ÖAV gibt Fehler nach riskanter Alpenvereins-Skitour zu

Sicher auf Skitour

Am vergangenen Wochenende (30.01.2015) hatten Bilder einer vom Österreichischen Alpenverein organisierten Gruppen-Skitour in den sozialen Medien für Kritik gesorgt. 43 Personen waren eng hintereinander bei Lawinenwarnstufe 3 in einem Hang aufgestiegen, in dem sich bei der Abfahrt ein kleines Schneebrett löste. Verletzt wurde zwar niemand, doch den ehrenamtlichen Tourenführern des ÖAV droht nun ein Strafverfahren wegen Gemeingefährdung. Der ÖAV erkennt die begangenen Fehler und appelliert gleichzeitig zur objektiven Aufarbeitung.
 
Sicher auf Skitour: Der Alpenverein empfiehlt Entlastungsabstände von 10 Metern beim Aufstieg in Steilhängen (über 30°). Das reduziert nicht nur die Belastung auf die Schneedecke, sondern steigert auch den Komfort bei Spitzkehren © Österreichischer Alpenverein
Sicher auf Skitour: Der Alpenverein empfiehlt Entlastungsabstände von 10 Metern beim Aufstieg in Steilhängen (über 30°). Das reduziert nicht nur die Belastung auf die Schneedecke, sondern steigert auch den Komfort bei Spitzkehren
Nach starken Schneefällen war die Lawinengefahr am vergangenen Wochenende im Alpenraum stark angestiegen und hatte mehrere Todesopfer gefordert (wir berichteten). Doch nicht immer sind es unerfahrene Tourengeher, die unbewusst ein hohes Risiko eingehen und dabei eine Lawine auslösen. Auch geschulte Tourenführer machen Fehler, wie Michael Larcher, Bergführer und Leiter der Bergsport-Abteilung im Österreichischen Alpenverein nach den Vorkommnissen am Wochenende zugibt:

„Die Bilder von der Skitour im Gesäuse haben sich in den sozialen Medien rasant verbreitet, das war beinahe schon ein Shitstorm gegen die veranstaltende Alpenvereinssektion. Für jeden Betrachter war klar: Fehlverhalten, Massenauftrieb, Lebensgefahr! Hinterfragt wurde die Situation nicht, auch die Beteiligten kamen nicht zu Wort“, kritisiert Larcher.

„Es ist ganz klar, dass hier Fehler begangen wurden – an den Pranger stellen möchten wir die Sektion trotzdem nicht. Die betroffenen 10 Tourenführer gestehen ein, dass eine Aufteilung der Teilnehmer auf Kleingruppen notwendig gewesen wäre. Auch die Einhaltung der empfohlenen Sicherheitsabstände (10 Meter bei Hangneigungen über 30 Grad) wäre in diesem Fall richtig gewesen“, erklärt Larcher nach einem Gespräch mit den Verantwortlichen in der Sektion.

Risiken schon im Vorfeld senken

Ein erster Punkt, der von Tourengehern Beachtung finden sollte, ist die Größe der Skitourengruppe. Da kleinere Gruppen nachweislich einem geringeren Risiko ausgesetzt seien, empfiehlt der Alpenverein bei Führungstouren eine maximale Gruppengröße von acht Teilnehmern. Zudem seien grundsätzlich eine sorgfältige Tourenplanung und viel Erfahrung im Gelände wichtige Voraussetzungen für Skitourengeher. Die Tätigkeit der 4.500 ehrenamtliche Tourenführerinnen und Tourenführer im ÖAV ist an eine entsprechende Alpinausbildung geknüpft und setzt neben langjähriger Erfahrung und hohem Eigenkönnen auch den erfolgreichen Abschluss eines Ausbildungslehrgangs zum Übungsleiter oder Instruktor oder eine äquivalente bzw. höherwertige Ausbildung voraus. Sie übernehmen die Planung und Durchführung von Führungstouren und Ausbildungskursen für Alpenvereinsmitglieder. Dennoch, so Larcher, habe die bisherige Saison gezeigt, dass auch die Erfahrendsten Bergretter und Profibergführer nicht vor Fehlern gefeit seien.

Einer kritischen Auseinandersetzung mit Fehlern am Berg steht der ÖAV offen gegenüber. „Bedenklich finden wir es allerdings, wenn diese Aufarbeitung zuallererst über die Sozialen Medien passiert – was jede differenzierte Betrachtung bereits im Keim erstickt“, so Michael Larcher abschließend.

Infos des ÖAV zum Thema Sicherheit auf Skitour

Um allen Skitourengehern - ob mit oder ohne Tourenführer - die wichtigsten Sicherheitsregeln mit auf den Weg zu geben, hat der ÖAV ein Merkblatt erstellt, dass die elementarsten Informationen einfach erklärt und zusammenfasst. Hier gibt es den Skitouren-Cardfolder zum herunterladen.
Viktoria Hingerl
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