BERGSTEIGER Testbericht: Selbstaufblasende Isomatten

Gut geschlafen? - Selbstaufblasende Isomatten im Test

Wie man sich bettet, so schläft man. Selbstaufblasende Isomatten gibt es für jeden Einsatzbereich. Wir zeigen in unserem Isomatten Test, worauf es ankommt.
(Aus BERGSTEIGER 09/2011)
 
Gut geschlafen? - Selbstaufblasende Isomatten im Test © Bernd Ritschel
Gut geschlafen? - Selbstaufblasende Isomatten im Test
Der Name verrät die wichtigste Funktion: Die Isomatte bildet die Isolierschicht zwischen dem Boden und dem Schlafenden. Zudem schützt sie den Schlafsack vor Nässe, spitzen Gegenständen und Schmutz. Eine leichte und doch gut gegen Bodenkälte isolierende, klein verpackbare und dennoch komfortable Isolationsmatte für Trekkingtouren klingt allerdings nach der Quadratur des Kreises. Der Kompromiss zwischen der federleichten, sperrigen Liegematte aus Hartschaum und der dicken, schwach isolierenden Luftmatte ist die sogenannte selbstaufblasende Isomatte, die mit einem höheren Isolationswert punktet – dem sogenannten R-Wert. Doch auch bei selbstaufblasenden Isomatten gibt es enorme Unterschiede, je nachdem, ob sie für den Campingurlaub oder fürs Zelt-Trekking konzipiert wurden. Bei Isomatten für Rucksacktouren kommt es vor allem auf die perfekte Balance zwischen Gewicht, Isolation, Volumen, Langlebigkeit und Komfort an.

Material

Selbstaufblasende Isomatten sind generell mit offenzelligem, weichem PU-Schaum gefüllt. Durch horizontal (Trangoworld, Mammut) oder vertikal (Yeti vorne und hinten) verlaufende Hohlräume kann zusätzlich an Gewicht gespart werden, ohne dabei jedoch wichtige Eigenschaften wie Isolation und Stabilität zu vernachlässigen. Beim ersten Ausrollen der Matte dehnt sich der Schaum nach Öffnen des Ventils nur so weit aus, dass eine »weiche« Befüllung entsteht. Das Modell von Lestra mit durchbrochenem Schaum zählt hier zu den Ausnahmen. Viele Anwender bevorzugen einen Überdruck in der Matte, den man leicht durch zusätzliches Nachblasen erreichen kann. Das Modell von Yeti ist auf Grund des R-Werts von 4,5 wintertauglich. Die Matte von Sirex aus laminiertem Hart- und Weichschaum zeichnet sich durch extreme Widerstandsfähigkeit aus und kann deswegen optimal an den Kompressionsriemen des Rucksacks befestigt werden. Luftmatten überzeugen durch ihr kleines Packmaß, ihr geringes Gewicht und die Vermeidung von Bodenkontakt. Generell wird man darauf jedoch etwas härter liegen und eine geringe Isolation hinnehmen müssen. Die Matte von Exped eignet sich perfekt für saisonale Übergangszeiten. Für optimalen Liegekomfort sollten Matten bei Belastung Bodenkontakt vermeiden und sich zugleich dem Körper anpassen. Wenn man sich mit beiden Händen flach auf die aufgeblasene Matte stützt und keinen Bodenkontakt spürt, ist sie dick genug. Die Modelle von Lestra, Yeti und Mammut bieten hier den größten Komfort und bestehen zudem aus einem extrem hautfreundlichen Material.

Maße

Das Standardmaß einer Isomatte beträgt etwa 183 mal 50 Zentimeter: eine Liegefläche, die problemlos in enge Zwei-Personen-Zelte passt und ebenso leicht im Rucksack verstaut werden kann (außer Sirex). Für große Menschen lässt sich Abhilfe schaffen, indem man Kleidung in den Staubeutel stopft und diesen oberhalb der Matte unter den Kopf legt. Einmal seitlich gefaltete, halbierte Matten sollten gut 25 Zentimeter breit sein. Die gedrittelte Luftmatte von Therm-aRest kann auf ein Minimum gerollt werden (19 cm Länge bei 9 cm Durchmesser) und ist zudem ultraleicht (mit Beutel + Flickzeug 440 g), isoliert jedoch auch nur bei eher sommerlichen Temperaturen (R = 2,5). Die vorgestellten Leicht-Isomatten wiegen mit Packsack (drei Modelle ohne) nur zwischen 550 und 750 Gramm, während komfortablere und voluminösere Standardmodelle mehr als ein Kilo wiegen. Um für eine ausreichende Isolierung mit kaum Bodenkontakt – unter anderem auch bei Seitenlage – zu sorgen, sollte man von einer Dicke von drei Zentimetern ausgehen (Lestra, Trangoworld). Die Modelle von Mammut ebenso wie die wintertaugliche Yeti-Matte (R = 4,5) reduzieren die Dicke auf nur 2,5 cm, ohne dass man bei Belastung den Boden berührt. Das Ergebnis: Fast alle Modelle garantieren damit einen optimalen Liegekomfort. Ausnahmen: Sirex (Bodenkontakt) und Therm-a-Rest (relativ hart).

Ober- und Unterseite

In Sachen Obermaterial gibt es mehrere Varianten: jene mit rutschfester Gummierung auf dem Polyesterstoff an beiden Seiten (Sirex Polyester-Hartschaum, Trangoworld PU-Stoff) sowie die Variante mit angenehmer Polyesteroberfläche (Yeti), die für weniger Schweißbildung sorgt. Besonders hautfreundlich ist das weiche Wildleder des Aufblas-Kissens von Nemo. Mammut und Lestra verbinden Komfort mit Funktionalität, indem sie auf der Liegefläche Polyester und am Boden rutschfesten Gummi verarbeiten. Wer nicht schon bei der kleinsten Neigung des Bodens rutschen will, ist mit einer rutschresistenten Matte besser bedient (Trangoworld, Mammut oder Sirex).

Ventile

Das Modell von Lestra wird über ein seitlich am Kopfende befestigtes Ventil »weich« gefüllt. Das heißt: Das geöffnete Ventil funktioniert ähnlich, wie wenn man einen Schaumstoffball in der Hand komprimiert und dann die Hand wieder öffnet. Das klassische Ventil mit Kunststoffgewinde gibt es in vielen Versionen: Angenehm glatt und abdeckbar (Trangoworld), zur Luftstrom-Regulierung vertikal verschiebbar (Therma-Rest-Klassiker) oder verschiebbar mit Drehraste (Yeti, Nemo, Mammut). Hier muss man beim Lufteinblasen entgegen der traditionellen Systeme erst spät gegen den Innendruck der Matte ankämpfen. Genial ist das System von Exped, dessen Einblasventil mit Rückschlagsicherung diesen Kampf verhindert. Das zusätzliche Auslassventil dient wie bei den anderen Modellen dem Ablassen von Luft bis zum optimalen Liegedruck.

Flickzeug und Extras

Alle vorgestellten Isomatten besitzen ein Reparaturkitt bestehend aus Flicken für Unter- und Oberseite sowie Klebstoff. Leider muss man bei Trangoworld das Kitt zusätzlich kaufen. Die Hybridmatte von Sirex ist flammbeständig – optimal für alle, die ihren Kocher gerne in der Nähe der Isomatte benutzen. Zudem verzichtet Sirex auf den Zusatz von Chemikalien. Dafür erfüllt Trangoworld mit seinen Modellen den Ökotexstandard 100 (Kriterien: Effizienz und Sozialstandards). Das Kissen von Nemo besitzt einen integrierten Packsack, einen waschbaren Überzug und ist höhenverstellbar (3–11 cm).
Text: Christian Schneeweiß
Artikel aus Bergsteiger Ausgabe 09/2011. Jetzt abonnieren!
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