Langlauf ist Trumph | BERGSTEIGER Magazin
Wintersport am Wilden Kaiser

Langlauf ist Trumph

St. Johann in Tirol, Oberndorf, Kirchdorf, Erpfendorf – diese vier Wintersportorte bilden die Ferienregion zu Füßen des Wilden Kaisers, dem Felsgebirge-Schaustück schlechthin. Hier gibt es ein Langlaufparadies zu entdecken, wie es vielfältiger kaum sein kann.
Von Georg Steinbichler

 
Start zum »Koasalauf«: Österreichs größte Sportveranstaltung beginnt und endet in St. Johann © Georg Steinbichler
Start zum »Koasalauf«: Österreichs größte Sportveranstaltung beginnt und endet in St. Johann
Ein herrlicher Tag, »Kaiserwetter« sagen sie hier in St. Johann, es klingt wie »Koasaweeda«, ein wuseliges Getriebe herrscht trotz beißender Kälte, – die Sonne wird schon noch kommen, – die Gipfel des Kaisergebirges strahlen schon im warmen Licht: Heut’ ist »Koasalauf«. Eins der größten breitensportlichen Ereignisse startet im Koasastadion. Für die einen, die »mehrern«, geht es über Kirchdorf, Kössen und Erpfendorf zurück nach St. Johann; die anderen, die »Klassiker«, laufen in die andere Richtung, nach Ellmau, Going und über Oberndorf wieder ins Koasastadion.

Winter ist gleich Schnee, diese Gleichung ist für viele Orte, die jahrzehntelang auf Ski und Rodel gesetzt haben, ein Menetekel. Für andere Orte ist sie ein, wie man heute sagt, »Alleinstellungsmerkmal«. So auch hier. Mag sein, dass es neben der Inntalautobahn eher nach Frühling (oder Herbst) aussieht; im engen, schluchtartigen Tal der Weißache sieht man schon die Eiskaskaden, und wo die Straße sich mit der von Wörgl heraufkommenden vereinigt, sind auch in mageren Wintern die ersten Schneeflecken zu sehen. In Scheffau, unterm Wilden Kaiser, ist dann meist schon gespurt. Und ab dem »Stanglwirt«, der legendären gastronomischen Institution in Going, zeigt sich die Ferienregion in bestem Langlauf-Outfit: Von überallher laufen die Loipen zusammen, die breite Skaterpiste und viele Spuren für die Klassiker. Dann geht’s unter der Straße durch und hinauf auf die Höhen und wieder hinunter nach Oberndorf und in langer Schleife ins Koasastadion, das Langlaufzentrum St. Johanns.

Vier Langlauf-Stationen am Fuße des Wilden Kaiser

St. Johann ist das Langlaufmekka im Unterland. Neun Loipen aller Schwierigkeitsgrade stehen zur Verfügung: Von der leichten, im Ebenen verlaufenden Weitau-Loipe bis zur schwierigen Hinterkaiser-Loipe mit langen Anstiegen und ganz schön rasanten Abfahrten ist für alle viel geboten. Nach dem Langlaufen lockt die »Badewelt« zur Entspannung. Groß ist auch das Angebot neben dem Langlauf: Winterwanderwege, Alpinskilauf, auch nachts auf beleuchteter Piste, Rodeln, Eislauf gleich neben der Badewelt. Und eine Gastronomie mit anspruchsvollen Restaurants, traditionellen Wirtshäusern und Kneipen aller Ausrichtungen ist geboten.

Oberndorf, in Sichtweite die Kitzbüheler Ache aufwärts, nennt sich zu Recht ein Familien-Urlaubsparadies: ein überschaubarer Ort, zwei kleine Städte, St. Johann und Kitzbühel, unmittelbar vor der Haustür, und rundum größere und kleinere Berge. Entsprechend sind die Langlaufmöglichkeiten: leichte Loipen im Tal, hügelige, durch wunderschön einsame Wälder und über sanfte Hügel führende Skiwanderwege, anspruchsvolle Loipen auf die Höhen. Und der Hausberg, das Kitzbüheler Horn, bietet eine Vielzahl von Pisten. Rodelbahn und Winterwanderwege ergänzen das Angebot.

Ein paar Kilometer Richtung Norden, immer auf weiten Wiesen und an der Kitzbüheler Ache entlang, kommt man nach Kirchdorf. Bis hierher war’s nicht anstrengend, jetzt aber muss eine Entscheidung fallen: weiter fast eben dahin Richtung Erpfendorf oder steil hinauf über die Huberhöhe und zur Griesenau. Dort gibt es zahlreiche Möglichkeiten, für Geübte wie auch für Läufer, die’s lieber gemütlich angehen lassen. Wer die Huberhöhe lieber nicht rauflaufen (und mehr noch: runterfahren) will, kann den Skibus nehmen. Wer unten geblieben ist, hat von Erpfendorf aus wieder eine Reihe von Möglichkeiten.

Erpfendorf bietet Loipen in den Fluss­tälern von Großache und Loferbach und entlang der Hänge der umliegenden Berge. Spannend ist die Loipe Richtung Kössen, entlang der Großache (so heißt die ursprüngliche Kitzbüheler Ache hier, später, in Bayern, heißt sie dann Tiroler Ache): Hier gibt es Steigungen und kurvige Abfahrten, nichts Halsbrecherisches zwar, aber schon kernig. Die ganze Runde um das Unterberghorn, wie beim »Koasa«, ist zu lang; aber wie wär’s mit der Runde über Kirchdorf, Gasteig, Schwendt nach Kössen und mit dem Bus zurück?

Der Koasalauf ist nun fast zu Ende; von Erpfendorf bis ins Koasastadion sind es knapp sieben Kilometer, die müssen doch noch zu packen sein! Gut, dass dieser Streckenabschnitt so flach ist – nach mehr als 40 Kilometern tun Anstiege ganz schön weh! Noch eine kleine Schleife, man hört schon den Stadionsprecher, noch ein letzter Sprint, und dann ist man »ein Sieger über sich selbst« – wie seit Jahren das Motto dieses Langlauf-Events heißt. Zum Abschluss holen sich die Läufer ein heißes Getränk und etwas zum Futtern, werfen einen Blick auf die Ergebnisliste. Schön war’s beim »Koasa«, denn es ist einfach ein attraktives Gebiet mit freundlichen Menschen, die alle Teilnehmer anfeuern und unterstützen, – ein toller Lauf eben. Bis zum nächsten Jahr!
 
Kitzbüheler Alpen (Fotos: Felgenhauer)
Artikel aus Bergsteiger Ausgabe 01/2009. Jetzt abonnieren!
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