Ana´s way west – Etappe 4 | BERGSTEIGER Magazin

Ana´s way west – Etappe 4

Ana überquert die Alpen – allein, von Ost nach West in 60 Tagen: 1900 Kilometer durch die Österreichischen-, Italienischen-, Schweizer- und Französischen Alpen. Auf unserem Blog könnt ihr sie begleiten! Hier alles zu Etappe 4
 
© ana´s way west
Es ist schon interessant, dass sich bei mir gerade jetzt, wo die Etappe das Thema „Aufgeschlossenheit“ hat, ein Bedürfnis einstellt, mich ganz in mich zurückzuziehen. Es ist sicher gut so, dass mein Thema dem auf eine Weise entgegenwirkt. Denn es bewahrt mich davor, zuzumachen und „seltsam“ zu werden. Ich glaube auch, dass sich die Ruhe und die Aufgeschlossenheit keinesfalls wiedersprechen, sondern in ihrer Kombination eigentlich genau das sind, was ich gerne erreichen möchte.  

Heute wurde es mir leicht gemacht, mit Aufgeschlossenheit in den Tag zu gehen. Der Platz an dem ich aufgewacht bin war sehr schön und ich bin heute einfach mal länger liegen geblieben. Ich wusste ja, dass mein Paket mit den neuen Riegeln von Clif Bar erst zwischen 10 und 12 Uhr ankommt und als ich um 6 Uhr aufgewacht bin lag ich einfach lange da und schaute dankbar in die schönen Blätter und den immer dunkel blauer werdenden Himmel.  



Dann habe ich ausgiebig Yoga gemacht – und gemerkt, dass da doch ein paar tiefer sitzende Verklebungen lagern könnten, denen ich mich demnächst mal ausführlicher widmen sollte. Aber was texte ich hier von Verklebungen, wenn es draußen so unglaublich wunderschön ist. Ich war mal wieder ganz „betört“ (ja, das Wort passt hier) als ich Nachmnittags über die Peitlerscharte kam und sich der Blick in die Puezgruppe (in die ich morgen aufbreche) und die Weite über das Alta Badia Tal auftat.

Aufgeschlossenheit in Form von Landschaft

Der Weg zur Hütte war recht kurz und ich war schnell unterwegs und hatte große Lust an der Bewegung nach dem sitzenden Vormittag. Um 18 Uhr kam ich bei der Hütte an und das Licht kurz vor Sonnenuntergang brach in Bahnen durch eine kleine Gruppe Kumuluswolken, die noch am sonst blauen Himmel rumhingen. Das ganze Tal war in ein mattes, aber sanft strahlendes Licht getaucht, das Lust gemacht hat kopfüber hineinzuspringen. Stattdessen habe ich noch ein paar Sonnengrüße gemacht – es war die einzig mögliche Reaktion auf dieses Ausmaß an Schönheit, die mir in dem Moment einfiel. 



Der Vormittag war ruhig und ich saß stundenlang auf der Terasse des Gasthaus Dasser. Morgens als ich rein kam, lernte ich den Besitzer, Herrn Dasser kennen, der mich gleich auf einen Cappucino einlud und mit dem sich sogleich ein herzliches Gespräch über die Region, die Schönheit der Berge, Tourismus und Umweltschutz entwickelte. Auch Angelika, die Bedienung strahlte die ganze Zeit eine so freundlich ruhige Stimmung aus, dass sie sich auf alle Gäste zu übertragen schien. Zudem ist es sicherlich das Gemüt der Südtiroler, deren Sprache, das Ladinisch, die ich heute viel gehört habe und die mir sehr gefällt. Ich wusste nicht, dass man auch in Südtirol diese rätoromanische alte Sprache spricht. Angeblich verstehen sich Südtiroler und Engadiner sogar, wenn sie jeweils langsam sprechen. 

Es ist mir noch ein Anliegen über das Gasthaus Dasser zu erzählen und es wärmstens zu empfehlen. Es wird seit über 300 Jahren von der Familie Dasser-Trebo geführt und das Haus steht heute unter Denkmalschutz. Die alt-ladinische Bauweise ist aber nur eine der Besonderheiten in diesem schönen Hotel, das sicher zu den besondereren Hotels mit drei Sternen gehört. Obwohl ich nicht dort übernachtet habe, wurde ich sehr freundlich empfangen und bedient und Mittags habe ich ein köstliches Wienerschnitzel gegessen. 



Morgen wird das Wetter schlecht. Alle Apps und alle Menschen sagen starke Gewitter voraus. Deswegen habe ich mir diese Hütte ausgesucht, weil hier gibt es WLAN und ich werde vermutlich noch einen Vormittag damit verbringen aus den großen Fenstern dem Gewitter zuzuschauen, und die Zeit mit Schreiben, Lesen und Nachdenken verdaddeln. Es gibt so viel zu tun, so viel zu lernen, so viel zu denken.
 
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