Stille Touren in den Berchtesgadener Alpen

Überschreitung des Kleinen Watzmann

Als Bestandteil der populärsten Berchtesgadener Gipfelsilhouette macht der Kleine Watzmann eine gute Figur, wird aber doch verhältnismäßig selten bestiegen. Ohne präparierte Routen braucht man schon eine gehörige Portion alpiner Erfahrung. Landschaftlich wird man auf der Überschreitung reich belohnt.
 
Markante Westwand: der kleine Watzmann im Profil © Mark Zahel
Markante Westwand: der kleine Watzmann im Profil

Die Überschreitung des Kleinen Watzmann ist eine anspruchsvolle Bergtour mit ausgesetzten Kletterstellen bis II. Die Abstiegsroute erfordert Orientierung. Insgesamt daher nur gür geübte Bergsteiger geeignet!

Alpines Schmankerl an der Watzfrau

Aufstieg: Von Hammerstiel ins Schapbachtal und mit einigen Abkürzungen der Forststraße zur Kührointalm hinauf. Bei der Klimastation beginnt eine Wiesenschneise, über die man auf den bewaldeten Rücken des Kederbichls gelangt. Hier folgt man einem deutlichen, aber zuweilen glitschigen Pfad weiter bergauf. Durch eine Latschengasse in freies Gelände nahe der Abbruchkante ins Watzmannkar. Hier schwingt sich auf ca. 1840 m der »Gendarm« als schwierigste Kletterstelle (II, Haken) auf. Oberhalb wieder in gemäßigteren Schrofenflanken weiter, Klettern muss man nur noch hin und wieder an einigen überschaubaren Stufen. Gelbe Punkte und gelegentliche Steinmännchen unterstützen die Feinorientierung, bevor man rechts haltend die gipfelnahen Plattenzonen erreicht. Sie werden entlang einiger Risse bis zum höchsten Punkt durchstiegen.

Abstieg: Anfangs kurz nach Süden, aber noch vor dem rundlichen Nebengipfel anhand von Steigspuren und Steindauben links in die Ostflanke hinab. Nach einer markanten Rechtstraverse wird ein kleines Schotterkar betreten, in dem schon von oben Spuren zu erkennen waren. Damit nähert man sich dem spektakulären Einschnitt des Fensterls, wo aus exponierter Position der Tiefblick auf den Königssee fällt. Gegenüber ersteigt man eine abschüssige Rampe und wechselt durch eine Minilücke zwischen zwei Köpfen wieder auf die linke Seite. Die Route laviert mit einigen Kraxelstellen um die Hindernisse entlang des Ostgrates, passiert Blockgelände und Latschenbewuchs und gewinnt in kurzem Gegenanstieg den aussichtsreichen Mooslahnerkopf (1815 m). Von dort auf dem ebenfalls nicht markierten, aber kaum zu verfehlenden Steig nordostseitig bergab. Erdig verschmierte Felsen können etwas lästig sein. Im Kar kreuzt man eine Forststraße und wandert im Bogen zurück nach Kühroint, wo sich der Kreis der Überschreitung schließt. Zurück nach Hammerstiel wie gehabt.

Die Kleiner Watzmann-Überschreitung im Detail:

Kleiner Watzmann Überschreitung KarteSchwierigkeit: Schwierig
Dauer: 8¾ Std.
Höhendifferenz: 1600 Hm
Talort: Schönau am Königssee
Ausgangspunkt: Parkplatz Hammerstiel (770 m) in Hinterschönau
Öffentliche Verkehrsmittel: Nächste Haltestelle an der Zufahrt nach Hammerstiel
Gehzeiten: Aufstieg bis Kühroint 2 Std., Gipfelaufstieg 2¾ Std., Abstieg zum Mooslahnerkopf 2 Std., Talabstieg 2 Std.
Beste Jahreszeit: Mitte Juni bis Oktober, nicht bei Schnee!
Karte: Alpenvereinskarte, 1:25 000, Blatt BY 21 »Nationalpark Berchtesgaden, Watzmann«
Führer: Mark Zahel »Wilde Wege Bayerische Alpen«, Bergverlag Rother, 2013
Fremdenverkehrsamt: Tourist-Information, 83471 Schönau am Königssee, Tel. 0 86 52/17 60
Hütte/Einkehr: Kührointhütte (1420 m), Mitte Mai bis Mitte Oktober, Tel. 01 71/3 53 33 69
Charakter/Schwierigkeiten: Schwierige Bergtour in überwiegend steilem Schrofengelände. Einige Kletterstellen bis II, ohne Sicherungen. In den unteren Bereichen (Kederbichl und Mooslahnerkopf) bei Nässe unangenehm rutschig. Nur für Bergerfahrene – Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und elementare Kletterfähigkeiten obligatorisch. Orientierungsmäßig ist vor allem die Abstiegsroute recht kompliziert.

Weitere stille Bergtouren im Berchtesgadener Land:

Bergtour auf den Edelweißlahner
Bergtour auf's Hohe Brett
Stille Bergtour auf Rothspielscheibe und Fagstein

 
Mark Zahel
Artikel aus Bergsteiger Ausgabe 05/2013. Jetzt abonnieren!
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