bus und Jeep zu erreichen. Die Straße ist an mehreren Stellen verschüttet oder weggespült, und schwitzend schleppen wir unser Gepäck stundenlang bis zum nächsten befahrbaren Streckenabschnitt.

In Kagbeni erledigen wir noch die letzten Einkäufe, denn viele Waren (auch Lebensmittel) sind in Dolpo entweder nicht erhältlich, oder es wird einem der fünf- oder sogar sechsfache Preis abverlangt. Nicht weil man Tourist ist, sondern weil die Transportkosten enorm hoch sind.

Der Route über den Bhima Lojun La (4460m), Jungbenley La (5122m) Jungben La (5550m) und Niwas La (5120m) nach Chharka Bhot ist anstrengend und kann nur höhenangepassten Trekkern oder Trekkern mit ausreichend Erfahrung von anderen Touren auf großer Höhe empfohlen werden.

Ich erinnere mich sehr gut daran, was ich bei meiner ersten Überschreitung des Jungbenleys fühlte. Der momentane Stolz und die Freude waren wie weggeblasen gewesen, als ich in das Tal auf der anderen Seite des Passes blickte und die lange Zick-Zack-Linie des Aufstiegs zum Jungben La sah. Ganz plötzlich ging mir ein uralter Hit von Simon and Garfunkel durch den Kopf: El Condor Pasa. Ich hätte ein kleines Vermögen bezahlt, um wie ein Vogel über das Tal hinwegsegeln zu können. Mir blieb nichts anderes übrig als abzusteigen und anschließend wieder bergauf zu wandern.

In Chharka Bhot

Der alte Teil der Siedlung Chharka Bhot, die wir nach vier Tagen erreichen, gleicht einer kompakten, mittelalterlichen Festungsanlage. Die Gebäude stehen dichter zusammen, als in den meisten anderen Dörfern Dolpos, und man gewinnt den Eindruck, als hätten die damaligen Bauherren jeden Quadratmeter, der landwirtschaftlich nutzbar war, nicht als Bauland nutzen wollten. Die Häuser waren auf einem steinigen Hügel, der sich prägnant aus der Ebene mit saftigen Weiden und Feldern heraushebt, errichtet worden. Stallungen bilden eine Mauer, die das Dorf eingrenzt, und es gibt nur einen Zugang für Besuchende. Es überrascht, dass man hier einige Gebäude mit drei Stockwerken vorfindet, denn derartige Bauten waren in alter Zeit dem Adel vorbehalten gewesen. 

Die Ernte-Saison ist in vollem Gang, und vom frühen Morgen bis zum späten Abend hört man das rhythmische Klappern der handgemachten Dreschflegel.
Obwohl es ganz einfach aussieht, scheitere ich kläglich, begleitet vom Gelächter oder skeptischen Blicken von Seiten der einheimischen Bevölkerung. Zu guter Letzt gebe ich frustriert auf.
Wir folgen der sogenannten Südroute nach Dho Tarap. Bei meinem letzten Besuch in dieser Region hatten wir es geschafft, den Fluss zu durchqueren, obwohl die Strömung stark war, aber dieses Jahr haben wir keine Chance. Wir sitzen fest.
 
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