Die Rückkehr von Bär, Wolf und Luchs in den Alpen

Zurück ins Revier

In den vergangenen 80 Jahren hat sich nicht nur für Bergsteiger vieles verändert. Auch die ständigen Bewohner von Bergwäldern und -wänden finden andere Lebensbedingungen vor als in den 1930er-Jahren.

 
Sie sind zurück: Bär, Wolf und Luchs
Wenn man sich über den Zustand der »drei großen Beutegreifer« kundig machen möchte, muss man unbedingt Ulrich Wotschikowsky (siehe Kasten) treffen. Dem Wildbiologen zufolge erlebten Luchs, Wolf und Braunbär zwischen den Weltkriegen ihr absolutes Tief. Es gab noch einen kümmerlichen Rest von zwei Dutzend Bären im Trentino, aber längst keine Wölfe oder Luchse mehr.

In den 1980er-Jahren erlosch auch dort die Bärenpopulation. Zehn Jahre später ging es in der Brenta wieder aufwärts, als neun Bären aus Slowenien freigesetzt wurden. Dieser Bestand ist mittlerweile auf etwa 40 Tiere angewachsen. Von dort unternehmen männliche Jungbären Streifzüge in die Schweiz und nach Österreich. »Problembär JJ1« wanderte 2006 sogar bis nach Bayern, wo er unbarmherzig zur Strecke gebracht wurde.

In Österreich wurden ebenfalls einige Bären ausgesetzt, vor zehn Jahren war es wohl etwa ein Dutzend. Diese sind alle wieder »verschwunden «, also in der Mehrzahl abgeschossen worden. Nur im Grenzgebiet zu Slowenien lebt noch eine Handvoll. Dass der Luchs wieder Teile der Alpen bevölkert, ist den Eidgenossen zu verdanken.

Dort wurden in den 1970er-Jahren »Pinselohren « ausgesetzt. Heute leben in den Westschweizer Alpen mehr als 100 Tiere. Allerdings gewinnen diese nach Einschätzung Wotschikowskys keinen neuen Raum. Denn der Luchs quert ungern dicht be siedelte Täler und stark befahrene Verkehrsachsen. Wölfe sind hingegen ohne menschliche Hilfe aus dem italienischen Apennin in den 1980er-Jahren in die Alpen eingewandert.

Im französisch-italienischen Alpenbogen leben inzwischen etwa 30 Rudel mit rund 200 Tieren. Die Gesamtzahl in den Alpen schätzen Schweizer Experten auf 300. Für die Zukunft gibt Wotschikowsky dem Luchs die besten Chancen, da er sich von Rehen, gelegentlich von Rotwild und Gämsen ernährt. Und von denen gibt es eher zu viele als zu wenige.

Wölfe haben es schwerer. Sie hätten zwar das Potential, die Alpen komplett zu besiedeln. Allerdings würden sie der Schafhaltung zusetzen, was ihre Akzeptanz drosselt. Ähnliches gilt für den Bär. »Lebensraum hätte er genug, trotz ausuferndem Tourismus und dichter Besiedelung, aber es fehlt an Toleranz«, betont der Wildbiologe.
Alpenfauna heute und vor 80 Jahren. Text: Michael Pröttel, Fotos: Michael Pröttel ( 2), Doris Opitz / pixelio.de, Apart Foto – Fotolia.com, Peter Wey - Fotolia.com, Tanja Askani, www.5erls-naturfotos.de; joggeli /pixelio.de, Templermeister /pixelio.de
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